Thilo Sarrazin hat wieder gepoltert

Der ehemalige Finanzsenator von Berlin, Thilo Sarrazin, war schon immer für kernige, provozierende Sprüche zu haben. So rechnete er einst Hartz IV-Empfängern vor, wie man mit den bestehenden Sozialhilfesätzen gesund und ausgewogen Kochen könne oder empfahl Arbeitslosen, die den ganzen Tag zu Hause säßen, eher einen Pullover mehr anzuziehen und stattdessen die Heizung zu drosseln um deren Kosten zu senken.

Seine letzten Aussagen bezüglich “seiner” Stadt Berlin hat ihn nun mehr oder minder seinen Job gekostet. Als Bundesbankvorstand, sind derartige Aussagen offenbar nicht gewünscht, sodass er jüngst “degradiert” wurde. Zwar reichen die Vorwürfe nicht aus, um ihn tatsächlich zu feuern, aber das Beispiel zeigt, wie man jemanden mit einer Entmachtung denunzieren kann. Prekär dabei ist die Tatsache, dass Sarrazin laut FOCUS vom Bundesbankchef Axel Weber zu diesem Interview ermuntert wurde. Mehr noch: Vier Wochen vor dessen Veröffentlichung lag Weber der exakte Wortlaut vor, den dieser sogar noch aktiv mitbetreute. Sarrazin wurde also klassisch im Regen stehen gelassen.

Dabei hat Sarrazin eigentlich gar nichts Schlimmes gesagt! Er äußerte sich über Dinge, die er als guter Beobachter aus jahrelanger Erfahrung kennt. Hier einige seiner Aussagen und die Fakten, die dahinter stehen:

Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel.

Laut einer Statistik des DIW Berlin sind 43,9% aller Arbeitslosen in Berlin türkischer Herkunft. Zum Vergleich: Die Deutschen machen nur 17,3% aus.

Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer.

Wenn man einer Erhebung von “Mikrozensus” glaubt, haben 9,6% aller Migranten in Deutschland keinen Schulabschluss. Bei den Deutschen beträgt dieser Anteil nur 1,5%. In der Folge verwundert es kaum, dass 14,1% aller Personen mit Migrationshintergrund erwerbslos sind, wohingegen dies nur für 7,5% der Deutschen zutrifft. Dass es auch ganz anders geht, zeigt ein simpler Vergleich: Auf hundert Türkischstämmige ohne Abschluss kommen nur 28 mit Abitur. Damit erreichen sie nur ein Viertel des Niveaus der Zuwanderer aus Afrika. Ein offensichtliches Problem also!

Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.

Fast ein Viertel aller Ausländer ohne deutschen Pass in Berlin sind Türken. Dabei liegt diese Bevölkerungsgruppe in den Geburtenraten weit vor den Deutschen. Dieser entsprechend hohe Anteil macht sich leider auch in Kriminalstatistiken bemerkbar: 80% aller jugendlichen Intensivtäter in Berlin haben einen Migrationshintergrund. Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kam man gar schon 2005 zu der erschreckenden Erkenntnis, dass eine Verständigung mit fast einem Viertel der türkischen Kinder nicht oder kaum möglich ist. Natürlich ist Ausgrenzung die zwangsläufige Folge.

Was also hat Sarrazin so Schlimmes gesagt? Er hat Fakten offengelegt, die bisher stets sorgfältig totgeschwiegen wurde. Man mag seine Art nicht mögen. Seine Ausdrucksweise mag aggressiv und polternd sein. Aber er sagt nicht die Unwahrheit und ist erst recht kein Volksverhetzer. Sein türkischstämmiger Parteigenosse Vural Öger äußerte sich da in der Zeitung “Hürriyet” schon anders:

Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Das, was Sultan Süleyman 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen.

Dazu hörte man weder Entrüstungsstürme, noch – wie im Fall Sarrazin -  einen Vergleich des Zentralrats der Juden mit Hitler. Die SPD zog bis dato auch noch kein Parteiausschlussverfahren in Erwägung. Dabei hören sich Ögers wirre Gedankenspiele erschreckend eindeutig nach Hetze und Verachtung an. Aber wen wundert’s? Selbst gestandene Staatsmänner, wie der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan rief unumwunden dazu auf, mehr und mehr Einfluss zu nehmen. Im vorigen Jahr in der Köln-Arena sagte er seinen begeisterten Landsleuten:

Die türkische Gemeinschaft sollte mit ihren drei Millionen Menschen in der Lage sein, in der deutschen politischen Landschaft einen Einfluss auszuüben.

