Abschied nehmen dürfen

© Benjamin Ulrich (Pixelio)

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben soll. Letztendlich bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass er wichtig ist. Geschwiegen wird schon viel zu viel!
Vor einiger Zeit haben wir unser Baby verloren. Diesen Verlust zu verkraften und zu verarbeiten hat so manches Mal meine Kraft überstiegen. Umso dankbarer war ich, als meine Schwester die Initiative ergriffen hat und sich erkundigte, ob fehlgeborene Kinder ein Grab erhalten. Sie bekam die Auskunft, dass JEDES fehlgeborene Kind, egal in welcher Schwangerschaftswoche ein Grab bekommt. Es wird nicht, wie früher, einfach verbrannt, sondern in einem Grab mit anderen Babys beerdigt. Es gibt sogar regelmäßige Gottesdienste, an denen betroffene Eltern teilnehmen können.

Für mich, und sicherlich auch für Micha, war diese Nachricht wie ein Befreiungsschlag! ENDLICH hab ich einen Platz zum Abschiednehmen, zum Traurigsein oder einfach nur zum “Hallo” sagen. Unser Baby wurde nicht einfach verscharrt, sondern ruht mit anderen Babys in einem Grab.

Warum ich diesen Artikel schreibe?
Ganz einfach: damals im Krankenhaus hat mir niemand davon erzählt. Ich habe mich ein halbes Jahr mit dem Gedanken gequält, was wohl aus meinen Kind geworden ist. Niemand hat mir damals einen Zettel mit dem Standort des Grabes gegeben, niemand hat mir gesagt, dass es sogar Gottesdienste gibt…das ist sehr traurig. Und damit es anderen Betroffenen nicht auch so geht, schreib ich das hier. Jedes Kind wird beerdigt! Das ist für die Eltern eine so wichtige Info, dass ich nicht verstehe warum mir damals niemand davon erzählt hat!

5 Kommentare

  1. Frau Kathy
    11.08.2009

    ihr lieben,
    das tut mir so unendlich leid. ich fühle sehr mit euch und kann eure gefühle nur zu gut verstehen, sind/waren wir doch auch betroffen. ich bin in gedanken bei euch!

  2. Bigi
    11.08.2009

    Das ist wirklich unglaublich, dass Euch niemand über den Verbleib Eures Babys informiert hat :shock: Tut mir wirklich leid für Euch, 1. dass ihr Euer Baby verloren habt und 2. dass ihr nicht wusstet, was mit ihm passiert ist……

  3. Katrin
    11.08.2009

    Darum hab ich das letztendlich doch geschrieben und veröffentlicht:
    habt den Mut zu fragen, wo eurer Kind hinkommt. Nichts ist schlimmer als Ungewissheit.
    Ich hab bis dato immer angenommen, dass unser Kind zu früh gestorben ist, um beerdigt zu werden. Darum hab ich mich nicht getraut nachzufragen. Wer will schon hören, dass das Baby zusammen mit Raucherbeinen verbrannt wurde (so wie´s früher war)!

  4. shreki
    12.08.2009

    Also bei uns werden die Eltern gefragt, was mit dem Kind passieren soll. Es gibt auf allen Friedhöfen bei uns sogenannte “Engelsfelder”, wo anonym die abgegangenen Kinder beerdigt werden, man kann aber wohl auch sagen, dass es “egal” ist. Was dann mit dem Kind geschieht, weiß ich nicht. Aber das finde ich ja auch ungeheuerlich, dass sie Euch nicht gesagt haben, was damit passiert.

  5. Danny
    12.08.2009

    Ich freue mich mit Euch, dass Ihr – wenn auch spät – diese Auskunft erhalten habt!! Ich kann mir gut vorstellen, was es heißt nicht zu wissen, was mit dem Baby passiert! Ich hoffe, es geht Euch damit besser!!

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