Tagesmütter und Kitas
Nach dem Lesen dieses Beitrags wird mich manch eine/r als altbacken, rückständig oder gar realitätsfern abstempeln. Immerhin renne ich damit gewissermaßen gegen einen allseits anerkannten Trend an. Aber die immer weiter zunehmende “Abschiebe-Mentalität” junger Eltern stößt mir mehr und mehr sauer auf. Da sind die Kleinen kaum zwei Jahre alt, da werden sich auch schon in Krippen abgeliefert oder der Tagesmutter in die Hand gedrückt. Immerhin muss die junge Mutter oder der junge Vater schnellstmöglich wieder dem Beruf nachkommen, sich verwirklichen, einbringen und Geld verdienen. Schnell werden Argumente für dieses Vorgehen vorgebracht, wie mangelndes Einkommen, Ausfälle bei der Rente…
Dass es geradezu paradox ist, zusätzliches Geld zu verdienen, nur um es für die Betreuung der Kinder wieder auszugeben, scheint kaum jemandem aufzufallen. Angesichts dessen muss man einfach mal die Frage stellen, warum man eigentlich Kinder bekommt? Weil es “in” ist? Weil das zu den vielen, vielen Lebenzielen einfach mit dazu gehört? Spielen unsere Kinder, die die nächste Generation nach uns bilden, alles in allem nicht eine zu untergeordnete Rolle?
Allein schon der Begriff “Tagesmutter” klingt schrecklich! Das Kind hat tagsüber eine andere Mutter, als abends. Was werden die Kleinen denn mal über ihre Eltern denken, wenn sie groß sind? Dass Beruf und Geld wichtiger waren als sie? Dass sie aus sachlichen Gründen abgeschoben werden mussten? Und was entgegnet man da als Eltern?
Man verstehe mich bitte richtig: Ich gehöre nicht zu denen, die fordern, dass Frauen an den Herd gehören. Ich bin auch nicht dagegen, dass anstelle der Mütter die Väter die Elternzeit wahrnehmen – im Gegenteil! Was ich aber nicht nachvollziehen kann: Dass man Kinder bekommt und diese dann allenfalls den gleichen Stellenwert haben wie Beruf, Hobby oder irgenwelche materialistischen Dinge. Unsere Kinder sind die Eltern von morgen. Sie sollten – gerade in den ersten drei Jahren – die wichtigste Rolle spielen… Ohne Wenn und Aber! Ist das altbacken? Ist das “ewig-gestern”? Dann bin ich das gerne!









Da müsste man vielleicht mal die “Tagesmutterkinder” und die “Beimamakinder” fragen, um herauszufinden, was denn daran so schlimm ist…….
Hab ich mal erzählt, dass ich, nachdem meine Plage 10 Monate alt war, wieder arbeiten gegangen bin? Ich hatte das Glück, nich zu müssen sondern zu wollen. Wenn ich so zurückblicke, hatten meine Kleene und ich trotzdem viel Spaß miteinander, sie hat auch keine besonderen Auffälligkeiten in ihrem Verhalten nachzuweisen, is ziemlich “normal” aufgewachsen, hat gute Sozialkontakte und is auch sonst zu ner ganz normalen jungen Frau herangewachsen.
Ich würd das nich altbacken nennen, was du da oben schreibst….. ich finds eher engstirnig…
Meiner Meinung nach isset doch so: Es kommt nich auf die Quantität, sondern auf die Qualität an, mit der sich Eltern mit den Kindern beschäftigen… Ne 24StundenMutter kann ein Kind genaus vernachlässigen, misshandeln oder ignorieren wie eine, die 8 Stunden arbeiten geht und danach auch nix mit den Kindern am Hut haben will…..
Ich find mich als Mutter gut, meine Plage mag mich glaub ich auch meistens und ich bin mir sicher, dass ich (fast) alles richtig gemacht habe
…und wieso muss man sich eigentlich für seinen eigenen Plan im Leben rechtfertigen, wenn er nicht in den Plan anderer Menschen passt? Lassemerse doch einfach lebe und wenn uns auffällt, dass es einem Kind nicht gut geht, reicht es immer noch, sich einzumischen ;)
Leider scheint dieses Familienglück bei einer frühen Abschiebung der Kinder nicht für alle zuzutreffen. Die neuesten Studien deuten auf etwas ganz anderes hin. Es scheint von der Natur gewollt zu sein, dass die sogenannte “primäre Bindung” (also die Nähe des Kindes zu seinen Eltern) in den ersten drei Jahren eine maßgebliche Rolle spielt. Daher regt sich niemand darüber auf, dass Kinder irgendwann losgelassen werden und die Mütter bzw. Väter wieder ihrem Beruf nachgehen. Die Frage ist nur: Muss das schon so früh sein? Selbst Kinder mit drei Jahren, die in den Kindergarten kommen, haben teilweise Probleme loszulassen.
Aber selbst wenn dieses Tun und Handeln keinen negativen Einfluss auf die Kinder hätte, bleibt die Frage, ob es nicht tatsächlich engstirniger ist, allein nur auf neue Trends zu setzen und das klassische Bild einer Familie achtlos über Bord zu werfen. Derzeit werden all jene Familien überdurchschnittlich bevorteilt, die dieser Abschiebementalität folgen. Frau von der Leyen lobt finanzielle Unterstützungen für Kindertagesstetten aus, während die “klassischen” Mütter leer ausgehen. Nochmal: Ich finde die neue Elternzeitregelung, in der auch Väter endlich eine echte Rolle spielen, sehr gelungen. Es geht mir ganz und gar nicht darum, Mütter an den Herd zu ketten. Es geht mir darum, Kindern in den ersten Jahren die Nähe zu geben, die sie ganz offensichtlich benötigen. Heutzutage ist es aber vielmehr “in” alles und jede Auffassung zu tolerieren, sich für alles und jeden zu öffnen, auch wenn man dadurch althergebrachte Werte achtlos über Bord wirft. Eltern sollten sich ihrer (auch gesamtgesellschaftlichen) Verantwortung wieder bewußt werden und die Familie wieder als das ansehen, was sie selbst im Grundgesetz noch ist:
“Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.”
