Streik ohne Ende
Seit Wochen, ja Monaten liest, hört und sieht man immer wieder das Reizthema “Lokführer-Streik”. Pendler bleiben am Bahnsteig sitzen, Schüler kommen nicht in die Schule, Urlauber müssen auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Klar, ein Streik ist ein gesetzlich legitimes Mittel zur Durchsetzung von Arbeitnehmeransprüchen. Und klar, die Lokführer in Deutschland verdienen sicher zu wenig. Das was aber in der letzten Zeit abläuft geht längst über einen fairen und vor allem ergebnisorientierten Streik hinaus. In meinen Augen geht es längst um Erpressung!
Nochmal: Lokführer verdienen zu wenig. Keine Frage! Aber das Problem ist nicht die Höhe der Lokführereinkünfte, sondern die Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag. Lässt sich die Bahn darauf ein, kommen morgen die Schaffner, übermorgen die Weichensteller, nächste Woche die Verwaltungsangestellten usw. und fordern ebenfalls einen eigenen Tarifvertrag. Das Resultat wäre eine Zersplitterung, die dem Unternehmen Bahn AG das Genick brechen würde. Wie soll ein Unternehmen so eine Vielstaaterei unter dem eigenen Dach jemals koordinieren?
Gerade eben läuft in der ARD die Talkshow “Anne Will”. Dort äußert der Streikführer und Gewerkschaftsboss Schell das, was er seit Wochen äußert (wenn er nicht grad mal in Kur ist, während sich seine Mitglieder im Freien die Beine in den Bauch streiken – makaber!): Die GDL, und als solche die Gewerkschaft der Lokführer, fordert einen eigenen Tarifvertrag und wartet nun auf einen entsprechenden Vorschlag der Bahn. Sorry, das ist ergebnisorientiertes Rechnen: Egal wie man zählt und kalkuliert, am Ende muss das richtige Ergebnis rauskommen. Oder anders herum gesagt: Wenn das Ergebnis nicht stimmt, geben wir nicht nach. Das ist Erpressung… unter der alle Bahnkunden leiden müssen.
Ich kann es nicht mehr hören und ich warte auf irgendjemanden, der ein Machtwort spricht. Vielleicht braucht Deutschland endlich jemanden, der aufräumt und endlich auch vollkommen unpopuläre Themen in Angriff nimmt. Die Engländer wählten einst eine Margret Theatcher, die gleich nach ihrem Amstantritt die Gewerkschaften massiv entmachtete und der Wirtschaft in großen Bereichen wieder freien Lauf ließ. Das Volk schrie auf und schnell wurde sie zur eisernen Lady (den Titel gab sie sich selbst!). Bis heute ist sie in England unbeliebt, aaaber: Von ihrer Politik profitieren die Engländer bis heute! Das Pfund (wohlgemerkt NICHT der Euro!!!) steht heute besser da denn je und die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor auf einem Rekordtiefstand.
Mag sein, dass ich hier abschweife, aber alles hängt (volkswirtschaftlich) miteinander zusammen! In unserem Land ist es “hip” (hatten wir doch schonmal, oder?
), zu maulen, sich negativ zu äußern und gegen etwas zu wettern. Aber wo sind die Alternativen? Wer ist bereit auch mal etwas zu schlucken, um der Sache willen? Und vor allem: Wer nimmt sich die Zeit genau hinzuschauen und sich eine Meinung zu bilden? Natürlich ist es einfacher, einer populären Überschrift hinterher zu rennen. Aber besteht das Leben aus einer verkürzten Überschrift oder ist manches nicht sehr viel komplexer?






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