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Der Umweltsch(m)utzminister

Derselbe Sigmar Gabriel, seines Zeichens Umweltminister unserer Republik, der hier noch den armen, betrogenen nachrüstwilligen Dieselbesitzern die Hölle heiß machen und sie dazu bringen wollte, die nutzlosen Nachrüstteile schnellstmöglich wieder austauschen zu lassen, gerät nun selber unter Druck. Wie die BILD-Zeitung berichtet, unterbrach der gute Mann seinen Mallorca-Urlaub, um an einer Kabinettssitzung in Berlin teilzunehmen. Eigentlich eine löbliche Tat! Delikat daran ist nur, was aus dem Bericht der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums hervorgeht: Herr Gabriel flog ganz allein in einer Maschine der Bundesregierung und zwar von Mallorca nach Berlin und von Hannover wieder zurück in den Urlaub nach Spanien. Geschätzte Kosten: 50.000 Euro, die aus Steuergeldern finanziert werden. Was aber angesichts seines Amtes noch schlimmer ist: Sein Kurztrip im leeren Flieger erzeugte über 44 Tonnen Kohlendioxid!

Nana, Herr Gabriel! Sollten wir uns also nicht lieber mal an die eigene Nase fassen, anstatt von anderen etwas zu fordern? :???: Aber es scheint sein Stil zu sein, von anderen etwas zu verlangen, was er selbt nicht für nötig hält. So fordert er an dieser Stelle eine Steuersenkung für Bahntickets, damit das Zugfahren dem Fliegen gegenüber attraktiv bleibt und die Leute nicht immer nur durch die Gegend fliegen. Eine Besteuerung des Flugzeugtreibstoffs Kerosin lehnt er hingegen bis zum heutigen Tag ab. Aber es kommt noch besser: Hier kann man nachlesen, dass der Herr Minister noch im Frühjahr des vergangenen Jahres Fluggäste dazu aufrief, Ausgleichszahlungen für das Klima zu zahlen. Ihn betrifft das freilich nicht, denn er fliegt ja komplett auf Kosten der Steuerzahler. Dabei ist ihm nicht das Fliegen selbst vorzuwerfen. Auch nicht, dass er sich den Flug hat bezahlen lassen (denn immerhin war er dienstlich bedingt). Was zum Himmel stinkt ist die verschwenderische Entscheidung vollkommen allein in einem Flugzeug mit 20 (zwanzig!!!) Sitzplätzen zu fliegen, während parallel dazu ein regulärer Flug von Air Berlin noch gleich mehrere Plätze frei hatte. Sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht ist das eine Sauerei ein handfester Skandal! Von einem einzelnen, seltenen Fehltritt kann zudem keine Rede sein. Im Jahre 2007 flog der Umweltminister insgesamt drei Mal vollkommen allein und vier Mal mit nur einem einzigen Mitarbeiter in der übergroßen Maschine durch die Welt. Wie soll man so jemandem überhaupt noch etwas abnehmen? Außer gut formulierten, in Wahrheit aber blutleeren Floskeln kommt bei mir vor diesem Hintergrund gar nichts mehr an! :roll:

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  1. 12. März 2008, 14:24 | #1

    Ist das nicht mittlerweile Usus in unserer Gesellschaft? Wir schwingen den moralischen Zeigefinger und lassen ihn schnell hinter dem Rücken verschwinden, wenn es uns selbst betrifft.

    Oder auch die Verantwortlichkeit des Einzelnen für die Gesellschaft, die meist erst dann wahrgenommen wird, wenn es den Einzelnen selbst betrifft.

    Nehmen wir den Lärmschutz: eine S-Bahn-Linie fährt durch ein kleines Städtchen. Dieses Städtchen liegt halb am Hang, so dass der Lärm der nächtlichen Güterzüge vom Hang zurückgeschallt werden und die Stadt doppelt belästigen. Lärmschutz? Nein. Damit könnte man ja die Bahn vergraulen, von denen man einen neuen Bahnhof möchte. Außerdem interessiert den Einzelnen das ja nicht. Aber wenn zufällig jemand an der Trasse wohnt, der viel Einfluss und viel zu sagen hat, dann geht das mit dem Lärmschutz plötzlich ganz schnell.

    Oder nehmen wir den Verkehr: jeder weiß, dass er den Wagen öfter stehen lassen sollte. Mal den kurzen Weg zu Fuß gehen oder in die Stadt mit der S-Bahn oder dem Bus fahren. Fahrgemeinschaften bilden. Und? Tun wir das deswegen? Nein. Wenn wir es eilig haben oder einfach keine Lust haben, weil es vielleicht bequemer mit dem Auto ist, fahren wir. Wir gehen nicht. Wir fahren.

    Fazit: Wir leben in einer Welt, in der man sich nicht für die Belange der Gemeinschaft stark macht, sondern für seine eigenen. Wir leben in einer Welt des Egoismus. Jeder ist sich selbst der nächste und versucht krampfhaft, seinen Vorteil aus allem zu ziehen.

    Gleiches gilt wohl auch für die Politiker. Wenn sie einen Vorteil nutzen können, dann tun sie es. Leider bedeuten diese Vorteil bei Politikern dann eben nicht, dass sie das Auto nehmen, sondern vielleicht den Jet… Das Prinzip dahinter ist dasselbe.

