Der große Brand
Wer London, so wie es sich uns bis heute zeigt, verstehen möchte, der kommt um ein Großereignis nicht herum: “The Great Fire” – Der große Brand von 1666. Schon wenige Monate zuvor wurde die Stadt von einer Katastrophe heimgesucht: Die letzte Große Pest. Der Sommer 1666 war sehr warm und trocken, was zunächst die Angst vor einer noch weiteren Ausbreitung der tödlichen Krankheit anheizte. Eine sehr viel größere und alltägliche Gefahr wurde hingegen total unterschätzt. Es gab damals weder Streichhölzer noch Feuerzeuge und so war das Feuermachen ein ziemlich umständlicher Prozess. Mit Zunder oder glühenden Kohlen wurde Feuer entflammt und aus Bequemlichkeit oftmals tagelang im Ofen oder Herd glimmen gelassen. So tat es wohl auch ein Bäcker in der Pudding Lane nahe der Themse oder er hatte einfach die Glut übersehen. Jedenfalls entfachte sein Ofen ein Feuer in der Backstube, das sich rasend schnell ausweitete. Die Häuser bestanden damals nicht nur aus hölzernem Fachwerk, sondern hingen aufgrund des akuten Platzmangels in der City in den oberen Stockwerken über, d.h. die Häuser waren oben breiter als unten und boten so dem Feuer den optimalen Nährboden.
Vier Tage lang wüteten die Flammen. Damals gab es zwar schon Wasserleitungen, die aber brachen aufgrund des enormen Löschwasserbedarfs durch Unterdruck zusammen. Nur mit großer Mühe und durch das Sprengen einer breiten Schneise quer durch das Häusermeer konnte das Feuer aufgehalten und heutige Sehenswürdigkeiten wie den Tower Of London gerettet werden. Hunderttausend Menschen, die größtenteils in Booten auf die Themse geflüchtet waren, wurden obdachlos und ganze vier Fünftel der Londoner City wurden zerstört. Darunter auch rund 90 Kirchen und andere, berühmte mittelalterliche Gebäude. So ist das Große Feuer der Grund dafür, warum die eigentliche City von London im Gegensatz zu anderen Stadtteilen (wie z. B. Westminster, wo u. a. Big Ben und die Westminster Abbey zu finden sind) nicht wirklich historisch und “alt” wirkt. Sagenumwobene Orte wie das berüchtigte Newgate Gefängnis oder die alte St. Paul’s Cathedral wurden Opfer des Feuers. In sehr beeindruckender und beängstigend realistischer Weise wird dieses schreckliche Großereignis in der Ausstellung “Spirit of London” (einer animierten Reise durch die Geschichte Londons) im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud’s dargestellt.
Der gigantische Wiederaufbau wurde hauptsächliche in die Hände von Sir Christopher Wren gelegt. Sein Name begegnet dem London-Touristen daher an allen Ecken und Enden der Stadt. So ist er der geistige Vater der heutigen, weltweit bekannten St. Paul’s Cathedral, in der auch Prinz Charles und Lady Di einst getraut wurden. Seine letzte Ruhestätte liegt in der Krypta des Gotteshauses, ohne besondere Inschrift. Er lehnte stets jede Form eines Denkmals für sich ab. Daher prangt lediglich der lateinische Satz “Betrachter, wenn Du ein Denkmal suchst, blicke Dich um!” auf seinem Grab.
Das inzwischen leider stark verbaute und kaum mehr von Weitem ersichtliche Monument erinnert an den großen Stadtbrand. Die über eine steile Wendeltreppe erklimmbare Säule ist ungewöhnliche 61,5 Meter hoch. Würde man das Denkmal wie ein Baum fällen und in die richtige Richtung legen, würde die goldene Urne auf der Spitze der Säule genau an der Stelle liegen, an der am 2. September 1666 das verheerende Feuer seinen Ursprung hatte. Doch das Monument Of Great Fire ist nicht die einzige Spur, die das einstige Unglück hinterlassen hat. So gibt es bis heute strenge Bauvorschriften in der Londoner City, die das Verwenden von Holz und anderen leicht brennbaren Materialen streng untersagen. Aber vor allem prägte das Ereignis die Verteilung der unterschiedlichen Einwohnerschichten. Die durch das Feuer obdachlos gewordenen Einwohner führten vom Brandherd aus östlich verteilt ein eher ärmliches und schmutziges Leben. Das East End wurde das Armenviertel der Stadt. Nicht zuletzt deshalb konnte dort rund zweihundert Jahre später ein Ungeheuer namens Jack the Ripper ziemlich widerstandslos sein grausiges Unwesen treiben. Aber dazu später mehr…
Bis heute ist das East End das Viertel der “einfachen” und eher unterbemittelten Leute.
TOURISTEN-INFORMATIONEN:
U-Bahn zum Monument:
Linie: Circle / District
Station: Monument
14 Kommentare
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- Vollmer-Blog » Covent Garden - [...] für ganz Londons Geschichte einschneidende und bestimmende Große Brand im Jahre 1666 spielte auch hier eine wichtige Rolle. Durch ...






