Michas fünf Lieblingsbücher

Hier hat ja mein Spatzel schon vor geraumer Zeit abschließend den Bogen von der Musik zur Literatur gespannt und möchte nun von mir meine fünf Lieblingsbücher wissen. Leichtfertig machte ich mich dran und wollte die “mal eben so runtertippen”. Doch weit gefehlt! Das Ganze gestaltet sich nicht weniger schwierig als die musikalische Auswahl.

Gefragt ist ja nun nach Büchern ganz allgemein, weswegen ich mich hier ganz ausdrücklich nicht nur auf Romane konzentriere. :mrgreen: Here they are… und die Reihenfolge der Auflistung hat nichts mit einer etwaigen Gewichtung zu tun – denn das ändert sich von Mal zu Mal. ;)


1. Michael Ende – Die unendliche Geschichte
Die unendliche GeschichteDieses in rote Seide eingebundene Buch habe ich als Jugendlicher geschenkt bekommen und seither ist es ein ständiger Begleiter. Es war das erste Buch dieser Art und hat ganz zweifellos eine neue Epoche in der Jugend- und Phantasyliteratur eingeläutet. Ich verfolgte und verfolge bis heute immer wieder die Geschichte um Bastian Balthasar Bux, der in die Welt Phantásiens eintaucht und somit das Abenteuer mit Atreju und all den faszinierenden Geschöpfen hautnah erlebt. Als Kind war ich bis über beide Ohren in die kindliche Kaiserin verliebt, obwohl deren Verbildlichung durch das Drehen eines Filmes noch Jahre auf sich warten ließ. In meiner Phantasie war sie das vollkommene Mädchen und nicht nur dadurch prägte Michael Ende mein phantastisches Denken bis heute. Wie man als Autor auf so etwas Phantastisches kommen kann, ist mir schon immer ein Rätsel gewesen, weswegen ich ihm gegenüber echte Bewunderung empfinde. “Die unendliche Geschichte” macht ihrem Namen also alle Ehre und ist für mich nach wie vor präsent.

2. David Gutterson – Schnee, der auf Zedern fällt
Schnee, der auf Zedern fälltDieser Roman hat mich bewegt und berührt, wie kaum ein anderer. Er erzählt vordergründig eine Kriminalgeschichte in den 50er Jahren der USA. Es geht um den Mord von Carl Heine, einem Fischer, der eines Morgens erschlagen und in seinen Netzen verfangen aufgefunden wird. Nicht zuletzt wegen Pearl Habor sind die Vorbehalte gegen japanische Mitbürger so groß, dass der vermeintlich Schuldige schnell gefunden wird: Kabuo Miyamoto. Der für die Lokalzeitung berichtende Ishmael Chambers könnte Informationen haben, die die Unschuld Kabuos beweisen. Doch seine alte Liebe zu Kabuos Ehefrau, Hatsue Miyamoto, stellt ihn vor ein Dilemma. In sagenhaften Rückblenden erfährt der Leser nach und nach, wie die Protagonisten zueinander stehen und warum sie sich im Rahmen des Mordfalls so verhalten, wie sie es tun. Die Auflösung des Falles selbst ist zweifellos spannend und ein Meisterwerk für sich. Die sich darum herum entwickelnde Geschichte aus der Vergangenheit reißt aber mehr und mehr das Ruder an sich und mündet in einem mitreißenden und emotional zutiefst bewegenstem Ende. Das Tüpfelchen auf dem “i” ist die perfekte, filmische Umsetzung des Stoffes mit Ethan Hawke. Absolut grandios und in jedem Fall lesens- bzw. sehenswert!

3. Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg
Ich bin dann mal wegWas soll man zu diesem Buch noch sagen? Ein Bestseller seit gefühlten zwanzig Jahren! :mrgreen: Hape Kerkeling erzählt seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Punkt! Es ist nicht mehr und nicht weniger, aber genau das ist schon grandios. Viele bemängeln, dass er so wenig spirituell wird, den Glauben und die überirdischen Begegnungen vollkommen ausspart. Dadurch sei das Buch dem eigentlichen Thema gegenüber viel zu leicht und unbekümmert. Aber genau das ist es, was ich an dem Werk so liebe und was es in meinen Augen zu dem macht, was es ist. Es hebt keinen Zeigefinger und will niemanden bekehren. Es macht Lust auf Pilgern. Es offenbart, wie sehr man hierbei an seine Grenzen stößt und dadurch “spezielle”, aber individuelle Erlebnisse hat. Alles andere interessiert nicht! Alles andere ist zu persönlich und intim! Dass Hape durch seine berühmt berüchtigte Art der Erzählung ein kurzweiliges und witziges Buch abgeliefert hat, ist sicher keine Überraschung, aber auch nicht minder von Bedeutung. Ich liebe dieses Buch und werde es sicher immer mal wieder lesen.