Wie ist das überhaupt, wenn man sein Kind zu einer Tagesmutter gibt? Immerhin hat diese Tagesmutter doch sicherlich andere Erziehungsauffassungen als man selber, oder? Und meistens hat diese Tagesmutter auch nicht nur ein Kind, sondern auch mehrere zu betreuen. Sonst würd sich das finanziell für sie ja nicht rechnen.
Wie macht man das also, wenn zuhause andere Regeln gelten als bei der Tagesmutter? Muss die Tagesmutter auf jedes Kind individuell Rücksicht nehmen oder wird dem Kind einfach zugemutet, dass es abends anders läuft als tagsüber? Stell ich mir irgendwie schwierig vor. Zumal wir ähnliche Diskussionen schon mit den Großeltern haben. Dann blickt das Kleine ja irgendwann gar nimmer durch?!
Ich als (Noch-) Nicht-Mutter schliesse mich da Bigi an. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, was für die Familie und das Kind der beste Weg ist. Von vorneherein zu verurteilen, dass es nicht gut ist, wenn die Mutter schnell wieder arbeiten geht, finde ich nicht richtig. Nicht alle Mütter, die wieder arbeiten gehen, tun das nur aus “Karrieregeilheit” oder weil sie “unbedingt das Geld brauchen” (da seh ich das ähnlich wie Du, bei dem geringen Verdienst mancher Frauen rechnet sich das in der Tat nicht), sondern einfach nur, weil sie Lust dazu haben.
Ich verurteile weder die eine noch die andere “Seite”. Es gibt für jedes Lebensmodell gute und schlechte Beispiele. Und wir werden, wenn es mal so weit ist, auch für unsere Familie eines finden. Nichts für ungut, aber diverse Statistiken und Studien interessieren mich da herzlich wenig.
Gut, lassen wir Studien mal außenvor und überlassen das Thema den Wahrnehmungen, die alltäglich sind. Da werden mehr oder weinger kranke Kinder in der KiTa abgeladen, weil der Arbeitgeber natürlich erwartet, dass der oder die Angestellte pünktlich am Arbeitsplatz erscheint. Auch ist es keine Seltenheit, dass die pünktliche Abholung nicht funktioniert, weil wieder mal was Dringendes für den Chef zu erledigen war. Wie gesagt, das sind keine Studienergebnisse, sondern tatsächlich geschehene Vorkommnisse! Wer schon einmal heulende Kinder in solch einer Situation erlebt hat, müsste eigentlich davon geprägt werden. Diese Tränen drücken ja etwas aus!
Selbst wenn man mal die Empfindungen der Kinder außenvor lässt (immerhin ist jedes Kind anders und das eine kommt vielleicht ganz gut damit zurecht), so muss man doch feststellen, dass derzeit eben KEINE faire Wahlfreiheit zwischen zwei Familienmodellen herrscht. Aktuell werden neue Trends klar bevorzugt. Mütter (oder Väter), die sich dafür entscheiden ausdrücklich für das Kind da zu sein und zu Hause zu bleiben, werden klar benachteiligt. Da werden KiTa-Plätze garantiert und sogar finanziell gefördert, während die Erziehenden zu Hause leer ausgehen. Von Wahlfreiheit kann da keine Rede sein! Wer nicht benachteiligt werden möchte, wird quasi zu dem “modernen” Weg gezwungen.
Toleranz hat in meinen Augen da seine Grenzen, wo es auf der anderen Seite in Intoleranz umschwenkt. Unsere Erfahrungen am eigenen Leib zeigen: Man wird fast überall blöd angeschaut, wenn man sagt, dass man sich für den “altbackenen” Weg entscheidet. “Wie Du arbeitest immer noch nicht?” Es geht da – so theatralisch das klingt – um Werte, die mit dem “total toleranten” Weltbild mehr und mehr aufgegeben werden. Das schlägt sich auch in vielen anderen Themen nieder… Aber das würde hier an dieser Stelle den Rahmen sprengen.
Fazit: egal wie man´s macht, man wird blöd angeguckt!
Ist doch dasselbe, wenn man z.B. keine Kinder hat oder nur eins, oder schon 4. Da entspricht man nicht dem gängigen Gesellschaftsbild.
Aber mich würde nach wie vor interessieren, wie das mit den Regeln bei der Tagesmutter so läuft…ehrlich
@ Katrin Mit dem “gängigen Familienbild” stimm ich Dir zu. Wir leben da ja auch so einen “Klassiker”, 11 Jahre verheiratet und erst jetzt denken wir über Nachwuchs nach. Wird auch gern mal verurteilt, ohne Hintergründe zu kennen. (Was waren diese ersten Ehejahre nervig, mit den ganzen “Und, wollt Ihr noch nicht?”-Fragen.) Und zum Thema Tagesmutter kann Frau Kathy ja vielleicht was berichten. ;)
Wie ich schon schrieb, es gibt für alle dieser Familienlebens-Modelle gute und schlechte Beispiele, aber ich find es nicht gut, wenn man da zu sehr über einen Kamm schert. Auf beiden Seiten.
