Wohnungsschau (Teil 2)
Längst schon sind nun also die letzten Interessenten durch unsere Räumlichkeiten geschlendert und was soll ich sagen? Es wurde nicht wirklich besser. Ein junges Pärchen war zwar ganz nett, aber irgendwie auch “zu jung” – will heißen: Die waren einfach zu salopp, wirkten zu cool, zu lässig… Ich hoffe, man versteht, was ich meine.
Anschließend beehrte uns noch eine kleine Familie mit Kind, Mutter, Vater und Opa, wobei letzterer nur als Babysitter mit von der Partie war. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Vater in derselben Firma wie unser Vermieter arbeitet. Es dauerte nicht lange, bis klar war, dass die beiden sich gut kennen. Zumindest gingen wir nach den Schilderungen des Interessenten davon aus, denn der nannte den Kollegen gleich beim Vornamen. Natürlich hob das ungemein unser Ansehen, weil es sich (wie bei unserem Vermieter) um einen Ingenieur handeln musste. Was der Gute nicht ahnte: Unser Vermieter war draußen in der Garage und wickelte noch die ersten Interessenten ab. Folglich kam es schließlich zur “Gegenüberstellung” und… auf einmal waren die beiden wieder per Sie und nannten sich beim Nachnamen. Die beiden kannten sich allenfalls vom Sehen. Auch war, wie wir nach dessen Verschwinden erfuhren, der listige Vater kein Dipl.-Ing., sondern Staplerfahrer.
Naja, man kann’s ja mal versuchen…
Nun sind wir gespannt, wer den Zuschlag erhält. Ich hätte es zu Beginn des Tages nicht geglaubt, aber ich denke, wir würden das ostdeutsche Ehepaar nehmen, das den Tag einläutete. Wie war das? Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben?
Wohnungsschau (Teil 1)
Heute ist noch einmal Großkampftag. Insgesamt sechs Interessenten für unsere “Noch-Wohnung” haben sich angekündigt. Das klingt nicht nach viel, aber wer schon mal eine Wohnungsschau mitgemacht hat, der weiß, dass man pro Interessent rund eine halbe Stunde einrechnen muss. Und so ist es kaum verwunderlich, dass wir schon seit heute Morgen um 8:30 Uhr fremde Menschen hier in der Bude haben. Da kommt man sich vor wie auf Burg Hohenzollern bei der Touristenführung. Zum Glück müssen wir nicht die Entscheidung darüber fällen, wer unser Nachfolger wird. Vor allem heute war wirklich alles dabei.
Begonnen hat alles mit einem älteren Ehepaar aus dem Osten Deutschlands. Wir haben ja nichts gegen Menschen aus den neuen Bundesländern. Wer aber im Baumarkt arbeitet und deshalb meint, bei einer Wohnungsbesichtigung alles begutachten zu müssen, der macht sich von Haus aus irgendwie unbeliebt. Da spielt es auch gar keine Rolle, ob er aus dem Westen, Osten oder aus dem Norden, Süden unseres Landes kommt. Dass sie aber trotzdem eine gute Wahl seien, unterstrich der Baugutachter damit, dass sie in der alten Wohnung schon öfter aktiv für Ruhe sorgten. Sie würden sowas immer gleich persönlich regeln und wenn’s sein muss schon auch mal die 110 wählen. Denn Ordnung müsse ja sein! Wenn das mal nicht die optimale Ergänzung zu Herrn Knolle wäre.
Die nächsten Interessenten war eine kleine Familie, sprich: Vater, Mutter, Kind. Schon beim Betreten der Wohnung erkannten wir Parallelen zu uns. Nicht nur das machte die drei wirklich symphatisch. Ein echter Lichtblick! Sie fanden die Wohnung auch sehr schön, genauso die Lage und die Aussicht… Genauso wie wir! Nur eben würde auch ihnen ein Zimmer mehr fehlen. Also: Leider zu klein!






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