Schwarz/Gelb wird kommen

Die Wahl ist gelaufen. Das Ergebnis ist zwar noch nicht amtlich, aber absehbar: Die Große Koalition gehört (vorerst) der Geschichte an und CDU/CSU wird zusammen mit der FDP die Geschicke der nächsten vier Jahre leiten. Was in mancherlei Ohren wie eine Drohung klingt, ist der Wille des Wählers! Da gibt es nichts zu rütteln. Was dennoch irritiert, ist die subjektive Wahrnehmung im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis, unter Kollegen und nicht zuletzt bei Facebook, Twitter und in vielen “befreundeten” Blogs. Nicht immer lassen die dortigen Aktuere ihre politische Ausrichtung klar erkennen, aber so erfährt man doch an vielen Stellen, welche Lebensauffassung der ein oder andere hat und demnach auch, wo er politisch anzusiedeln ist. Besonders beeindruckend fand ich die ersten Reaktionen auf Facebook. Regelrechtes Entsetzen machte sich da breit, kundgetan teilweise von Personen, von denen ich kaum gelglaubt hätte, dass sie so klar politisch Stellung beziehen.

Bleibt aber die Frage, wie dieses Wahlergebnis zustande kommen konnte, wo doch vermeintlich “alle” anders wählen wollten. Die nun folgende Auffassung wird manchen schon auf die Nerven gehen, aber auch hier bin ich sehr dafür GENAU hinzusehen. Nicht nur, aber gerade in der Politik wird sehr oft mit oberflächlichen Eindrücken gearbeitet. Die SPD und deren Gesichter (namentlich Steinmeier und Müntefering) sind die großen Verlierer, während Merkel und Westerwelle jubilieren. Einige sprechen gar vom Untergang der großen Volksparteien! Was stimmt hier nicht? Wo ist die Diskrepanz und wer ist einem Irrtum aufgelaufen?

Eigentlich ist der Fall klar (wenn man genau hinschaut :twisted: ). Mehrere Faktoren haben dieses Wahlergebnis möglich gemacht: Die Große Koalition, die Spaltung des linken Lagers, die Wahlbeteiligung und last but not least “die Alten”. Warum? Ganz einfach:

Die Große Koalition war und ist unter Politikern wie auch in der Bevölkerung nie eine Wunschehe. Offenbar scheinen viel mehr Menschen davon genug zu haben, als es zunächst den Anschein hatte. Also haben sie “ihrer” Partei den Rücken gestärkt, indem sie den Wunschkoalitionspartner gewählt haben. Bei der CDU/CSU erklärt das die starken Zuwächse bei der FDP und bei der SPD erklärt das die große Zahl an Abwanderern hin zu den Grünen und vor allem an Protestwählern bei den Linken. Die von Haus aus geschwächte SPD ist somit vollends in den Keller gerutscht.

Oftmals wird der SPD als Ursache ihrer Misere die Agenda 2010 und schließlich Hartz IV angedichtet. Genau genommen sind es aber eben jene Reformen, die uns heute einen (trotz Krise) halbwegs stabilen Arbeitsmarkt beschert haben. Das eigentliche Problem der SPD heißt “Die Linke” oder namentlich “Oskar Lafontaine”. Seiner persönlichen Fehde sei Dank, grasen die Linken Stammwähler der SPD ab. Dass Populismus und Regierungsverantwortung sich ausschließen, dass interessiert die Wähler letztlich leider nicht.

Die unterirdische Wahlbeteiligung darf nicht unterschätzt werden! Meine Wahrnehmung ist die (nicht zuletzt auch durch die eher gedämpften Reaktionen hier im Blog auf politische Themen), dass vor allem junge Leute “keinen Bock” auf Politik haben. Gerade die jüngeren Wähler denken aber oft sozialer und weitsichtiger, als das Wähler der “älteren” Generation tun. Ich glaube sicher, dass viel zu wenig Junge zur Wahl gehen und somit vor allem den Konservativen in die Karten spielen. Umso wichtiger ist der Aufruf: Geht wählen! Schaut Euch an, was politisch passiert! Keiner kann sagen: “Politik interessiert mich nicht!” Das ist genauso kurz gesprungen wie die Aussage: “Was interessiert mich Umweltverschmutzung? Ich lebe auf dem Land!”.