wenn ich mich an der “Sache” mal beteiligen darf…:-)
Ganz kurz: ich selbst bin Tagesmutter und betreue tagtäglich Kinder, deren Eltern arbeiten müssen. Zum einen sind dies alleinerziehende Mütter oder Eltern, die aus finanzieller Sicht arbeiten müssen. Ich betreue eine altersgemischte Gruppe, die Jüngste ist 1 Jahr alt, die Älteste 12. Funktioniert prima. Und ein großes Privileg ist es, zumindest bei uns im Landkreis, dass die Tagesmutter direkt vom Jugendamt bezahlt wird und die Eltern sich 1 Betreuungsform für ihr Kind aussuchen können.Sei es Krippe (ich hasse diesen Begriff: was ist denn eine Krippe? Eine Futterstelle für Tiere:dreckig, unschön…- dann lieber den Begriff Tagesmutter), Tagesmutter oder Kiga. Und sie zahlen monatlich einen Pauschalpreis, der dem Kiga gleichgestellt ist. Somit sind wir Tagesmütter den Erzieherinnen gleichgestellt. Denn eine gute und qualifizierte Tagesmutter muss sich auch qualifizieren um fremde Kinder betreuen zu dürfen.
Viele Eltern scheuen sich davor, das Kind in eine Großgruppe zu geben – warum dann also nicht zur Tagesmutter?
In der Tat: “Krippe” ist ein furchtbares Wort, übrigens genauso wie “Kindertagespflege”. So nennt sich offiziell eine Tagesmutter. “Pflege” hört sich nach Krankheit an! Soviel zu den Begrifflichkeiten.
Die Frage “warum dann also nicht zur Tagesmutter?” verneint sich für mich allein schon durch die absolut uneinheitliche Regelung bei der Qualifikation. Einige Bundesländer bzw. Städte und Kreise erwarten 160 Unterrichtsstunden, andere nur 16 Unterrichtsstunden. Die WirtschaftsWoche kam gar zu dem Schluss: “Ein absolvierter Tagesmutter-Kurs sagt nichts über die pädagogische Qualität einer Dame aus; manche sitzen die Stunden zwecks späterem Jodeldiplom ab.” Wer möchte seinem Kind irgendwelche Experimente zumuten, bis die Richtige gefunden ist?
Im Übrigen musste ich unwillkürlich den Kopf schütteln als ich von “alleinerziehenden Müttern oder Eltern, die aus finanzieller Sicht arbeiten müssen” las. Nochmal: Es ist paradox, dass man “fremde” Betreuung finanziert und die eigentlichen Eltern zum Arbeiten drängt. Warum kann man nicht direkt eine innerfamiliäre Betreuung finanzieren? Wozu haben Kinder Eltern? Damit diese Krippen und Tagesmütter finanzieren können? Das schreit gen Himmel! Tut mir leid…
@Katrin
ich sehe es auch wie bigi oder souli.
das thema ist ja bei uns gerade brandaktuell. lutz war heute den ersten tag bei der tagesmutter und wir stehen voll und ganz hinter unserer entscheidung.
ich war im vorhinein bestimmt 10 mal mit lutz vormittags da und habe mir ein bild von dem tagesablauf gemacht. ich bin sehr begeistert von ihr und finde es toll, wie sie mit den kindern umgeht. und wäre ich schon bei grundlegenden dingen was die erziehungsauffassung angeht nicht einverstanden, würde ich ihn ja auch nicht zu ihr bringen. und bestimmt gibt es situationen, bei der sie anders handelt als ich, aber dann dürfte ich meine kinder auch nicht zur oma bringen…
und ja, es sind dort auch noch andere kinder. in unserem fall sind an einem tag max. 5 kinder dort.
lutz fühlt sich absolut wohl dort und ich bin mir sicher, daß es für seine entwicklung nur von vorteil sein wird. schon bei unseren besuchen habe ich bemerkt, wie die kinder sich untereinander verständigen, auch wenn sie noch nicht sprechen können. sie lernen voneinander viel schneller, als ich es ihm je vermitteln könnte. kinder untereinander ist einfach etwas ganz besonderes, das sehe ich schon im alltag. ich bin abgeschrieben, sobald ida in der nähe ist.
und mal ehrlich ich könnte mich den ganzen tag mit ihm befassen und trotzdem ist mein horizont ja auch nur beschränkt. ich bin mir sicher, daß es ihm ganz und gar nicht schaden wird.
ich finde es muß halt einfach für alle beteiligten passen, wären meine kinder im verhalten anders, vielleicht zurückhaltender oder schüchterner oder sehr auf mich fixiert, bestimmt würde ich es anders machen. aber für unsere kinder ist es von anfang an das richtige gewesen. (ida war ja auch damals schon bei meiner mutter, während ich wieder arbeiten ging)
ich sehe dich bestimmt nicht als altbacken oder rückständig lieber micha, aber man kann jegliche gefühls- und situationswelten halt nicht über einen kamm scheren. ;-)
Meine Kinder wurden mit 1 Jahr bzw. 6 Monaten erstmals fremdbetreut. Mir war auch schon vor den Schwangerschaften klar, dass ich danach wieder arbeiten werde. Erst nur teilweise, so dass es ohne Fremdbetreuung ging und später wieder voll.
Trotzdem haben meine Kinder nicht den Stellenwert eines Hobbys oder Berufs. Meine Kinder oder besser gesagt meine Familie ist mir das wichtigste. Ich habe beide Jungs ein halbes Jahr voll und bis zum 1. Geburtstag teilweise gestillt – trotz Fremdbetreuung und Arbeiten. Wenn eines der Kinder krank ist, bin ich selbstverständlich mit ihnen zuhause, klappere notfalls Ärzte ab, pflege sie, schlafe nicht.
Ich finde, Ihr urteilt pauschal – viel zu pauschal. Und was ist am Begriff Krippe überhaupt so schlecht? Jesus hat in einer Krippe gelegen!
