Hannahs Alptraum
Hannah hat in den letzten Wochen eine ausgewachsene Phobie entwickelt. Der Alptraum heißt Pascal, ist etwa ein Vierteljahr älter als sie und wohnt hier in der Nachbarschaft. Zugegeben: Der Junge ist ein bisschen merkwürdig. Einerseits verhält er sich sehr ungestüm und aufbrausend, zum anderen kann er noch überhaupt nicht richtig sprechen. Er gibt merkwürdige Grunzlaute und Geraune von sich. Man kann sich dann “heraushorchen”, was er einem eigentlich vermitteln möchte. Auch ist es für Pascal ganz selbstverständlich, dass alles Spielzeug, was irgendwo zu sehen ist für die Kommunennutzung gedacht ist. Daher greift er gern mal zu, ohne zu fragen.
Hannah widerstrebt all das zutiefst. Sie ist insofern ein höfliches Kind, weil sie sich bei jedem stets mit ihrem Vornamen vorstellt (egal, ob das passend und gewünscht ist oder nicht) und natürlich auch wissen möchte: “Wie heisch Du?” Pascal hat dieses Ritual nicht nur ignoriert, sondern dadurch umgangen, dass er bei seinem ersten Zusammentreffen mit unserer Tochter laut raunzte, an Hannah fuchtelnd vorbeistürzte und sich gleich ihr Bobbycar schnappte. Nach der ersten Verblüffung in Hannahs Gesicht, machte sich blankes Entsetzen breit, was schließlich in einer lauten Heulorgie mündete. Seither findet genau diese Reaktion immer wieder statt, sobald sich Pascal ihr auch nur weniger als fünf Meter annähert. Sie heult, was das Zeug hält und fordert schließlich mit angstverzerrtem Gesicht: “Ich will nauf! Ich will heim!”






Letzte Kommentare