Sarrazin mag sich angesichts seiner Position bei der Bundesbank ungeschickt verhalten haben. Das ist seine persönliche Sache, mit der er fertig werden muss. Inhaltlich hat er aber eine längst fällige Diskussion um die Frage angestoßen, ob die vielbesagte Integration ausschließlich eine Bringschuld des Staates und seiner Bürger ist.

5 Kommentare

  1. Udo Lihs
    13.10.2009

    Sinus Miigranten-Milieus

    “Die in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund sind so unterschiedlich und facettenreich wie die einheimische Bevölkerung. Die Sinus-Studie gruppiert sie in acht Milieus . Diese setzen sich aus Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Religionen und Herkunftskulturen zusammen. Was sie verbindet, sind ähnliche soziale Lagen, ähnliche Denkweisen und ähnliche Lebensstile. Auffallend ist: Keines der acht Milieus wird von nur einer Herkunftsgruppe bestimmt.”

    Quelle: Vielfältig und in vielem den Einheimischen ähnlich

  2. Micha
    14.10.2009

    Es ist unumstritten, dass es in jeder Kultur und in allen Herkunftsgruppen verschiedene Facetten gibt. Von Gebildet bis “Unterschicht”, von integrationswillig bis integrationsunwillig… Das hat aber mit dem oben beschriebenen Problem nichts zu tun, denn ganz unumstritten belegen die genannten Zahlen, dass es in bestimmten Bevölkerungsgruppen überdurchschnittlich häufig zu Problemen bei der Bildung und Integration kommt. Afrikaner und Vietnamesen beispielsweise haben nahezu keine Probleme bei der Integration.

    Wenn Sarrazins Äußerungen eines aufzeigen, dann ist es die Tatsache, dass endlich fair und offen diskutiert werden muss, ohne Verwischerei und Weichspülerei. Und dieses “alle sind gleich und sind nicht besser oder schlechter als die Deutschen” bringt uns nicht weiter. Es gibt sehr wohl Unterschiede bei der Integration von Migranten. Wer das nicht glaubt, sollte mal vor Ort gehen und die Leute “an der Front” befragen.

  3. Katrin
    14.10.2009

    Ein kleines Erlebnis in Sachen “Integration”:
    Ort: Kindergarten Engstingen
    Datum: heute (14.10.2009)
    Uhrzeit: 09.00 Uhr
    Beteiligte: meine Tochter, ich, die Kindergärtnerin, Mutter eines türkischen Kindes
    Verlauf:
    gegen 9 Uhr habe ich meine Tochter in den Kindi gebracht. Während ich ihr die Jacke auszog, kam eine Mutter mit ihrem Kind zur Tür herein und ging zielstrebig auf die Erzieherin zu, in der Hand einen Zettel. Folgender Wortwechsel fand dann statt:

    Mutter: diese Zettel brauche für die Vorschule meine Tochter. Aber ich nix wissen die Vorname von meine Kind
    Erzieherin: äh, der Vorname ihres Kinde?
    Mutter: ja. Was die Vorname? Marina oder Müller? (zugegeben ein eher untypischer Name)
    Erzieherin: der Vorname ihres Kindes lautet Marina, der Nachname Müller

    Soviel zum Thema “erfolgreiche Integration”. Es mag ja angehen, dass die deutsche Sprache eine schwere ist, aber ich sollte doch zumindest den Vornamen vom Nachnamen unterscheiden können. Sonst bin ich irgendwie falsch oder hab was nicht richtig mitbekommen. Vorallem: wie wird besagte Marina Müller durch´s Leben gehen, wenn sie von ihren Eltern schon mitbekommen, dass man die Sprache des Landes in dem man lebt nicht kennen muss??

  4. Katrin
    14.10.2009

    Ach, da fällt mir ja noch was ein, auch in Sachen “Integration”:
    wenn Hannah am 02.11. ihren 3. Geburtstag im Kindergarten feiert, dann habe ich als Mutter eine Auflagen bezüglich der mitzubringenden Speisen zu erfüllen:
    1. keine Gummibärchen für die 2 (!!) muslimischen Kinder. Weil da Gelatine drin ist und das ist nicht erlaubt im Islam
    2. keine Schweinewürste o.ä., da eben diese beiden muslimischen Kinder nichts von “unreinen” Tieren essen dürfen.

    Alles recht und schön, aber was ist, wenn diese beiden Kinder Geburtstag feiern? Dann wird den restlichen 30 (!!) Kindern zugemutet, dass sie Lamm/bzw. Hammelfleisch essen (oder was auch immer erlaubt ist im Islam).
    Kann das noch wahr sein??

  5. Bigi
    15.10.2009

    Ne, keine Angst :lol: Da gibt es auch legger Geflügel und Rind dürfen die auch (außerdem gibts ja auch Gummibärchen mit ohne Gelatine)

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