Nur weil Eltern ihre Kinder im Alter von unter 3 Jahren in die Fremdbetreuung geben, heißt es doch nicht, dass sie ihnen nicht wichtig sind! Beide meiner Schwangerschaften waren mit lebensbedrohlichen Momenten für mich verbunden – ich habe es durchgestanden, habe bestimmte Medikamente, die hätten helfen können, abgelehnt, da sie nicht genug erprobt waren und habe unendlich gelitten. FÜR meine Kinder.
Viele Eltern machen sich so wie wir ganz genaue Gedanken von der Fremdbetreuung, in die sie das Kind geben. Ich hab mir damals beim Großen 5 oder 6 Tagesmütter angesehen, bis ich die richtige gefunden hatte. Ich hab mich in der Kinderkrippe als Elternbeirat engagiert, damit ich nah dran war und meine Kinder merkten, dass die Krippe auch für mich ein Lebensbestandteil ist.
Wie kommt Ihr auf die Idee, dass wir unsere Kinder “abschieben”? Ich schiebe mein Kind nicht durch die Krippentür. Es läuft gern selbst hinein, erzählt abends von seinen Freunden und den Bastelerlebnissen, die ich ihm nie bieten können würde.
Ich liebe meine Kinder abgöttisch, aber ich liebe auch mein Leben und meine Familie. Würde ich nicht arbeiten, wäre unsere Ehe alles andere als glücklich. Nur durch das gemeinsame Schultern der Unternehmerbelastung können wir uns gegenseitig helfen, wertschätzen was der andere leistet und auch der Papa hat nur so die Möglichkeit, auch Zeit mit seinen Kinder zu verbringen. Würde ich unseren Kleinen ganztägig zuhause haben und nicht arbeiten, würden die Kinder ihren Vater nicht zu Gesicht bekommen. Aber das ist nicht mal der Hauptgrund fürs Arbeiten: ich will arbeiten. Warum? Das kann ich nicht mal genau sagen. Das hat nichts mit Selbstverwirklichung zu tun – ich kann mich genauso über Sport und Lob für das Verhalten meiner Kinder definieren. Und ganz ehrlich: es geht auch niemanden etwas an, warum ich arbeite. Es gibt nur eine Punkt, in dem ich mich von Fremden verurteilen lassen würde für unser Lebensmodell: Wenn unsere Kinder unglücklich wären. Aber das sind sie nicht.
Ich könnte schreiben, dass Eltern, die drei Jahre und mehr rein für die Kinder zuhause bleiben, diese zu sehr als Lebensmittelpunkt ansehen und zu sehr klammern, den Kindern keinen Freiraum lassen. Aber das tue nicht, denn das wäre eine pauschale Verurteilung und würde ganz sicher nicht der Vielzahl der Familien mit diesem Lebensmodell gerecht. Aber genauso sehr halte ich eine pauschale Be- oder Verurteilung anderer Lebensmodelle für fair. Ihr lebt nicht in einer solchen Situation. Wie wollt Ihr sie dann beurteilen können?
Frau Kaanu schrieb genau das, was ich dachte. Ich brauchs wohl kein zweites Mal zu schreiben, bis auf: die Pauschalisierungen mancher Autoren hier finde ich wirklich gruselig.
Ich kann mich nur Kaanu anschliessen (nur, dass ich keine Unternehmerin bin ;- ) und die Kinder nicht zu einer Tagesmutter, sondern von Anfang an in die Krippe gingen.)
Und Vollzeit wäre mir zuviel, solange die beiden noch nicht in der Schule sind.
Ich finde es übrigens ganz schlimm, dass in der öffentlichen Wahrnehmung oft die armen Mütter, die ja arbeiten müssen, noch mehr Verständnis ernten als diejenigen, die gerne arbeiten, weil sie lange darauf hingearbeitet haben, genau diesen Job zu machen. Und nein, ich hätte nach drei (oder mit zwei Kindern noch länger) Elternzeit nicht diesen meinen Job wieder machen können, da wäre ich einfach raus gewesen. Und die insgesamt 9 Jahre Studium und Promotion, die mir der deutsche Steuerzahler ermöglicht hat, wären für die Katz gewesen….
Ich habe unseren Großen mit zwei das erste Mal in den Kindergarten gebracht, für zwei Tage die Woche. Das wird bis zum dritten Geburtstag im Januar immer mehr gesteigert. Ich habe ihn nicht gebracht, weil ich arbeiten gehen wollte (was ich nicht muß und mittlerweile auch nicht tue), sondern damit er nicht ständig nur um seine Mutter und andere Erwachsene herum ist, sondern auch Kontakt zu anderen Kindern in seinem Alter hat. Und es tut ihm sehr gut und er geht immer gerne und ist oft traurig, wenn er mal nicht gehen kann, weil er vielleicht krank ist oder der Kiga zu hat.
Mindestens einmal die Woche ist er auch bei seiner Oma, die er abgöttisch liebt.
Es tut ihm und auch mir gut, zwischendurch mal den anderen nicht zu sehen und mal gegenseitig Luft holen zu können.
Ich finde es sehr gut, daß jan lernt, daß woanders andere Spielregeln gelten. Daß er bei der Oma Dinge tun darf, die es zu Hause nicht gibt, daß er sich zu Hause auch einsauen darf, im Kiga immer Matschhosen angezogen werden müssen. Daß Oma in vielen Dingen großzügiger ist, bei uns dafür das Sofa als Trampolin benutzt werden darf. Auch zuhause gibtes verschiedene Spielregelen. Der Papa macht auch Manches anders als ich. Und das ist gut so!
In der Schule und im Beruf werden später auch andere Regeln gelten, als in der eigenen Familie. Und Kinder begreifen das sehr sehr schnell. Und lieben dieses Unterschiede.
