Sammelrabatt-Wahn
Neulich stand ich während meiner Mittagspause gedankenverloren im Supermarkt an der Kasse und wartete darauf, an die Reihe zu kommen. Mit meinem Döschen Kaffeesahne und dem Päckchen Zuckerwürfel kam ich mir etwas verloren und irgendwie unwichtig vor… zwischen all den vollen Einkaufswägen und drumherum wütenden Hausfrauen und -männern. Umso erleichteter war ich, als ich dann endlich bezahlen konnte. Doch dieses Gefühl wurde von der Kassiererin jäh im Keim erstickt:
“Haben Sie eine Payback-Karte?”
Ja, ich hab eine Payback-Karte, aber die hab ich irgendwo, weil ich sie eigentlich auch kaum brauche. Ich fing an zu kramen und hatte mich gerade begonnen seelisch auf diese Ausnahmesituation einzustellen. Vor mir die wartende Kassiererin, hinter mir die nächste Großkundin. Noch bevor ich irgendwie reagieren konnte, erhöhte die Dame hinterm Fließband den Einsatz:
“Sammeln Sie Treuepunkte?”
Ich sammel was? Unwillkürlich schoss mir durch den Kopf, warum man als (hoffentlich) guter Ehemann eigentlich keine Treuepunkte bekommt!
Durch den Fund meiner Payback-Karte wurde ich aus den Gedanken gerissen. Stolz reichte ich das Plastikding der gelangweilt dreinschauenden Kassiererin.
“Wollen Sie mit der Karte auch bezahlen?”
Ich dachte immer, man zahlt mit Geld! Ich wollte meine Karte wiederhaben, jetzt wo ich sie endlich gefunden hatte! Also sagte ich verunsichert:
“Nönö…”
Payback, Webmiles, Happy Digits, Miles & More, Douglas-Card, Ikea Family, Bahn Comfort, Rewe Haushaltskarte… Da blickt doch keiner mehr durch! Das artet regelrecht in Stress aus – zumal ich jedesmal ein schlechtes Gewissen habe, wenn mich jemand nach einer der vielen Karten fragt und ich verunsichert sagen muss: “Äh nö, hab ich nicht… glaub ich…”






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