Es gibt immer wieder Momente im Leben, in denen man sprachlos ist. Meist aus Wut oder Fassungslosigkeit, manchmal aber auch, weil man gerührt ist. Heute habe ich – völlig unerwartet – den sprachlosesten Moment seit sehr, sehr langer Zeit erlebt. Selbst jetzt noch, Stunden danach, lässt er mich nicht los und zaubert einen verdammt dicken Kloß in den Hals.
Als ich heute im Büro saß, klingelte das Telefon und Katrin wollte kurz ein paar Dinge mit mir abklären. Schließlich fragte ich, wie so oft, ob Hannah in der Nähe wäre – einfach, um ihr kurz “Hallo” zu sagen. Im Hintergrund hörte ich schon ihre Stimme, die unmissverständlich zum Ausdruck brachte, dass sie den Papi gern sprechen würde. Schließlich überreichte Katrin der kleinen Maus den Hörer und ließ uns kurz allein. Völlig unerwartet und mit einer erschreckend rührseeligen und aufrichtigen Stimme schleuderte sie mir entgegen:
Babi, ich hab Dich heut schon ganz doll vermisst.
Ich war geplättet… sprachlos… unfähig irgendwas zu sagen. Hannah plappert zur Zeit vieles nach, was sie irgendwo aufschnappt, aber diesmal klang sie so ernst und klar. Sie meinte jedes einzelne Wort so, wie sie es sagte. So etwas “Tiefes” und Emotionales hat sie noch nie so klar und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Umso mehr stand mir der Mund offen. Sie scheint mit ihren feinen Antennen längst bemerkt zu haben, dass die nächsten Wochen aufgrund beruflicher Umstände nicht einfach für unsere kleine Familie werden. Vielleicht ist es ihre Art zu zeigen, dass auch sie an diesen bevorstehenden Herausforderungen teilnimmt. Und sie wird spüren, dass ich sie auch sehr oft vermisse – einfach, weil ich nicht dann bei ihr sein kann, wenn mir danach ist.
Hannahs “Babi” scheint ein furchtbarer Gefühlsdusel zu sein. Aber viel zu schnell verrinnt die Zeit und aus Kindern werden Leute. Hannah hat mir heute auf ihre ganz eigene Art gezeigt, wie nah sie mir ist – auch dann, wenn wir, jeder für sich, dem eigenen Alltag nachgehen. Sie ist da, immer und überall und das ist ein furchtbar schönes Gefühl und gerade in schwierigen Zeiten ein trostspendender Gedanke. Dafür hab ich sie umso mehr lieb – die kleine Nudel.
Letzte Kommentare