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Dieter Wellershoff – Der Liebeswunsch

Dieter Wellershoff - Der LiebeswunschHier kam das Buch schon einmal zur Sprache. Damals hatte ich es noch nicht gelesen. Das hat sich nun seit gestern Abend geändert. Aufmerksam geworden bin ich darauf schon vor Jahren! Ich schaute einst das literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki, wo der Roman außerordentlich gute Kritiken bekam. Vor allem der kritische Reich-Ranicki schwärmte geradezu von Wellershoffs Stil und Methodik. Also, so dachte ich, muss man sowas gelesen haben. Ich kaufte das Buch und… ließ es zuerst einmal lange liegen. :lol: Wer sich an die oben genannte Sendung erinnert, wird wissen wie lange! :mrgreen: Nun also habe ich es durch und was soll ich sagen? Reich-Ranicki hatte recht: Es ist ein außergewöhnliches Buch, anders und irgendwie auch merkwürdig. Aber der Reihe nach… :mrgreen:

Erzählt man die komplette Geschichte in Kurzformat (was ich aus Rücksicht aller potentieller Leser an dieser Stelle nicht tun werde), würde jeder, der das Buch nicht gelesen hat, sagen: “Ja und?” Es ist nicht die Handlung oder das Geschehen allein, das dieses Buch heraushebt. Die ist, wenn man ehrlich ist, alltäglich und (leider) viel zu oft Realität. Arzt Paul führt mit der erfolgreichen Medizinerin Marlene eine liebevolle Ehe. Die beiden fahren für längere Zeit ins Ausland und engagieren deshalb Studentin Anja, um das Haus zu hüten. In dieser Zeit lernt Anja den Freund des Hauses, den Juristen Leonhard, kennen, der ihr zunächst ein gewisses Gefühl von Geborgenheit gibt. Deshalb heiratet sie ihn ziemlich überstürzt, doch der verklemmte Richter kann ihr nicht die Liebe geben, nach der sie sich sehnt. Auch die Geburt ihres Sohnes ändert nichts daran, dass Leonhards und Anjas Beziehung scheitert. Eher zufällig erfährt sie zudem davon, dass Marlene (die ihr inzwischen so etwas wie eine Freundin geworden ist) einst mit Leonhard zusammen war und sie ihn wegen Paul verlassen hat. Um der Realität zu entkommen, flüchtet Anja immer öfter in den Alkohol. Sie beginnt ein Verhältnis mit Paul, von dem sie sich die Erfüllung ihres Liebeswunsches erhofft.

Das klingt sehr nach Seifenoper, bestenfalls nach Alltagsmelodram, aber wie das ganze eingefädelt wird, wie die Figuren umeinander platziert und in Szene gesetzt werden und vor allem, wie das Ganze erzählt wird, das ist absolut herausragend und nahezu perfekt. Wellershoff bedient sich einer Sprache, wie man sie selten liest: Perfekt, klar, lupenrein und doch abgehoben… ja, manchmal sogar hochtrabend. Das wurde ihm in manchen Rezensionen vorgeworfen. Ich jedoch finde gerade das erfrischend und einfach herrlich zu lesen. Dabei hält der Autor eine Lupe auf die Gefühlswelt der vier Hauptpersonen, ohne die Handlung auszubremsen und in ein psychologisches Gutachten zu verfallen. Stattdessen fühlt man an vielen Stellen, wie sich das innerliche Entzweien oder unerfüllte Liebe tatsächlich anfühlt. Sehr oft (meist auch nur bei unwichtig erscheinenden Details) dachte ich bei mir: “Oh ja, so fühlt es sich an!” Je weiter sich die Geschichte dem Ende nähert, umso mehr ahnt man den tatsächlichen Ausgang. Aber das scheint gewollt und macht das Buch keineswegs schlechter. Im Gegenteil!

Um es frei nach einem im Buch vorkommenden Vergleich mit Wellershoffs Worten zu sagen: Wer also Lust auf einen Blick hinter die Fassaden zweier Paare hat, die wie die Figuren eines Mobilé umeinander kreisen und stets Gefahr laufen, zusammenzustoßen, der sollte sich “Der Liebeswunsch” einverleiben. In mir hallt die Geschichte auch heute noch nach, was immer ein sehr, sehr gutes Zeichen für eine Lektüre ist. Irgendwie hat sie mich zum Nachdenken gebracht… darüber, was mein Liebeswunsch ist und welches Glück ich habe, ihn erfüllt zu bekommen.


KategorienBücher
  1. 7. März 2008, 12:49 | #1

    Ach, DAS ist die Geschichte :mrgreen: dann hab ich das Buch auch schon gelesen :grin:

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