Deutschland – Türkei
Dass das Spiel sehr emotionsgeladen werden würde, das war von Vornherein klar. Dass man die Türken nicht unterschätzen darf, dass war vielen wohl nicht klar. Sehr viele hatten ein ganz anderes Spiel erwartet, das deutlich mehr von den Deutschen dominiert wird. Eigentlich unverständlich, denn wer in einem Halbfinale steht, hat eine gewisse Stärke bewiesen – erst recht, wenn man so dorthin gekommen ist, wie es die Türkei tat. Was mich aber am meisten verwundert und verärgert hat, war die Tatsache, wie vorsichtig und beinahe schon eingeschüchtert diese Begegnung im Vorfeld behandelt wurde. Da wurde in einem Radiosender in irgendeiner Fußgängerzone nachgefragt, für wen man denn die Daumen drücke – für Deutschland oder für die türkischen Freunde. Es wurde in einem anderen Sender “Sprachunterricht” gegeben, damit man sich als Fußballfan auch in türkisch artikulieren kann. Und natürlich wäre es ein “brisantes” Spiel, weil so viele Türken in Deutschland leben. Sorry, aber da ging mir der Hut hoch! Es geht hier um ein Fußballspiel – nicht mehr und nicht weniger! Und das lebt doch von einer gewissen, sportlich fairen “Rivalität”. Natürlich fieberte ich uneingeschränkt für “unser” Deutschland! Warum sollte das nicht so sein? Ich jubelte auch in deutsch und nicht in türkisch. Da stellt sich mir die Frage, warum es keinen Portugiesisch- oder Kroatisch-Unterricht im Vorfeld der jeweiligen Spiele gab, obwohl es auch Portugiesen und Kroaten in Deutschland gibt.






Das “Thema” ist auch heute, nach dem gewonnenen Spiel der deutschen Mannschaft, noch nicht beendet: im Radio und Fernsehen wird berichtet von überwundenen Ehekrisen deutsch-türkischer Paare (“meine Frau wird Türkin, wenn die Türkei gewinnt”), immer wieder “trösten” Deutsche ihre türkischen Freunde etc. Es ist schon komisch, dass es sowas beim Spiel Deutschland – Kroatien,- Österreich oder – Polen nicht gab. Selbst unsere “Bundes-Angela” (der größte Fußballfan der Geschichte Deutschlands laut RTL) hat beim Ausgleichstor durch Bastian Schweinsteiger gestern Abend nur verhalten klatschen “dürfen” weil ja der türkische Ministerpräsident Erdogan rechts neben ihr saß und der durfte um keinen Preis verärgert werden! Ist ja auch eine angespannte politische Situation zwischen Deutschland und der Türkei.
Egal, ob das Verhältnis nun freundschaftlich oder angespannt oder gar nicht vorhanden ist, es wäre nun an der Zeit das Ganze wieder normal zu betrachten. Oder seid ihr schon dabei russisch oder spanisch zu lernen wegen des anstehenden Finales am Sonntag