Manchmal wieder Kind sein

Ich will nicht sentimental werden und auch nicht Trübsal blasen, aber manchmal ist es wichtig nachdenklich zu sein. Gerade dann, wenn nicht alles so gut läuft, wie man es sich vorstellt, ist es oftmals wichtig, Empfindungen und Stimmungen freien Lauf zu lassen. Ich will hier nun gar nicht unser ganzes Seelenleben ausbreiten! :mrgreen: An dieser Stelle reichen auch eher “kleine” Beispiele wie defekte Digicams, beruflicher Stress, lästige Umzugsvorbereitungen… Der Blick auf Hannah lässt dann oft in mir die Gedanken kreisen. Sie lebt mit ihrer Unbekümmertheit und Unvoreingenommenheit von heute auf morgen, einfach so in den Tag hinein und nimmt das Leben, wie es auf sie zukommt. Sie macht sich keine Sorgen um Geld oder Beruf, um Terminzwänge oder Krankheiten. Für sie zählen Dinge wie kleine Käfer oder Spinnen, die Katze, die über die Straße rennt oder dass der Knopf, ihr Kuscheltier, immer irgendwo in der Nähe ist. Wenn dann noch Mama und Papa für sie Zeit haben und sie beide in vollen Zügen genießen kann (und das auch mit so viel Zuneigung zeigt), dann ist für sie die Welt in Ordnung.

Geht Euch das manchmal nicht auch so? Man blickt zurück auf früher, als alles noch einfacher und unbeschwerter war. Ich meine das jetzt gar nicht so trübseelig wie es sich vielleicht anhört. Nein, dieser Blick zurück in die eigene Kindheit und Jugend ist manchmal auch einfach nur erfrischend. Als es noch wichtig war, ob das Kleingeld für zwei oder nur ein Päckchen Brause reichte. Als es noch hundert Mal spannender war als jeder Abenteuerfilm, in einem alten Turm Ritter zu spielen und über mehrere Ferientage hinweg die Geschichte weiter zu spinnen. Als Omas Garten durch ein paar Playmobilfiguren zum Urwald wurde… :smile:

Ich glaube, hier im Blog ist es noch kaum zum Ausdruck gekommen, aber ich liebe Gedichte. Ich habe vor geraumer Zeit sehr viele selbst geschrieben. Vielleicht sollte ich das mal wieder tun?! :roll: Zum Glück hatte einer meiner Lieblingsschriftsteller und -dichter einst auch so einen Gedanken und hat Gedichte wie das folgende verfasst, das genau diese Stimmung trifft, die ich hier so krampfhaft versuche rüberzubringen. :smile:

Man müsste wieder sechzehn Jahre sein
Und alles, was seitdem geschah, vergessen.
Man müßte wieder selt’ne Blumen pressen
Und – weil man wächst – sich an der Türe messen
Und auf dem Schulweg in die Tore schrei’n.

Man müsste wieder nachts am Fenster stehn
Und auf die Stimmen der Passanten hören,
wenn sie den leisen Schlaf der Straßen stören.
Man müsste sich, wenn einer lügt, empören
Und ihm fünf Tage aus dem Wege gehen.

Man müsste wieder durch den Stadtpark laufen.
Mit einem Mädchen, das nach Hause muss
Und küssen will und Angst hat vor dem Kuss.
Man müsste ihr und sich, vor Ladenschluss,
für zwei Mark fünfzig ein Paar Ringe kaufen.

Man würde seiner Mutter wieder schmeicheln,
weil man zum Jahrmarkt ein paar Groschen braucht.
Man sähe dann den Mann, der lange taucht.
Und einen Affen, der Zigarre raucht.
Und ließe sich von Riesendamen streicheln.

Man ließe sich von einer Frau verführen
Und dächte stets: „Das ist Herr Nussbaums Braut.“
Man spürte ihre Hände auf der Haut.
Das Herz im Leibe schlüge hart und laut,
als schlügen nachts im Elternhaus die Türen.

Man sähe alles, was man damals sah.
Und alles, was seit jener Zeit geschah,
das würde nun zum zweitenmal geschehen…
Dieselben Bilder willst du wiedersehn?
Ja!

3 Kommentare

  1. Sternchen*
    06.05.2008

    Wow….
    Das Gedicht ist klasse und bringt dieses Gefühl ziemlich gut rüber…
    Mir geht es manchmal ganz genauso, wie Du beschrieben hast!
    Ganz ehrlich… manchmal werd ich auch richtig sentimental bei den Gedanken an früher und sehne mich nach dieser Zeit. Da hatte man ganz andere “Sorgen”. Und jetzt? Ist alles ganz anders.
    Dabei kann man manchmal das Gefühl für einen Moment zurück holen.
    Oftmals denk ich, dass es früher besser war, aber im Grunde hat ja jeder Lebensabschnitt seine Vor- und Nachteile. Dafür darf ich jetzt Autofahrn, wegbleiben solange ich will, spontan sein, darf mein eigenes Geld ausgeben (darf z.B. mal eben einen Tag nach London düsen, ohne um Erlaubnis zu betteln)…
    Erst kürzlich hab ich alte Kinderfotos von mir eingescannt, um sie endlich mal zu digitalisieren (da fällt mir ein, dass ich das ein oder andere mal in den Blog stellen wollte) und geriet dabei wieder ins Träumen… und bin richtig froh und dankbar, dass ich mit einem durchweg positiven Gefühl an diese Zeit zurückdenken kann!
    *schnief*

  2. Micha
    06.05.2008

    Ja, Erich Kästner hat in all seinen Gedichten diese merkwürdig treffende Art von Unterton. Darum liebe ich seine Werke auch so. Das trifft im übrigen auch für die meisten seiner Bücher zu. ;) Haaach, ich schwelge jetzt im Gestern *mitdemSpazierstockzitter* und lese Erich Kästner… :mrgreen: … wenn da nur nicht die blöde Arbeit wäre, die gemacht werden sollte. :roll:

  3. Evie
    06.05.2008

    Für mich eignet sich da am Besten meine Freundin. Wir haben so manche “wilde Nacht” miteinander erlebt, haben so viel positives und auch negatives miteinander durchgemacht… Und in Erinnerungen schwelgen macht so viel Spaß… Wir werden dann wieder so herrlich verrückt wie früher, als die Eltern nur nervten, die Ausbildung/Schule doof waren, Männer und das neuste Make-up viel interessanter. Wir haben damals “Schreib-Lese-Hefte” gehabt, die von Zeit zu Zeit aus der Schublade gekramt werden und unter allgemeinem Gegacker gelesen und beurteilt werden…

    Boah, was haben wir gelacht…

    Ich finde es wichtig, sich solche Dinge zu bewahren!!!

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