Hannahs Alptraum
Hannah hat in den letzten Wochen eine ausgewachsene Phobie entwickelt. Der Alptraum heißt Pascal, ist etwa ein Vierteljahr älter als sie und wohnt hier in der Nachbarschaft. Zugegeben: Der Junge ist ein bisschen merkwürdig. Einerseits verhält er sich sehr ungestüm und aufbrausend, zum anderen kann er noch überhaupt nicht richtig sprechen. Er gibt merkwürdige Grunzlaute und Geraune von sich. Man kann sich dann “heraushorchen”, was er einem eigentlich vermitteln möchte. Auch ist es für Pascal ganz selbstverständlich, dass alles Spielzeug, was irgendwo zu sehen ist für die Kommunennutzung gedacht ist. Daher greift er gern mal zu, ohne zu fragen.
Hannah widerstrebt all das zutiefst. Sie ist insofern ein höfliches Kind, weil sie sich bei jedem stets mit ihrem Vornamen vorstellt (egal, ob das passend und gewünscht ist oder nicht) und natürlich auch wissen möchte: “Wie heisch Du?” Pascal hat dieses Ritual nicht nur ignoriert, sondern dadurch umgangen, dass er bei seinem ersten Zusammentreffen mit unserer Tochter laut raunzte, an Hannah fuchtelnd vorbeistürzte und sich gleich ihr Bobbycar schnappte. Nach der ersten Verblüffung in Hannahs Gesicht, machte sich blankes Entsetzen breit, was schließlich in einer lauten Heulorgie mündete. Seither findet genau diese Reaktion immer wieder statt, sobald sich Pascal ihr auch nur weniger als fünf Meter annähert. Sie heult, was das Zeug hält und fordert schließlich mit angstverzerrtem Gesicht: “Ich will nauf! Ich will heim!”
Gestern kamen wir vom Eisessen heim, als zwei ihrer Nachbarsbekanntschaften bereits warteten und mit ihr spielen wollten. Die beiden sind wirklich liebe Mädels, die Hannah wirklich mögen obwohl sie schon älter sind als sie. Gerade nahm Hannah auf ihrem Bobbycar Platz, als (man ahnt es bereits) Pascal um die Ecke bog. Ihr Gesicht versteinerte sich sofort und lief total verängstigt rot an. Da half es auch nichts, dass wir in den letzten Tagen schon versuchten, ihr die Angst vor dem Gesellen zu nehmen. Als er sich ihr dann vollends näherte, fiel sie geradewegs vom Bobbycar in meine Arme und schrie heillos, dass sie heim wolle. Pascal und die Mädels um uns herum schauten wie Omnibusse und verstanden die Welt nicht mehr. Ich versuchte Hannah klarzumachen, dass alles in Ordnung sei. Doch sie ließ sich nicht trösten. In der Zwischenzeit enterte Pascal Hannahs Bobbycar, was zu einer neuen Heulwelle seitens Hannah führte. Ich flüsterte ihr ins Ohr, sie solle zu ihm gehen und ihr Eigentum zurückfordern. Pascal könne noch nicht sprechen und liefe den ganzen Tag mit dem Schnuller rum. Vor so jemandem brauche sie sich nicht fürchten. Sie löste die Umarmung, drehte sich fest entschlossen um, marschierte auf Pascal zu und schleuderte ihm tränenübergossen entgegen: “Geh weg! Das ist meins!” Pascal fuhr zusammen, erhob sich vom Bobbycar und lief grunzend davon. Hannah setzte sich auf ihr Gefährt und… plärrte heillos weiter.
Auch wenn wir dann doch zurück in die Wohnung mussten, weil sie sich überhaupt nicht beruhigte, so bin ich doch stolz auf unsere Kleine. Sie hat sich ihrer Angst gestellt und Pascal die Meinung gegeigt. Das ist ein Anfang. Es ist sicher nicht fair und schön, wenn wir ihre Ängste nicht ernstnehmen. Darum bestärke ich sie in ihrem Selbstbewußtsein, auch wenn man sich manchmal schon beinahe dafür schämt, wenn sie so heillos rumplärrt.






Das mit dem rumplären kenn ich gut von unserem Zwer. Ich komm mir auch immer sehr komisch vor, aber was will man denn machen?!
Eins muss man Hannah aber lassen: ihr Bauchgefühl scheint ein sehr gutes zu sein. Immerhin hat oben genannter Geselle schon 9-jährigen Mädels die Nase blutig geschlagen oder Gleichaltrige gewürgt. Er betätigt sich auch gerne in “Kung-Fu-Gesten”, sprich er stellt sich breitbeinig vor einem auf und macht wohl den “Todesstoß” nach. Also schön finde ich das auch nicht und ich will ehrlich gesagt auch nicht, dass Hannah allzu innigen Kontakt zu diesem Kasper hat.
Aber das Geplärre nervt schon auch. Angst hin oder her, spät. im Kindi muss sie wohl lernen mit ihm irgendwie klar zu kommen :neutral:
Jaaa, womöglich hat sie ihr Bauchgefühl vom Papi geerbt.
Ich konnte mich zumindest (fast) immer drauf verlassen.