Es weihnachtet sehr
Inzwischen bekommt man im Supermarkt schon Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck, wenn draußen die Kinder noch in kurzen Hosen rumrennen. Das ist übertrieben? Aber nicht doch! Vor einigen Wochen ging’s bei uns hier schon los, als draußen das Thermometer noch über 25°C kletterte! Natürlich schüttle ich darüber den Kopf und frage mich, wer allen Ernstes im Spätsommer schon Lust auf Weihnachtsgebäck hat. Ich jedenfalls nicht. Aber ganz offensichtlich muss es Interessenten geben, denn die Industrie mach viel dummes Zeug, aber sie wirft keine Ware auf den Markt, die sich nicht verkauft! Über das bloße Kopfschütteln geht es aber bei mir nicht hinaus. Ich kaufe das Zeug (wenn überhaupt) erst kurz vor Weihnachten und gut…
Was ich heute in einem bekannten Discountermarkt erlebt habe, geht aber bei Weitem über ein Kopfschütteln hinaus. Ich telefoniere gerade per Handy mit Katrin, weil der Jogginganzug, den wir für Hannah ergattern wollten, in ihrer Größe (natürlich) ausverkauft war, als sich nebenan ein Kunde lauthals bei einer die Regale einräumenden Verkäuferin beschwerte. Zuerst dachte ich, es ginge um eine Reklamation oder ähnliches, bis ich mitbekamn, worum es eigentlich ging. Der gute Mann, mit milchig verdreckten Brillengläsern, fettigem Seitenscheitel, abgewetzten Schuhen und Hochwasserhosen ließ sich in der Tat darüber aus, dass es schon Weihnachtsartikel zu kaufen gab. Es sei eine Unverschämtheit, die er sich nicht mehr länger gefallen ließe. Er werde dagegen vorgehen, dass man die Kunden derart belästige und so früh zum Kauf von derartigen Artikeln nötige. Die sichtlich verduzte Frau versuchte ihm das klarzumachen, was eigentlich jedem klar sein sollte: Die Nachfrage regelt das Angebot und nicht umgekehrt. Das aber interessierte ihn wenig. Er lamentierte weiter und verlangte schließlich den Marktleiter. Der kam dann auch und erklärte ihm in sachlichem Ton, dass er doch nichts kaufen müsse, was er nicht haben wolle. Urplötzlich war er stinkfreundlich und verabschiedete sich mit den Worten: “Einen schönen Tag noch!” An der Kasse stand er natürlich genau hinter mir und versuchte einen älteren Herren vor mir und natürlich mich selbst auf seine Seite zu ziehen. Er wollte E-Mail-Adressen und Namen von uns, damit man mit einer gemeinsamen Aktion gegen diese Unverschämtheit vorzugehen. Ich lehnte dankend ab, während der ältere Herr mit einem freundlichen Schmunzeln meinte, es gäbe drängendere Probleme auf dieser Erde.
Es mag ja verrückt sein, dass man Mitte September schon Lebkuchen kaufen kann. Noch verrückter war aber diese Aufregung darüber. Nach solchen Erlebnissen bin ich dann immer froh, weil mir klar wird, wie “normal” und “zivilisiert” ich doch zu sein scheine… auch wenn andere manchmal anderes behaupten.







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