Schimmel
Der Vorteil, wenn man in Miete wohnt, ist ganz klar, dass man bei jedweden Mängeln in und am Haus auf den Vermieter zugehen kann und dieser sich dann um die Sache kümmern muss. Das kann ganz angenehm sein, wenn man einen umgänglichen und gewissenhaften Menschen als Vermieter erwischt hat. In unserem Fall hatten wir sowohl bei den Wohnungen als auch bei den jeweiligen Vermietern (fast) immer ein sehr gutes Händchen. Aktuell ist es sogar beinahe ein “liebevolles” Verhältnis untereinander – wobei das jetzt beinahe zu sehr nach “Heilewelt” klingt.
Trotzdem traf uns Ende letzten, (also gerade abgelaufenen) Jahres, ein echter Schock: Schimmel! Angesichts der momentanen “Dürre” bei mir im Büro ist das geradezu krotesk! Als gebrannte Kinder, die wir schon einmal eine “waschechte Schimmelwohnung” erwischt hatten, gerieten wir zunächst regelrecht in Panik. Damals waren (wie sich später herausstellte) baumängelbedingt ganze Wände verschimmelt und wir suchten schnell das Weite. Wir landeten schließlich in unserer heute letzten Wohnung, in der auch Hannah zur Welt kam und waren plötzlich wie im Himmel. Und jetzt das! :eek: Eilig riefen wir unseren Vermieter an, der sich (wie immer) schnell und effektiv um die Sache kümmerte. Zusammen mit dem Hausverwalter, der gleichzeitig auch der Bauherr des Hauses ist, stand er schon kurz später auf der Matte, um die Sauerei zu begutachten.
In der Küche und in Hannahs Zimmer bildete sich jeweils in den Außenecken ein etwa ein Cent-Stück großer Schimmelfleck. Das Ganze breitete sich nicht rasend schnell aus (wie in der ersten Schimmelbude) und die Wand selbst war auch nicht feucht, geschweige den übermäßig kalt. Lediglich die Ecken waren ganz leicht verschimmelt. Eklig! :shock:
Nun muss man hinzufügen, dass unsere aktuelle Wohung in einem noch recht jungen Haus gelegen ist. Das heißt: Doppelverglasung in Kunststofffenstern und extrem gut isolierten Wänden. Für uns insofern Neuland, weil wir bisher entweder in Altbauten oder aber besagter Schimmelbude gehaust haben. Natürlich kannten wir aus unserer ersten Erfahrung mit Schimmel in der Wohnung heraus, das Argument, man müsse “richtig lüften”. Ich hielt das immer grundweg für eine plumpe Ausrede! Woher soll aus dem Innenraum so viel Wasser kommen, dass es sich in Ecken absetzt und dann Schimmel bildet?
Um für das anstehende Gespräch mit dem Vermieter bestens gerüstet zu sein, hatte ich mich vorab ausführlich belesen und staunte nicht schlecht. Dass allein ein erwachsener Mensch pro Nacht knapp ein Liter Wasser in Form von verbrauchter Atmungsluft (und sonstiger Ausdünstungen
) in die Umgebung abgibt, hat mich regelrecht geplättet. Vom Kochen, Duschen oder Blumengießen ganz zu schweigen! Das Ganze wird nur dann zum Problem, wenn die relative Luftfeuchtigkeit zu hoch wird und die Luft gesättigt ist, das heißt keinen weiteren Wasserdampf mehr aufnehmen kann. Dann schlägt sich das “zuviel vorhandene” Wasser an der kältesten Stelle ab, was in der Regel das Fenster oder eben Außenwände bzw. deren Ecken sind. Als ich dann noch davon las, dass nahezu 90% aller Schimmelprobleme in Mietshäusern durch falsches Lüften zustande kommen, fing ich an zu grübeln.
Immer noch einwenig skeptisch besorgte ich mir Hygrometer (Luftfeuchtigkeitsmesser) und maß zudem die Temperatur der Außenwände und die Feuchtigkeit aller Wände. Die relative Luftfeuchtigkeit war eindeutig zu hoch, die Wände selbst waren (zum Glück) überhaupt nicht feucht. Aber die Messung der Wandtemperatur überraschte mich dann doch. Eine Innenwand hat bei 20°C Raumtemperatur etwa eine Oberflächentemperatur von ca. 18°C. Die Außenwand hingegen nur noch 17°C oder (je nach Lage) gar nur 16°C. An klirrend kalten Tagen wurden die Außenecken sogar nicht wärmer alsnur 12°C bis 14°C ! :eek: Kein Wunder also, dass es dort zuerst feucht wurde.
Seit einigen Wochen führen wir nun die klassischen Stoßlüftungen durch und heizen in der ganzen Wohnung nahezu gleichmäßig. Damit leiten wir regelmäßig die Feuchtigkeit nach draußen und bringen die sich wieder erwärmende Luft dazu, neue Feuchtigkeit aufzunhemen. Der Schimmel wurde entfernt und die Tapete erneuert. Die Ecken trockneten bei der neuen Lüftungsmethode innerhalb kürzester Zeit ab und seither ist nicht mal ein Tröpfchen Wasser mehr zu sehen! Ich hätte es nie geglaubt, aber Neubauten sind wirklich so dicht, dass man beinahe schon nach Plan lüften muss. Ob das nun sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Jedenfalls sind wir den Schimmel nun (Gott sei Dank) wieder los.
Hoffentlich ein für alle Mal!






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