Schmotziger Donnerstag
Vor ein paar Jahren, als ich noch in meiner Heimatstadt Rottenburg lebte, war der heutige Tag ein lang ersehnter Festtag. Der “Schmotzige Donnerstag“, wie er in der schwäbisch-alemannischen Fasnet (schwäbisch für: Fastnacht) genannt wird. An diesem Tag übernehmen die Narren das Zepter über die Stadt und beherrschen diese in den kommenden sechs Tagen bis zum Aschermittwoch. In Rottenburg bedeutet dies: Feiern, gemütlich Beisammensitzen und Brauchtum – rund um die Uhr. Was die Fasnet für mich immer zu etwas ganz Besonderem gemacht hat: Es geht eben nicht nur um Remidemmi, sondern um schwäbische Gemütlichkeit und um althergebrachte Tradition. Schon um 1410 wurde in Rottenburg “Vassnach” gefeiert. Daran hat sich bis heute nichts verändert und so übergibt Gräfin Mechthild als bedeutende Figur der Rottenburger Geschichte und Gönnerin des Fasnachtsbrauchs in Form einer Darstellerin heute Abend auf dem Marktplatz den Schlüssel der Stadttore in die Hände ihres getreuen Hofnarren Halberdrein, der fortan die närrischen Tage anführt und die Stadt regiert.
Ganz grundsätzlich basiert die eigentlich eher heidnische Fastnacht auf christlichem Brauchtum: Rund sieben Wochen vor Ostern beginnt die katholische Fastenzeit. Dies bedeutete einst strenge Enthaltsamkeit und Entbehrung bei Essen und Trinken. Nicht nur der Brauch verpflichtete dazu, sondern auch das Zu-Ende-Gehen der für den Winter angesammelten Nahrungsmittelvorräte. Insofern war die Fastenzeit auch eine Durststrecke bis zur neuen, ersten Ernte. So kam es, dass in der letzten Woche davor, ein rauschendes Fest gefeiert wurde, bei dem noch einmal im Überfluss gegessen und getrunken wurde. Die Fastnacht (also die Nacht vor dem Fasten) war geboren. Erst später kam die Symbolik hinzu, dass böse Dämonen und mit ihnen der strenge Winter durch Krach und Ausgelassenheit vertrieben wurde. Letzteres ist heute Abend in Form einer Aufführung in Rottenburg zu sehen: Der traditionelle Hexentanz zeigt die Vertreibung der Hexen und deren Meister, dem Teufel, durch die “Ahlande“, freundlich gestimmten Weißnarren.
Manchmal vermisse ich als ehemaliger “Ahland” diese vertraute Zeit, auf die man sich (vor allem als Kind) wahnsinnig gefreut hat. Zwar hat unser neues Zuhause, Engstingen auf der Schwäbischen Alb, auch eine Fasnet, aber diese ist (man möge mir das verzeihen) nicht annähernd damit zu vergleichen. Ich kann nur jedem, der Interesse an althergebrachtem Brauchtum hat, empfehlen, über die närrischen Tage einmal nach Rottenburg am Neckar zu kommen. Vor allem der große Umzug am (kommenden) Fastnachtssonntag ist immer eine Reise wert!
Wer mehr über die Rottenburger Fasnet wissen möchte, der sollte die folgenden Seiten besuchen.
Narrenzunft Rottenburg
Die Zunft ist sozusagen der “Verein” aller Rottenburger Narren. Auf der dortigen Seite werden unter “Gruppen” alle Figuren der Rottenburger Narren vorgestellt.Ahlandmalkurs
In Rottenburg ist es schon seit langer Zeit Brauch, dass die “Ahlande” ihr “Häs” (also ihr Kostüm) selbst bemalen. Mein Vater leitet schon seit etlichen Jahren den Malkurs, der hierfür durchgeführt wird.
Allen Narren in und außerhalb von Rottenburg wünsche ich eine “glückseelige Fasnet”!






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