Die Älteren in unserer Gesellschaft sind eine Gruppe, die sich eigentlich nirgendwo groß zu Wort meldet – erst recht nicht in den neuen Medien wie dem Internet. Wir nehmen sie auch nicht in unserem Freundeskreis wahr, weil wir in der Regel mit Gleichaltrigen zusammen sind. Dabei wird die “Rentnergeneration” immer wichtiger in unserem Land, weil ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung stetig steigt. Diese Gruppe, die meist zu den Stammwählern konservativer Parteien zählen, dürften das letzte Quäntchen zum heutigen Ergebnis beigetragen haben.

Lange Rede, kurzer Sinn… Wir werden uns auf eine Verlängerung bei den Laufzeiten der Atomkraftwerke einstellen müssen. Wir werden in bestimmten Bereichen mit Sicherheit einen Sozialabbau erleben. Themen wie Mindestlohn rücken in weite Ferne. Und ob es aus den fest versprochenen Steuersenkungen etwas wird, bleibt abzuwarten. Vermutlich wird der neue Finanzminister sich darauf berufen, dass die alte Regierung gar nicht alles offengelegt hat und wenn man das gewußt hätte… und wenn man dies hätte einplanen können… dann… Wir werden froh sein können, wenn es keine Steuererhöhungen gibt! Ob unsere alte und neue Bundeskanzlerin so einfaches Spiel hat wie bisher, bleibt ebenfalls abzuwarten. Die FDP wird – so paradox das heute klingt – ein unangenehmerer Partner werden, weil sich da jemand des Wahlsiegs Willen sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat. Es wird sich zeigen, ob Schwarz/Gelb “es kann”… Man kann über Steinmeier denken, wie man will… Er meinte zu dieser Frage: “Ich glaube, die können das nicht!”

Gute Nacht!

Wir hatten die Wahl

Warst Du heute wählen?

  • Ja klar! (90%, 9 Stimmen)
  • Nein, ich hab schon vorab per Briefwahl abgestimmt. (10%, 1 Stimmen)
  • Nein, natürlich nicht! (0%, 0 Stimmen)

Stimmen: 10

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Unsere Zukunft: Ernst-Reinhard Beck

Der CDU-Bundestagskandidat unseres Wahlkreises heißt Ernst-Reinhard Beck. Zugegeben: Der Name klingt etwas umständlich. Er ist 63 Jahre alt, katholisch, seit 39 Jahren verheiratet, war 30 Jahre lang Lehrer, davon 20 Jahre Direktor eines Gymnasiums und seine Arbeit macht ihm “sehr viel Freude”, wie er in seinem Wahlwerbespot selbst sagt. Vielleicht lasse ich mich da von nackten Vorurteilen leiten, aber all das klingt ganz und gar nicht nach Mut zur Veränderung, nach Innovation und Zukunftsgewandtheit. Das alles und vor allem auch sein Auftritt in besagtem Spot wirkt vielmehr altbacken, steif und zurückgeblieben. Der Mann spricht sich, wie übrigens die meisten seiner Parteikollegen, noch immer eisern dafür aus, keine Volksabstimmungen einzuführen. Er begründet das mit den “komplexen Sachverhalten” auf Bundesebene, für die der gemeine Wähler wohl einfach zu doof ist. Getreu Helmut Kohls Motto: Der Wähler weiß nicht immer, was das vermeintlich Beste für ihn ist.

Beim besten Willen: So jemand führt die hiesige CDU-Hochburg an und wird vermutlich wieder recht klar in den Bundestag einziehen. Das spricht nicht unbedingt für unsere Region! :roll:

Der neue Laith Al-Deen?

Wenn bei Musikjournalisten die Rede davon ist, dass ein neuer Laith Al-Deen geboren sei und sich der echte warm anziehen müsse, dann werde (vor allem auch) ich natürlich sehr hellhörig. Wer Laith schon einmal live erlebt hat, der weiß, dass mit derartigen Aussagen die Latte extrem hoch gelegt wird, denn musikalisch kann man nicht arg viel besser sein.

Tobias Tan soll also “der Neue” sein und mit seinem Song “Heimweh” will er zusammen mit Christian Auerbacher sogar im internationalen Musikbusiness Fuß fassen. Ob ihm das wirklich gelingt, wird man sehen und ob der Vergleich mit Laith Al-Deen gerechtfertigt ist, davon kann sich hier nun jeder selbst überzeugen. Ich bin auf Eure Feedbacks sehr gespannt! :mrgreen:

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Wahl real

Die Frage, was man am kommenden Sonntag wählen möchte, sollte und müsste, ist eine ganz persönliche Sache und unterliegt dem Wahlgeheimnis. Außerdem haben unzählige Meinungsforschungsinstitute versucht, Trends und Prognosen abzugeben… die am Ende allesamt nur bedingt stimmen werden.