Interessant! Ich bin grad im Deutsch-Unterricht im 17. Jhrd. unterwegs…… das passt doch, auch wenns wat aus London is und nich aus Breslau wo mein Barokker Lyriker herkommt, über den ich ne Biografie vortragen soll…….. Aber so hab ich wieder was über die Geschichte Londons erfahren und dat passt grade wie Faust auf Auge (da ich ja gedanklich eh grad im Mittelalter weile)…………….
Jetzt bin ich richtig happy, dass Dir dieser Beitrag so gut gefällt, Bigi! :grin: In der Schule fand ich sowas immer tierisch langweilig. Je älter ich werde, umso mehr interessiere ich mich aber für Geschichte… insbesondere für die von London, weil sie einfach so dermaßen viele, wunderschöne und in sich geschlossene Eigenheiten in sich birgt. Zu fast allem und jedem gibt’s nochmal eine kleine Anekdote und alles fügt sich ineinander wie ein Puzzle. Man kann keinen Schritt in dieser Stadt machen, ohne dass man auf Tradition und Geschichte stößt. Herrlich!
Vielleicht fehlt das den Deutschen hier und da ein wenig…
Wir tun uns ja schwer mit Nationalstolz, den die Engländer einfach ganz unverblümt zeigen – und das ist auch gut so.
Schön, wenn ich hier so ein ganz kleines bisschen von meiner Begeisterung für diese Stadt vermitteln und vielleicht sogar Appetit darauf machen kann. :smile:
Hey, die Ausstellung bei Madame Tussauds hab ich sogar gesehen :smile:
Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, dass ein harmloser, kleiner Bäcker für all das verantwortlich ist, oder?
Weiß man denn, was aus dem armen Kerl geworden ist? Ein glückliches Leben hatte der bestimmt nicht mehr…
Ja Sternle, die Frage ist wirklich interessant! Obwohl es offensichtlich war, dass der Brand von der Pudding Lane und dort von der Bäckerei ausging, kam die Verschwörungstheorie auf, die Jesuiten seien es gewesen. Ein Uhrmacher gestand sogar unter Folter, dass er als Spion des Papstes den Brand in Westminster gelegt hätte. Nur leider brannte es dort gar nicht und später stellte sich heraus, dass der gute Mann erst Tage nach dem Feuer in London eintraf. Das half ihm leider nichts mehr, denn er wurde kurz vor der Veröffentlichung dieser Fakten kurzerhand gehängt. :shock:
Obwohl der arme, dazu auch noch königliche Bäcker namens Thomas Farynor ganz offensichtlich der fahrlässige “Täter” war, schwelte der Katholikenhass weiter. Die Bevölkerung wollte und brauchte wohl einen Sündenbock. Die sogenannte Papisten-Verschwörung beschäftigte die Engländer noch Jahre nach dem Großen Brand. Insofern hinterließ auch auf diese Weise das große Unglück seine Spuren.
Übrigens: Neben “Spirit of London” gibt es nun auch im Gruselmuseum “London Dungeon” eine Ausstellung zum Großen Brand. Die kenne ich aber selbst noch nicht, weil sie relativ neu zu sein scheint.
Also wenn das Dungeon in London so gut ist, wie das in Hamburg, dann sollte man das Museum unbedingt besuchen.
@Micha: Als ich “klein” war, konnte ich mich für sowas auch nicht begeistern. Geschichte war immer ein Graus für mich (5 setzten) ;)
Bigi, ich war schon im London Dungeon, der Mutter aller Dungeon-Museen und es war verdammt gut… und verdammt gruselig. Mir hat allein die Jack the Ripper Experience gereicht!
Aber das ist schon ein paar Jahre her und damals gabs die Ausstellung zum Großen Feuer noch nicht. Von daher wär’s mal wieder Zeit hinzureisen.
Micha, das klingt alles recht interessant und ich freu mich schon auf mehr davon…
Ich war 1999 im Londen Dungeon und fand es total gruselig, besonders diese Bootsfahrt… UUUUUAAAAAAA!!!!! hab mich bisher in den Hamburg Dungeon noch nicht getraut…
Wann fahren wir?????
Nu hört mir bloß auf… Ich buch sonst gleich ein Gruppen-Flugticket!
Au man, ich freu mich echt wie blöd, dass Euch das so gefällt und interessiert!
Ich hab noch sooo viel London-Anekdoten in petto.
Fein, fein, dann nur her damit

Ich bin gezz grad ernsthaft am überlegen dran, ob ich im Oktober nich mal mit meinem Gatten da hin soll
Ich werd ggf. an andere Stelle darüber berichten :D
Bigi, das solltet Ihr unbdingt machen. Frag das Sternle!
Bis dahin mach ich Euch flott, damit Ihr genau Bescheid wisst, was Ihr da anguckt!
also das passt ja grade perfekt!
ich bin gerade an einer präsentation über den Londoner Großbrand am werkeln, und diese aussage ist für mich sehr aufschlussreich.
wie lange dauerte der großse brand von london???
:eek: :razz:
:grin:
@I and B:
Wer lesen kann ist klar im Vorteil! ;-) Vier Tage lang steht oben im Text, genauer gesagt vom 2. bis 5. September 1666.