  2. 12. März 2008, 16:09 | #2

    Hm, also man kann es mir nun glauben oder auch nicht, aber wir gehen jeden Meter, den wir nicht unbedingt fahren müssen zu Fuß. Das tun wir allein schon deshalb, damit Hannah möglichst oft an der frischen Luft ist, denn sie ist natürlich meist mit von der Partie! :mrgreen: Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, auf die Umwelt zu achten, wo ich (in zugegebenermaßen sehr kleinen Rahmen) nur kann! Wir haben deshalb auch schon recht früh zu einem Stromanbieter gewechselt, der ausschließlich auf Wasserkraft baut – auch wenn das (anfangs) noch teurer war. Oder nimm den Wasserverbrauch! Bei uns dauert es relativ lange, bis warmes oder gar heißes Wasser aus der Leitung kommt. Wir fangen das kalte Wasser auf, bis der Strahl die gewünschte Temperatur erreicht hat und verwenden das gesammelte Wasser zum Blumengießen oder dergleichen. Schon immer! Ähnlich treiben wir es mit der Heizung: Die läuft nicht rund um die Uhr auf Hochtouren… usw.

    Ich halte es für einen der fatalsten Fehler der Menschheit jedes Tun und jedes Unterlassen mit dem Herdentrieb bzw. dem Egoismus jedes einzelnen zu entschuldigen. “Was ich tue, das tut der andere ja auch – also ist es zwar schlecht, aber nur halb so schlimm.” Das kann es ja nicht sein, oder? Natürlich können wir allein nicht viel bewegen, aber im Kleinen tun wir was wir können – weil es nicht weh tut. Dass ausgerechnet der Umweltminister nicht einmal über das Offensichtlichste nachdenkt, macht ihn – tut mir leid – total unglaubwürdig! Der Mann braucht mir nicht zu erzählen, was ich für die Umwelt tun kann, ob ich einen Rußfilter einbauen lassen sollte oder lieber mit dem Zug fahre. Ganz offensichtlich spielt er nur eine Rolle und beherzigt selbst nicht mal das Einfachste!

    Die Selbstbedienungsmentalität ist in der Tat (auch) ein Problem. Vielleicht habe ich da auch schon das ein oder andere Mal falsch gehandelt. Ich weiß es nicht. Jedenfalls bin ich da sicher kein Samariter! Wer aber in der Öffentlichkeit steht und trotzdem 50.000 Euro in den Wind knallt, die über ohnehin schon umstrittene Steuersätze finanziert werden, der ist nicht nur egoistisch, sondern dreist und dumm nicht sehr weitsichtig. Irgendwann muss das doch rauskommen!

    Ich weiß nicht, wie’s Euch geht, aber wir schäffeln keine tausenden von Euro, sondern kommen gerade so über die Runden. Wir hungern nicht und müssen nicht betteln, aber so wirklich etwas leisten tun und können wir uns (gerade auch als junge Eltern) immer seltener. Selbst wenn jemand wie wir auch so tricksen würden wie ein Herr Gabriel oder ein Herr Zumwinkel, dann geht es da um einen Bruchteil dessen, was die werten Herren da hinausblasen! Auch das inzwischen fehlende Gefühl in der Gesellschaft für Größenordnungen ist eine heiße Sache.

  3. 13. März 2008, 13:09 | #3

    Das alles hab ich auch nicht in Abrede gestellt oder bezweifelt.

    Im Prinzip ist es das Gleiche, ungeachtet der Summe, die dahinter steht…
    Oder anders gesagt: wo hört Bagatelle auf und wo fängt “großes” an?
    10.000 Euro? 5.000? Gilt das für alle gleich oder auch für Millionäre? Sind diese Summen nicht im Verhältnis für einen Millionär das gleiche, wie für uns fünfzig Euro?

    Was ich damit sagen möchte ist: ega, wie groß die Summe ist, es ist immer falsch. Und egoistisch.

  4. 13. März 2008, 14:00 | #4

    Das ist ganz einfach zu beantworten: “Großes” fängt da an, wo es für andere Menschen um deren Existenz ginge! 50.000 Euro ist beispielsweise für uns sehr viel Geld… Davon könnten wir monatelang leben!!! Noch “größer” wird die Sache dadurch, dass hier Geld ausgegeben wurde, welches eben jene erwirtschaftet haben, für die es eine existenzielle Summe ist. Und selbst wenn man nur den moralischen Aspekt anguckt und die finanzielle Seite außenvor lässt: Wie kann ich einem Umweltminister noch glaubhaft die Aufforderung abnehmen, man sollte beispielsweise weniger fliegen und mehr mit der Bahn fahren, wenn er selbst in einem leeren Flugzeug durch die Welt bummelt? Wie nun heute herauskam dann offenbar auch noch teilweise zu PRIVATEN Zwecken!

    Natürlich sind wir grundlegend nicht geteilter Meinung. Falsch und egoistisch ist vieles! Da will ich auch nicht Richter spielen und mit Fingern auf andere zeigen. Wer aber so dermaßen die Bodenhaftung verloren hat und so derart maßlos agiert, der handelt nicht einfach nur falsch und egoistisch, sondern der ist unanständig und (das ist in Gabriels Fall das Entscheidende) respektlos.

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