Was mich aber interessieren würde: Was GLAUBST Du, wer wird uns in den kommenden vier Jahren regieren? Dabei geht es nicht um Deine ganz persönliche, politische Meinung, sondern darum, was Du vermutest, wie die Bundestagswahl am Sonntag ausgeht. Ich bin sehr, sehr gespannt…

Wer regiert uns in der nächsten Legislaturperiode?

  • Große Koalition (CDU/CSU & SPD) (43%, 3 Stimmen)
  • Schwarz/Gelb (CDU/CSU & FDP) (29%, 2 Stimmen)
  • Rot/Grün (SPD & Grüne) (14%, 1 Stimmen)
  • Rot/Rot/Grün (SPD & Linke & Grüne) (14%, 1 Stimmen)
  • Jamaika-Koalition (CDU/CSU & FDP & Grüne) (0%, 0 Stimmen)
  • Ist mir völlig egal! (0%, 0 Stimmen)

Stimmen: 7

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Das Guido

Im laufenden Budestagswahlkampf wurde inzwischen die Glocke für die letzte Runde geläutet. Seit dem TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier ist doch noch so etwas aufgekommen wie Bewegung. Umso spannender werden nun Interviews von Beteiligten, weil es ja sein könnte, dass doch noch irgendwo eine finale Überraschung oder auch “nur” ein disaströser Patzer lauert.

Im aktuellen FOCUS gibt es neben einem Interview mit Steinmeier auch eines mit FDP-Chef Guido Westerwelle. Dieser Mann ist nicht einfach nur ein Politiker, sondern ein Phänomen – das Phänomen “Guido”. Gebetsmühlenartig leiert er seine auswendig gelernten Floskeln herunter, wie es sonst nur für eine Klassenarbeit lernende Jugendliche tun. Er war schon immer ein Visionär – ja mehr noch: ein Fantast, ein Träumer… Schon immer ereiferte er sich in seinen politischen Träumen, die stets in regelrechten Wahnvorstellungen zu enden schienen. Legendär ist die “Strategie 18“, mit der er “seine” FDP doch allen Ernstes zu einem Wahlergebnis von über 18% führen wollte. Dass diese Aktion im besten Fall reine Wahlkampftaktik, letztlich aber doch bloßer Größenwahn war, zeigt allein schon die Tatsache, dass die FDP seit Bestehen des Deutschen Bundestages (also seit 1949) noch nicht einmal die 15%-, ja nicht einmal die 13%-Marke erreichen konnte. Heraus kamen bei besagter Wahl lächerliche 7,4% – also noch nicht einmal die Hälfte des sogar auf Schuhsohlen plakatierten Ziels. Doch auch diese peinliche Bloßstellung hinderte das Guido nicht daran, wieder aufzuflammen… immer wieder.

Und so lässt er auch heuer seine gebetsmühlenartigen Träume vom Stapel. In besagtem FOCUS-Interview ist wie in allen seinen Interviews die Rede von einer “bürgerlichen Mitte” – natürlich bestehend aus Schwarz-Gelb, von “einer starken FDP” – natürlich innerhalb von Schwarz-Gelb, von “einer klaren Ansage für die Wahl” – natürlich Schwarz-Gelb – und davon, dass die FDP die einzige Partei ist, die sich so derart festlegt. Natürlich ist die FDP die einzige Partei, die so vollmundig geradezu um ein ganz bestimmtes Wahlergebnis bettelt. Alle anderen Parteien – oder vielmehr deren Vorsitzende – haben offenbar verstanden, wie Demokratie wirklich funktioniert. Die Bekundung von Wunschkoalitionen vor einer Wahl ist genauso sinnfrei wie die Ansage, dass man für seinen Geburtstag im späten Dezember eine Gartenparty plant, zu der Sonne und 35 Grad im Schatten herrschen. Lieber Herr Westerwelle, vielleicht hat es sich zu Ihnen noch nicht herumgesprochen. Vielleicht passt es auch nur einfach nicht in ihre Welt voller Träume und Sehnsüchte, aber letztlich entscheidet das Volk als der Souverän und nicht die Politiker aufgrund ihrer Zielvorgaben oder Weissagungen. Alles andere käme einer Frau Ypsilanti gleich, die eine Wahl einfach so lange wiederholen lässt, bis ihr das Ergebnis in den Kram passt.