Mir sind die einige Äußerungen zu pauschal. Und außerdem, was sagen denn bitte schon Studien aus?? Kommt doch immer darauf an, wie die Fragestellungen lauten.
Ich habe viele Jahre in der Jugendhilfe gearbeitet. Die Kids, die bei uns waren, hatten massive Verhaltensauffälligkeiten und Bindungsstörungen. Die Eltern dieser Kids arbeiteten meist nicht, als die Kinder im Kleinkindalter waren!
Wie schön zu erfahren, dass Kinder, deren Eltern im Kleinkindalter nicht arbeiten waren, massive Verhaltensauffälligkeiten und Bindungsstörungen aufweisen. Da weiß ich ja schon ganz genau, was Hannah später mal so werden wird: verhaltensauffällig und bindungsgestört
Nur mal so, von wegen Pauschalierung und “über einen Kamm scheren”.
Aber egal! Es ist schön zu lesen, was ihr alle so schreibt und ich komme mir mittlerweile wirklich wie ein Heimchen am Herd und eine Überglucke vor. Hannah ist seit Oktober im Kindi und wird im November drei. Vorher war sie zuhause: bei Mama, bei Oma, bei ihrer Tante und in seltenen Fällen auch mal bei meiner Freundin. Und ich fühle mich nicht blöd dabei, sondern sehr gut. Weil ich nach wie vor ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich sie im Kindi abliefere oder mit ihrer Oma gehen lassen. Nicht, weil sie nicht gerne geht oder gar bindungsgestört ist: NEIN, Hannah steht morgens um sieben mit dem Schlafanzug an der Türe und will unbedingt in den Kindi. Wenn ihre Oma vor der Türe steht, springt sie mit Socken los und will gleich gehen. Aber vielleicht ist das ja auch nur eine Flucht vor ihrer “Übermutter”?! Wobei ich das sicherlich nicht bin, eine Übermutter: Hannah ist weder verwöhnt, noch verhätschelt. Es fühlt sich für mich einfach nur beschissen an, wenn ich mein Kind hergeben muss. Seit ihrer Geburt ist das so und es wird sich auch nach 2 Jahren Kindi sicherlich nicht ändern! Ich habe sie 9 Monate in mir getragen und zuhause auf die Welt gebracht, sie ist MEIN Kind und das wertvollste was ich habe. Es hätte mir das Herz gebrochen, sie mit 6, oder 10, oder 15 Monaten wegzugeben.
Ich bin gerne altmodisch und ich stehe dazu! Hannah hat sich die letzten 2 Monate zuhause sicherlich gelangweilt und darum lass ich sie leichteren Herzens in den Kindi gehen. Es tut mir zwar jeden Morgen weh, aber die Flügel die sie jetzt braucht, die bekommt sie. Aber vorher ist es wichtig, ihr Wurzeln zu vermitteln. Und ich hoffe sehr, dass wir das getan haben. Auf unsere Weise und auf unserem Weg. Sollte sie dadurch bindungsgestört oder verhaltensgestört werden, dann frag ich mich, warum die Kinder vor 20 Jahren das nicht auch waren. Damals gab es nämlich Kinderkrippen o.ä. nicht. Damals waren die Kinder zuhause oder bei Oma…komisch…diese Kinder von damals sind die Erwachsenen von heute. Ist irgendjemand von den Kommentatoren bindungsgestört oder verhaltensauffällig???
Eins noch: warum werden vom Staat eigentlich 3 Jahre Erziehungszeit ermöglicht?
Was bringt es mir, wenn ich diese 3 Jahre in meines Kindes 6. Lebensjahr nehme und die wichtige Zeit von 0-3 beim Arbeiten bin?
Mein Kind ist doch nur einmal so klein. Je älter sie werden umso selbständiger werden sie und umso weniger brauchen sie die Eltern. Wenn mein Kind in die Schule geht, muss ich nicht mehr zwingend zuhause sein, oder?!
@Katrin
Ich halte mich weder für bindungsgestört noch verhaltensauffällig und dabei bin ich in der DDR aufgewachsen und habe seit meinem ersten Lebensjahr eine Kinderkrippe besucht, deren Betreuungsqualität nicht mal mit den heutigen vergleichbar ist. ;-)
Ihr braucht Euch nicht zu rechtfertigen – warum auch – soll doch jeder leben, wie es ihn glücklich macht. Hier verurteilt Euch niemand für Euer Lebensmodell sondern nur dafür, dass Ihr das unsrige verurteilt ohne es wirklich zu kennen.
Und bezüglich der ermöglichten Erziehungszeit durch den Staat: nur weil er es ermöglicht, muss es nicht die maßgebend richtige und einzige Lösung sein. Unser Staat ermöglicht auch, dass Firmen Kurzarbeit bezahlt wird, obwohl die Auftragsbücher voll sind und Gewinne geschrieben werden.
Katrin, niemand hier verurteilt Eure Entscheidung, dass Du zu Hause gebleiben bist die ganze Zeit und genau darum geht es hier. Ich find es einfach schade, dass beide “Seiten” sich hier rechtfertigen müssen für etwas, was letztendlich eine Entscheidung innerhalb einer Familie ist. Ein Entscheidung, die sicherlich auch in jeder Familie überlegt und abgewägt wird.
Der Punkt ist doch, dass Ihr pauschal das andere Lebensmodell einer arbeitenden Mutter so hart verurteilt, obwohl es dafür EBENSO VIELE positive wie negative Beispiele gibt, als wenn eine Mutter die ersten Jahre komplett zu Hause bleibt. Es mag sein, dass Euch in Eurer Umgebung mehr schlechte Beispiele begegnet sind, aber deswegen MUSS das doch nicht überall so sein. Was die Mütter hier vor mir schreiben, zeigt doch schon, dass man es eben nicht ganz so eingleisig sehen kann, denn dort funktioniert “der andere Weg” offenbar ebenso gut.