4. Reinhard K. Sprenger – Die Entscheidung liegt bei Dir
Die Entscheidung liegt bei DirNormalerweise bin ich kein Freund von Lebensratgebern à la “Selbstbewußt in fünf Minuten” oder “So erobert man eine Frau” und dergleichen. :mrgreen: In der Regel sind derartige Bücher eher plump und maßen sich an, Hilfesuchenden den einzig richtigen Weg aufzuzeigen. Dabei ufern die “Experten” meist so aus, dass man nach der Lektüre gar nicht mehr weiß, was man nun tun oder lassen soll, um ans Ziel zu gelangen. Bei dem hier vorgestellten Buch ist das anders! Reinhard K. Sprenger ist kein Psychologe, kein selbsternannter Experte, sondern schlicht und ergreifend ein äußerst erfolgreicher Unternehmensberater, der völlig andere, grundsätzliche Wege geht. Ich las sein Werk erstmals vor Jahren in einer äußerst schwierigen Lebensphase, in der ich eine Ohnmacht und eine gewisse Hilflosigkeit spürte. Das war der genau richtige Zeitpunkt, denn dieses Buch setzt einen unmissverständlich zurück an das Lenkrad des Lebens. Es macht Schluss mit den alltäglichen Ausreden wie: “Ach, könnte ich nur…” oder “Ja, wenn das nicht wäre, würde ich dies tun…”. Es zeigt uns auf, dass wir unser Leben in der Hand haben und im Grunde jede – ausnahmslos jede – Entscheidung bewußt fällen. Die daraus resultierenden Folgen nehmen wir aber nicht bewußt an, sondern reden uns raus… mit Alibis wie höherer Gewalt oder äußeren Einflüssen. Selbst beim Lesen des Buches hört man sich immer wieder: “Ja, aber…” denken. Herr Sprenger widerlegt dann gleich im nächsten Kapitel dieses Aber, bis man zum Ende des Buchs restlos davon überzeugt ist, dass man mit diesem Ausweichen und Rausreden auf dem Holzweg ist. Wer unzufrieden ist oder den Kopf wieder richtig herum aufgesetzt bekommen und aus einem Loch gezogen werden möchte, der wird hier Hilfe finden – auch wenn es zunächst schwer zu schlucken ist. Auch für alle anderen dürfte diese Lektüre die eigene Sichtweise stark verändern. Ich habe noch niemanden erlebt, den dieses Buch nicht beeindruckt hat. Ich für meine Person kann ohne Übertreibung sagen, dass dieses Buch mich nachhaltig verändert hat… bis heute!

5. Die Bibel
Gute Nachricht BibelDas Buch der Bücher! Die meisten zucken abwehrend zusammen, wenn die Sprache darauf kommt. In den Augen der meisten, ist die Bibel ein angestaubtes Buch, das die Grundlage für einen altbackenen Glauben bildet. Der bei weitem größte Teil aber weiß überhaupt gar nicht, was genau darin geschrieben steht. Wer micht kennt, der weiß, dass ich mich nicht auf “landläufige Meinungen” verlasse, sondern Wert darauf lege, mir eine eigene Meinung über etwas zu bilden. Und so kam es, dass ich vor vielen Jahren aus purem Interesse begann, mich der Bibel von der wissenschaftlichen Seite her zu nähern. Ich beschäftigte mich mit den verschiedenen Übersetzungen, dem Aufbau der Heiligen Schrift und den Herkünften der einzelnen Bücher. Lange stand der Glaube dabei vollkommen im Hintergrund und nach und nach offenbarte sich mir eine riesengroße, hochinteressante Welt. Ich landete bei bibelkritischer und bibelunterstützender Literatur und ich versuchte zu ergründen, welche Geschichten aus der Bibel wahr sind und welche frei erfunden scheinen. Klammheimlich schlich sich dabei ein Gefühl ein, das ich heute als “meinen Glauben” bezeichne. Nach und nach wurde mir bewußt, dass die Bibel recht hat, dass sie in der Tat das Buch der Bücher ist. Ich begriff, dass es nicht um Regeln oder Verhaltensanleitungen geht, sondern um die Geschichte von Menschen. Leute wie Du und ich, die durch ihr Erleben eine richtige Form des Zusammenlebens erfahren. Je mehr ich mich der Bibel zugewandt fühlte, umso mehr entfernte ich mich von “den Kirchen”. Vor allem die katholische Kirche beruft sich vor allen Dingen auf sich selbst. Die Bibel, der Kern allen christlichen Glaubens, spielt dabei eine absolut untergeordnete Rolle. Sie wird dort zum Nachschlagewerk für völlig aus dem Zusammenhang gerissene Zitate degradiert. Ich gebe zu, dass es nicht einfach ist, in die Sammlung von hunderte Jahre alten Büchern einzusteigen. Immerhin sollte diese Reise auch Spaß machen! Also, wo fängt man an, was lässt man aus? Hat man den Zugang aber gefunden, ist die Bibel ein schier unendliches Reservoir an Weisheiten, Hilfestellungen oder einfach nur ein Quell der Inspiration. Beeindruckend dabei ist, dass dieser uralte Schinken Themen behandelt, die selbst heute noch aktueller sind denn je! Entscheidend ist in jedem Fall die jeweilige Übersetzung. Zwar erfreut sich die Lutherbibel unverändert größter Beliebtheit, ich selbst bevorzuge aber die hier abgebildete “Gute Nachricht”-Bibel, die in modernes Deutsch übersetzt wurde. In meinen Augen geht es nämlich weniger um die absolute Worttreue zum Originaltext, sondern um die insgesamte Bedeutung der Geschichten, um die Kernaussage und das Grundgefühl. Auch das ist ein krasser Gegensatz zur katholischen Kirche. ;)

So, und das Katrin’sche Stöckchen werf ich jetzt mal ganz keck rüber zum Sternchen und bin gespannt, was da auf Platz eins bis fünf landet.

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