Ich kann nur inständig hoffen, dass möglichst viele (vor allem auch JUNGE) Menschen am kommenden Sonntag zur Wahl gehen. Die (eher älteren) Stammwähler sind schon lange nicht mehr das Zünglein an der Waage, sondern die Spontanen, Offenen, die auch mal aus dem Bauch heraus wählen. Das freilich passt einem Träumer, wie dem Guido, nicht ins Konzept… Schade, was?! :-P

Taktisches Wählen

Am kommenden Sonntag findet die Bundestagswahl statt. Wieder einmal geht es turbulent zu und die Demoskopen überschlagen sich nahezu täglich mit neuen Umfrageergebnissen und Analysen. Allesamt machen es dem “kleinen Wähler” nicht unbedingt einfacher, seine Stimmen so zu vergeben, dass das von ihm Gewollte auch erreicht wird. Wie soll man nun also wählen? Aus purer Überzeugung? Taktisch und wenn ja, wie? Wieso und wofür vergibt man eigentlich bei der Bundestagswahl zwei Stimmen? Welche der beiden ist “wichtiger” und welche besagt letztlich im Wahlergebnis was?

Hand aufs Herz: Die meisten Wahlberechtigten fühlen sich auch deshalb verunsichert, weil sie diese Fragen nach wie vor nicht mit absoluter Sicherheit beantworten können. Es ist ja auch nicht ganz einfach: Erststimme, Zweitstimme, Überhangmandate, Sitze, Wahlkreise, Fünf-Prozent-Hürde… Um die “richtige” Wahl zu treffen, muss man sich damit aber auseinandersetzen. Sonst kann es passieren, dass man zwar eine Stimme abgibt, diese aber “Falsches” bewirkt. Die neuen Trends hin zum Fünf-Parteien-System vereinfachen die Situation nicht wirklich!

Zunächst einmal also ein paar grundlegende Fragen und deren Antworten:

Wie sieht der Stimmzettel am Sonntag aus?
Der amtliche Stimmzettel hat zwei Spalten. In der linken findet man jede Menge Namen von Personen und deren Parteizugehörigkeit. Das ist die sogenannte Erststimme. In der rechten Spalte findet man lediglich die Parteien, die zur Wahl stehen. Das ist die Zweitstimme. In jeder der beiden Spalten hat man je nur eine Stimme.

Was bewirkt die Erststimme?
Mit der sogenannten Erststimme wählt man eine Person, die sich im jeweiligen Wahlkreis um den Einzug in den Bundestag bewirbt. Man hat damit also Einfluss darauf, WER aus dem persönlichen Wahlkreis im Parlament sitzen wird.

Was bewirkt die Zweitstimme?
Über die Zweitstimme wird ermittelt, wie stark die einzelnen Parteien im Bundestag vertreten sind. Wer mehr Stimmen erhält, bekommt auch mehr Sitze für Abgeordnete. Man hat damit also Einfluss darauf, wie “mächtig” eine Partei im Parlament ist.

Was ist die Fünf-Prozent-Hürde?
Damit das Parlament nicht aussieht wie ein bunter Flickenteppich ziehen nur die Parteien in das Parlament ein, die mit der Zweitstimme mehr als fünf Prozent aller Stimmen erreichen.

Was sind Überhangmandate?
Nehmen wir einmal an, eine Partei gewinnt mit den Erststimmen in zehn Wahlkreisen. Demzufolge müssen zehn Personen dieser Partei auch im Bundestag sitzen. Wenn das prozentuale Ergebnis bei den Zweitstimmen für dieselbe Partei aber nur neun Sitze hergibt, bleibt eine Person auf der Strecke. Damit sie trotzdem im Parlament Platz findet, erhält sie ein sogenanntes Überhangmandat.

Nun stellt sich also die Frage: Wie muss ich wählen, damit meine Interessen Gehör finden? Zunächst einmal sollte man sich informieren, welche der zur Wahl stehenden Parteien die meisten Übereinstimmungen in grundätzlichen, politischen Fragen mit der eigenen Meinung haben. Weil das Wälzen von Parteiprogrammen eher ermüdend als informativ sein dürfte gibt es clevere Tools wie den Wahl-o-maten. Danach sollte man sich informieren, wer in seinem Wahlkreis der aussichtsreichste Direktkandidat ist. Am einfachsten ermittelt man das anhand der Erststimmen aus dem Wahlergebnis von 2005. Nun haben wir also zwei wichtige Informationen, die für die Entscheidungen bei der Erst- und Zweitstimme hilfreich sind.

