Abschied nehmen dürfen

© Benjamin Ulrich (Pixelio)

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben soll. Letztendlich bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass er wichtig ist. Geschwiegen wird schon viel zu viel!
Vor einiger Zeit haben wir unser Baby verloren. Diesen Verlust zu verkraften und zu verarbeiten hat so manches Mal meine Kraft überstiegen. Umso dankbarer war ich, als meine Schwester die Initiative ergriffen hat und sich erkundigte, ob fehlgeborene Kinder ein Grab erhalten. Sie bekam die Auskunft, dass JEDES fehlgeborene Kind, egal in welcher Schwangerschaftswoche ein Grab bekommt. Es wird nicht, wie früher, einfach verbrannt, sondern in einem Grab mit anderen Babys beerdigt. Es gibt sogar regelmäßige Gottesdienste, an denen betroffene Eltern teilnehmen können.

Für mich, und sicherlich auch für Micha, war diese Nachricht wie ein Befreiungsschlag! ENDLICH hab ich einen Platz zum Abschiednehmen, zum Traurigsein oder einfach nur zum “Hallo” sagen. Unser Baby wurde nicht einfach verscharrt, sondern ruht mit anderen Babys in einem Grab.

Warum ich diesen Artikel schreibe?
Ganz einfach: damals im Krankenhaus hat mir niemand davon erzählt. Ich habe mich ein halbes Jahr mit dem Gedanken gequält, was wohl aus meinen Kind geworden ist. Niemand hat mir damals einen Zettel mit dem Standort des Grabes gegeben, niemand hat mir gesagt, dass es sogar Gottesdienste gibt…das ist sehr traurig. Und damit es anderen Betroffenen nicht auch so geht, schreib ich das hier. Jedes Kind wird beerdigt! Das ist für die Eltern eine so wichtige Info, dass ich nicht verstehe warum mir damals niemand davon erzählt hat!