@Katrin
Eins muss ich noch kurz zitieren: “Wie schön zu erfahren, dass Kinder, deren Eltern im Kleinkindalter nicht arbeiten waren, massive Verhaltensauffälligkeiten und Bindungsstörungen aufweisen. Da weiß ich ja schon ganz genau, was Hannah später mal so werden wird: verhaltensauffällig und bindungsgestört Nur mal so, von wegen Pauschalierung und “über einen Kamm scheren”.”
Niemand hat hier geschrieben, “dass Kinder, deren Eltern im Kleinkindalter nicht arbeiten waren, massive Verhaltensauffälligkeiten und Bindungsstörungen aufweisen” – Frau Rebenwanderins Worte waren “Ich habe viele Jahre in der Jugendhilfe gearbeitet. Die Kids, die bei uns waren, hatten massive Verhaltensauffälligkeiten und Bindungsstörungen. Die Eltern dieser Kids arbeiteten meist nicht, als die Kinder im Kleinkindalter waren!” Da steht kein alle, kein generell, kein immer. Sie gibt eine Erfahrung wieder, die sie gemacht hat – nichts anderes. Mit keinem Ton sagt sie, dass es eine Kausalität gibt, zwischen zuhause bleiben und verhaltensgestörten Kindern. Sie führt eher einen Beweis an, dass nicht grundsätzlich die Kinder früh fremdbetreuten Kinder die verhaltensgestörten sind um Euch vor Augen zu führen, dass Ihr zu pauschal urteilt.
Hach, klingt das alles schön einfach und unproblematisch: Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Jeder soll einfach alles tolerieren, dann gibt es keine Probleme. Nur leider ist mir das viel zu kurz gesprungen und verwischt den Kern meines Beitrags hier!
Selbst wenn die neue Abschiebementalität den Kindern keinen Schaden zufügt, so heißt das noch lange nicht, dass dieser junge Trend richtig ist. In den Siebzigerjahren kam der Trend auf, Väter von der Geburt ihres Kindes auszuschließen. Sie mussten auf dunklen Krankenhausfluren warten, bis die Schwester mit dem Häubchen daherkam und die frohe Nachricht überbrachte. Das war besser so, weil das einfach hygienischer war und die Frauen für sich waren. Keine Frage: Jeder schlägt darüber heute die Hände überm Kopf zusammen. Aber es war ein allseits anerkannter Trend, dem jeder blind folgte. Niemand wagte sich, dagegen anzurennen und zu sagen: “Nein, ich will dabei sein! Das ist unser Kind!”
Das ist nur ein Beispiel von vielen Trends, die es mal gab und die allesamt wieder in der Versenkung verschwunden sind. Es ist wirklich unglaublich, aber in grauer Steinzeit haben Menschen doch tatsächlich ohne Kreißsaal und nur zu zweit als Eltern Kinder zur Welt gebracht. Das klappte zumindest so gut, dass wir alle hier heute durch die Gegend rennen und nicht ausgestorben sind. Damals gab es noch nicht einmal Krippen, aus denen Tieren fraßen – geschweige denn Tagesmütter. Irgendwie hat das funktioniert. Unfassbar!
Und hier heißt es nun also, dass das Abschieben von Kindern legitim und okay wäre. Dagegen lehne ich mich deshalb so hartnäckig auf, weil eine alles andere als triviale Grundaussage dahintersteckt – und die wurde hier in der Diskussion auch schon wort-wörtlich widergegeben. Man muss da nicht mal zwischen den Zeilen lesen: “Ich liebe meine Kinder abgöttisch, aber ich liebe auch mein Leben…” Das klingt wie: “Ich liebe meine Gesundheit, aber ich liebe auch das Kettenrauchen…” Umgekehrt wird schließlich ein Schuh draus: Man kann das Leben offensichtlich nur uneingeschränkt genießen, wenn man nicht dauernd Kinder an der Backe hat.
Natürlich ist mir klar, dass nicht alle zu Rabenmüttern mutiert sind und deren Kinder ihnen am Arsch vorbeigeht. Aber ich halte es in einer Zeit, in der jeder alles kann und darf, für umso wichtiger – gerade Säuglingen und Kleinkindern – Halt, Konstanz und Nähe zu vermitteln. Was früher das Überleben sicherte, wird heute mit Füßen getreten: Familiäres Zusammenleben und Nähe! Heute wird das familiäre Leben davon geprägt, zu welchen Zeiten Kindertagesstätten geöffnet haben, wie diese mit den Arbeitszeiten der Eltern zu vereinbaren sind und wer wann wen abholt und übergibt. Mir treibt es vor lauter Rührung die Tränen in die Augen, wenn mütterliche Fürsorge bedeutet, dass man fünf oder sechs Tagesmütter abklappert, bis “die Richtige” dabei ist, zu der man das Kind guten Gewissens abschieben kann. Das widerstrebt meinem zutiefst verinnerlichten Gefühl von familiärer Harmonie. Das geht einfach nicht! Sowohl aus moralisch, ethischer Sicht, als auch aus ganz pragmatischen Gründen: Warum wird die Abschiebementalität heutzutage finanziell gefördert, während die “klassische” Familie leer ausgeht? Klar, weil unser Staat (und damit letztlich der Steuerzahler) Firmen die Kurzarbeit ermöglicht, auch wenn die Auftragsbücher voll sind! Genauso finanziert der Steuerzahler ein neunjähriges Studium, um dann gleich im Anschluss daran, Mutterschutz und Kinderunterbringung mitzubezahlen. Unsereins hingegen ist so rückständig und hat bei der Geburt des ersten Kindes schon rund zehn Jahre gearbeitet und kräftig Steuern bezahlt.
