Die große Milch-Lüge

© Helmut Brunken (Pixelio)

Was momentan in Deutschland wieder abgeht, ist einzigartig und zugleich bezeichnend für unser Land. Da steigt der Preis für ein Lebensmittel und alle schreien laut und protestieren heftig. Niemand schaut genau hin, um sich eine möglichst objektive Meinung zuzulegen. Lasst uns doch mal genau hinschauen…

Der Preis pro Liter Milch steigt um etwa 10 Cent. Gehen wir einmal davon aus, dass eine Person einen halben Liter Milch pro Tag trinkt (mehr ist offenbar auch gar nicht gesund!), dann sind das Mehrausgaben von 1,50 EUR im Monat. Eine fünfköpfige Familie hat somit Mehrkosten von 7,50 EUR pro Monat. Dabei muss man einräumen, dass es viele andere Lebensmittel gibt, die Milch enthalten: Butter, Joghurt, Quark, Sahnebonbons, Schokolade… Doch selbst wenn wir mit einem Liter pro Tag rechnen, was extrem hoch angesetzt ist, landen wir bei 3,- EUR Mehrkosten pro Monat und Person. Ist das so wahnsinnig viel für ein hochwertiges Lebensmittel? :roll:

Gerade auch die Diskussion, in der die Milchpreiserhöhung als Grund für eine Anhebung des Sozialhilfesatzes herangezogen wird, zeigt doch, wie verquer die Sicht auf die Dinge ist. Der Sozialhilfesatz wird regelmäßig an die aktuellen Lebenshaltungskosten angeglichen. Das heißt: Steigen die Kosten für Lebensmittel und alles, was man zum Leben sonst noch braucht, steigt auch der Sozialhilfesatz. Die Milch und deren Folgeerzeugnisse sind bereits ein kleiner Faktor davon!

© M.E. (Pixelio)

Der eigentliche Hammer ist aber die nackte Lüge, dass unsere deutschen Bauern nicht mehr genügend Milch produzieren und deshalb der Preis steigt. Auch hier muss man sich mal die Fakten anschauen: Sowohl ein sehr gut befreundeter Bauer hier vom Ort, als auch ein Landwirt, über den in der aktuellen Ausgabe des STERN berichtet wird, geben unumwunden zu, dass sie deutlich mehr Milch produzieren könnten und dies gelegentlich auch tun! Wo also bleibt diese Milch? Sie landet in den hungrigen Mäulern von Kälbern oder – man glaubt es kaum :shock: – im Gulli! Warum? Unsere Ober-Regulierungsbehörde, die EU, begrenzte bereits in den 80er Jahren die Milchproduktion pro Bauer, um dem Milch- und Buttersee entgegen zu wirken. Wieder einmal planten da die Brüsseler Damen und Herren an der realen Welt vorbei: In diesem Fall eine klassische Milchmädchenrechnung! :lol: Damit wurde nämlich die jetzige Misere vorprogrammiert! Erzeugt nämlich ein Bauer mehr als die per EU-Gesetz zugelassene Höchstmenge muss er ordentlich Strafe zahlen. Da die Produktionskosten für die Milchbauern ohnehin schon beinahe gleichauf mit den Einnahmen liegen, ist jeder weitere Kostenfaktor fatal für die Existenz eines Hofes. Also wird die überschüssige Milch nicht verkauft, sondern verfüttert oder weggeschüttet! :roll: Auf die Spitze wird das Ganze durch die Tatsache getrieben, dass von der Preiserhöhung (wenn überhaupt) nur ein sehr geringer Anteil bei den eh schon unterbezahlten Landwirten landet. Die großen Molkereien sind wohl die wahren Gewinner bei dieser Preisrunde!

© wrw (Pixelio)

Dieses Beispiel verdeutlicht wieder einmal: Wenn man ein mündiger Mensch sein will, darf man nicht immer nur den verkürzten Parolen aus den Medien oder Lobbyistenkreisen folgen, sondern man sollte sich die Mühe machen, Dingen auf den Grund zu gehen. Natürlich ist das unbequemer und braucht mehr Zeit, als sich nur von Floskeln berieseln zu lassen. Aber dafür habe ich eine eigene Meinung zu wichtigen Themen. Entschuldigung! Ist genau das nicht das Schöne an der Demokratie?

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