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Polizeikontrolle

Folgende Szene soll sich tatsächlich so zugetragen haben:

Später Abend. Polizeikontrolle. Ein Auto wird herausgewunken und hält neben den Polizisten. Der Fahrer kurbelt die Scheibe herunter.

Fahrer: “Guten Abend, ich hätte gern bitte einen Big Mäc, sechs Chicken McNuggets mit Barbecuesoße und zwei Happy Meals. Als Geschenk nehme ich die rote Kelle und das kleine grüne Männchen da hinten.”

Polizist: “Aussteigen bitte!”

Köstlich! Ich könnte mich bepinkeln vor lachen! Vor allem auch deshalb, weil es wirklich keine frei erfundene Story ist! :lol:

Wüstenblume

Wüstenblume erzählt die Geschichte von Waris Dirie: ein weltweit gefeiertes Topmodel und gleichzeitig Opfer eines grausamen Rituals: Genitalbeschneidung von Frauen.

Vor Jahren hab ich das Buch gelesen und es hat mich erschüttert. Jetzt soll dieses Buch verfilmt werden und Waris Dirie ist wieder in aller Munde. Sie kämpft seit Jahren gegen diese Art der Tradition an und ist dabei so mutig, sich nicht nur gegen ihre Familie und ihr Volk zu stellen, sondern auch ihre Scham zu vergessen. Um aufmerksam zu machen, um aufzurütteln, um anderen Frauen zu helfen, die ein ähnliches Schicksal tragen müssen oder die davon bedroht sind.
Eine starke Frau und ein noch immer viel zu wenig beachtetes Thema. Vielleicht schafft es die Verfilmung, dieses Thema nochmals in die Köpfe der Menschen zu bringen.

Mehr unter: www.waris-dirie-foundation.com

Du lebst in uns

Wie Katrin an anderer Stelle schon erzählte, ereilte uns Ende letzten Jahres kein schönes Schicksal. Unser zweites Baby, Hannahs Geschwisterchen, war nur wenige Gramm schwer und aus rein medizinischer Sicht nicht mehr als ein “Zellklumpen”. Eine Hand voll Leben, das lange vor der Geburt endete; so früh, dass das Kind nach deutschem Recht keinen Anspruch auf einen Namen, eine Geburts- und Sterbeurkunde besaß, nicht mal auf ein Grab. Im Herzen seiner Eltern wird das Kleine aber immer seinen Platz haben.

Erst viel zu spät haben wir erfahren, dass unser Baby nicht, wie vor einigen Jahren noch üblich, zusammen mit abgenommenen Raucherbeinen organischem Klinikabfall als Sondermüll entsorgt wurde, sondern auf dem Reutlinger Friedhof Römerschanze eine Ruhestätte gefunden hat. Die würdige Begräbnisstätte für die Allerkleinsten, zugleich ein Ort der Trauer und des Erinnerns für die verwaisten Eltern, ist unverständlicherweise nirgendwo ausgeschildert und für unwissende Eltern wie uns nur eher schwer zu finden. Unter uralten Bäumen am Südrand des Friedhofes ragt eine zunächst merkwürdig erscheinende Skulptur empor, die die Trauer der Eltern, die Lücke, die der Verlust des erwarteten Kindes reißt, aber auch die Hoffnung, die den Tod überwinden kann symbolisiert. Der Ort strahlt eine merkwürdige Ruhe und Gelassenheit aus, von der man sich unwillkürlich anstecken lässt. Vielleicht ist es aber auch einfach nur eine gewisse Art von Trost, die wir dort spürten. Immerhin gibt es nun plötzlich einen Bezugspunkt, einen versinnbildlichten Platz der Trauer und des Abschieds. Das was unserem Kind und uns vorenthalten wurde, nämlich ein Platz mitten im Leben, scheint nun wenigstens einen kleinen “Ersatz” gefunden zu haben. Das ist für Katrin wie für mich ein wichtiger Schritt in unserer insgeheim immer noch kaum verminderten Trauer.

Um ein Kind zu trauern, das man nie im Arm halten konnte – das ist nicht leicht. Loslassen, Abschied nehmen und ein Stück weit erleichtert nach Hause gehen – dabei soll der Gedenkplatz helfen. So war auch der symbolische Teil der Einweihungsfeierlichkeiten im Jahre 2004 zu verstehen: Jeder sollte einen Stein am Gedenkplatz niederlegen – und stattdessen eine Feder mitnehmen. Auch wir haben einen kleinen Gedenkstein vorbereitet, den wir dort ablegen werden – und stattdessen werden wir unsere imaginäre “Feder”, unser Baby mitnehmen… in uns… für immer.