Nochmal: Ich bin nicht derjenige, der Frauen an den Herd ketten und Kinder niemals aus den wohlbehüteten Gluckenflügeln entlassen will. Ich sage ja nicht, dass Kinder erst dann ins Leben entlassen werden sollten, wenn das erste Haar im Schambereich sprießt. Aber muss die Loslösung so früh beginnen? Heutzutage lernen Kinder schon Rechnen, obwohl sie noch nicht mal alle Zahlen schreiben können. Die moderne, liberale Erziehung macht Kinder zu kleinen Erwachsenen und lässt sie nicht mehr Kind sein. All das sind Trends, die althergebrachte Überzeugungen durchbrechen und aus überzogener Toleranz alle Werte über Bord werfen. Natürlich schadet das Kindern nicht zwangsläufig. Aber alle sehen es mit Besorgnis, dass beispielsweise die Sexualität heutzutage schon mit 10 oder 12 ausgetestet wird. In dem Alter habe ich noch mit Lego nette Häuschen gebaut! Vielleicht bin ich deshalb heutzutage so engstirnig? Jedenfalls ist es nur logisch, dass eine zu frühe Loslösung, entsprechend frühere Reifungsprozesse eher fördert als behindert. Immerhin müssen sich die Kleinen schon sehr früh selbst zurechtfinden – wenn auch nur stundenweise.
Ein Wort noch zum etwas verunglückten Vergleich mit den Erfahrungen aus der Jugendhilfe: Folgt man diesem Denkmuster in anderen Fällen muss man feststellen, dass es gesünder ist, jeden Tag drei Flaschen Schnaps zu trinken, weil in Wasser ja Legionellen sein könnten.
Sprachlos.
gelesen.
:o
ich mach jetzt etwas, was ich noch nie gemacht habe und ich entschuldige mich einfach auch jetzt schon, dass es euren blog erwischt aber –
sagt mal habt ihr sie noch!? was für ein unfassbar angrifflustiger, verurteilender, in keinster weise reflektierter und unsolidarischer beitrag! und wie seltsam, dass ich heute genau das thema schlechtes gewissen in meinem blog hatte….weil ich arbeite und spass habe dabei. ich rabenmutter, ich. haben wir frauen eigentlich nichts besseres zu tun, als uns gegenseitig in die kerbe des schlechten gewissens zu hauen? stand schon mal irgendwo in einem der blogs der mütter die arbeiten (kaanu/rebenwanderin/brüllen/ami) auch nur ein einziger derart angriffslustiger, verurteilender, in keinster weise reflektierter und unsolidarischer beitrag über mütter die NICHT arbeiten? nein. und warum? weil frau weiss: jede muss nach ihrer fasson seelig werden. keine kann beurteilen, was für welches kind besser ist. keine. ich nicht, ob es euren kindern gut tut NICHT fremdbetreut zu sein, ihr nicht, ob es meinen kindern NICHT gut fremdbetreut zu sein. ich finde es gibt spezifische frauenthemen, die müssen diskutiert werden, aber nicht auf der ebene des angriffs. man darf dazu gerne seine meinung haben, aber ich finde bei gott im eltern-kind universum gibt es mehr zwischen himmel und erde als diesen so verdammt unnötigen bldösinnscontent, der IMMER IMMER nur dazu führt, dass sich alle nicht verstehen. was soll das!? muss ich mich so angreifen lassen, weil ich etwas tue, was ihr eben nicht tut?
entschuldigt. eins der themen, die ich so unfassbar und umfassend satt habe, dass mir nun halt mal kurz der kragen geplatzt ist. und aus.
Die Frage ist doch eindeutig, wieviel “Rockzipfel” ist für ein Kind genug. Diese Frage ist doch ebensowenig zu pauschalisieren, wie die, wielange eine Mutter nach der Geburt bei ihrem Kind verbleiben mag, ohne ihrem Job wieder nachzugehen. Ich habe schon in Blogs gelesen bevor die Kinder geboren wurde, daß Mütter volle Elternzeit von 36 Monaten beanspruchen wollen und Mütter “verurteilten”, die in kürzerer Zeit wieder arbeiten gingen. Ersteren fällt quasi heute, wenige Monate nach der Geburt die Decke auf den Kopf, weil sie sich nur noch mit Thema Kind beschäftigen (müssen?).
Ich wollt eigentlich gar nix dazu schreiben, weil mir da irgendwie die Galle hochkocht…Ich bin Mutter einer mittlerweile 12 Jährigen. Sie hat definitiv keine Schaden davon getragen mit 12 Monaten in eine Einrichtung zu gehen, in der sie mehrere Stunden mit Gleichaltrigen zusammen war. Aber ich kenne einen akuten Fall aus ihrer Grundschulzeit. Dort war ein Junge (pummelig gefüttert von 6 Jahren auschließlichem Mutterglück), der mit der Schulsituation gar nicht umgehen konnte. Sobald Mama außer Sichtweite war, war “Holland in Not” und die Heulschleusen wurde geöffnet.
Wo ist denn Euer “Problem”, wenn Hannah gerne in den Kindergarten geht?
Wie gesagt, ich seh das alles etwas entspannter, weil ich die Phase Kindergarten pro und contra lange hinter mir habe.
Also so einfach, wie es hier gemacht wird, ist es ja nun wirklich nicht! Mit etwas Phantasie könnte man unseren Beiträgen auch entnehmen, dass wir unser Kind einsperren, damit sie bloß nicht Kontakt zur Außenwelt bekommt. Das ist doch – mit Verlaub – einzig und allein Indiz dafür, dass nur oberflächlich gelesen wurde.
Wir sind stolz darauf, dass Hannah gerne in den Kindergarten geht. Im Gegenteil: Sie darf und soll so oft und so lange gehen, wie sie nur will. Davon war hier nie die Rede. Hannah ist auch nicht wirklich pummelig, sieht (je nach Laune) in ihrer Mutter nicht nur das bloße Glück und wo Holland liegt, ahnt sie noch nicht einmal. Worum es hier ging und geht, ist der Trend, seine Kinder immer noch früher wegzugeben… in Krippen und zu Tagesmüttern – also teils lange, bevor der Kindergarten überhaupt eine Rolle spielt. Wo soll das hinführen? Dass man irgendwann den frisch entbundenen Säugling gleich mal zu Gleichaltrigen steckt, damit er sich im heillosen Brüllen mit seinesgleichen messen kann und damit die Mutter schnellstmöglich wieder in den Beruf zurückkehrt? Was ist so schlimm an der Nähe zu den Eltern (hier ist bewußt NICHT ausschließlich von der Mutter die Rede!)? In einer Zeit, in der alles noch schneller vonstatten geht als es je der Fall war, sind doch Wurzeln für Kinder umso wichtiger, damit sie später ihre Flügel entwickeln können. Wie kann man diese naturgegebenen Tatsachen einfach beiseite schieben?
@Micha
Wow. erst sind mir zu den verschiedenen angerissenen Themen noch Entgegnungen eingefallen wie: “Wo habe ich gesagt, dass ich nach dem Studium sofort schwanger geworden bin?” und “Mittlerweile zahlt mir der deutsche Staat überhaupt nichts mehr, weil wir ausgewandert sind” und “Wenn Sie schon so auf dem vom deutschen Staat ermöglichten Dreijahresmodell rumreiten, dann schauen Sie mal in andere Länder. Da heisst es nicht Drei Jahre sondern 14 Wochen” und “hierhierhier, meine Mutter war zu Hause, bis ich 23 war (und selber schon lang nicht mehr zu Hause) und ich bin zwar nicht bindungsgestört, aber das Verhältnis zu meinen Eltern ist mehr als gestört”, aber ehrlich, in der Summe ist das hier keine einzige Erwiderung wert.
Frau Brüllen, dafür, dass sie inzwischen im Ausland leben, stellen Sie den Deutschen Staat beängstigend stark in den Vordergrund. Ob unsere (deutschen) Politiker ein Dreijahres- oder ein Vierzehnwochenmodell anbieten, ist mir genauso egal, wie wenn Frau von der Leyen all jene bevorteilt, die das Kind schnellstmöglich außer Haus geben. “Unsere” Dreijahresvorstellung stammt nicht von irgendwelchen staatlichen Regelungen, sondern von dem Gefühl guten Gewissens zu sagen: Jetzt ist es Zeit für das Kind zu neuen Ufern aufzubrechen. Menschen wie unsere Eltern und deren Eltern waren doch keine Idioten! Über Generationen hinweg kamen Kinder mit etwa drei Jahren in den Kindergarten. Wer seinen Nachwuchs beobachtet und um sich hat, merkt, dass da etwas passiert. Also sind diese “drei Jahre” alles andere als rein zufällig gewählt! DREI Jahre, nicht 23! Aber das wirft die sicherlich interessante Frage auf, warum heutzutage immer mehr Jugendliche immer später von zu Hause ausziehen, wo sie doch so früh zur Selbstständigkeit und zum sozialen Kontakt erzogen wurden…
Übrigens danke, Frau Brüllen, dass Sie trotz “der Summe” letztlich doch eine Erwiderung hinterlassen haben und Sie die Diskussion durch Ihren Beitrag bereichern… Und das meine ich weder zynisch, noch ironisch – auch wenn Sie es nicht glauben werden.
Ein bißchen spät mein Kommentar, aber ich bin erst jetzt drauf gestoßen und da hier bestimmte Dinge noch nicht erwähnt wurden, ergänze ich mal ein bißchen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kindergarten#Geschichte
Die Kindergarten-Idee stammt aus dem 19.Jhd. – so furchtbar viele Generationen vorher haben also noch gar nicht in Kindergärten ihr Kleinkind-Alter verbracht. Zuvor lebten die Kinder neben ihren zum Beispiel als Bauern oder Handwerker arbeitenden Eltern her, beaufsichtigten sich gegenseitig oder wurden von Großeltern, Nachbarn etc. mit einem Auge bei ihren täglichen Aufgaben bedacht. Diese Kinder wurden tatsächlich schon sehr viel früher erwachsen als unsere heutigen… Es gibt da ja auch so dustere Kapitel wie Kinderarbeit auch hier in Europa und sogar in Deutschland…
Der von Frau Brüllen empfohlene Blick ins Ausland ist auch nicht so verkehrt. Wir lebten bis letztes Jahr für ganze drei Jahre in Brasilien. Dort arbeitet “frau” bis zur Geburt und hat danach gerade einmal 8 Wochen Mutterschutz. Egal in welcher Schicht die Frauen gehen danach in der Regel direkt wieder arbeiten, alle aus finanziellen Gründen. Die Kinder der unteren Schichten beaufsichtigen sich entweder gegenseitig auf der Straße oder werden von älteren Nachbarn beaufsichtigt, die Kinder ab ungefähr Mittelschicht haben Kindermädchen oder die Großeltern. Dort gibt es andere “Probleme” mit den Kindern, aber die Pubertierenden z.B. lehnen sich nie so stark gegen ihre Eltern auf, wie es die im selben Alter hier in Deutschland tun. Es herrscht mehr Respekt im Umgang miteinander. Ich habe das Gefühl, weil es für die brasilianischen Jugendlichen immer etwas “Besonderes” darstellt, wenn die Eltern Zeit haben. Diese Zeit ist zu schade um mit den Eltern zu streiten bzw. einfach sehr wertvoll.