Eigentlich bin ich hauptberuflich 24-Stunden-Servicekraft in einer 4 Zimmerwohnung in Engstingen. Seit November arbeite ich jedoch wieder stundenweise in meinem alten Job als Verwaltungsangestellte. Diese Woche habe ich meinen ersten Lohnzettel seit 3 Jahren erhalten. Er war natürlich nicht so üppig wie noch vor 3 Jahren, aber doch recht ansehnlich :-) und es ist schon auch ein gutes Gefühl, endlich wieder ein bisschen Geld zu verdienen. Werde es gleich in guter Lektüre verpulvern
Geraldine ist Hannahs neue Freundin. Sie hat Geraldine fast so lieb wie ihren Knopf. Geraldine muss überall mit hin und leider wurde Geraldine aufgrund ihrer geringen Größe schon des Öfteren verloren (zum Glück jedoch immer wiedergefunden).
Wer ist Geraldine?
Geraldine ist eine kleine, aus grauer Wolle gehäckelte, Fingerpuppen-Maus. Genau passend auf Hannahs kleine Finger.
Warum heißt das Ding ausgerechnet Geraldine?
Hannahs neues Lieblingsbuch heißt “Frederick und seine Mausefreunde” (von Leo Leonni). Und darin gibt es eine Geschichte, die erzählt von Geraldine.
So kann man auch mit kleinen Sachen Kindern eine Freude machen

Nachfolgende Situation hat mich wirklich zu Tränen gerührt:
Hannah saß in ihrem Zimmer, umringt von ihren Stofftieren und sang:
Bim-Bam-Bum, die Zeit ist um. Der Kindergarten ist aus. Wir geh´n nach Haus!
Dann sprang sie auf und winkte: “Tschüüüüüß!”. Ich hab sie gefragt, was sie denn grad macht. Ihre Antwort hat mein Herz berührt: “Mama, ich sitz im Stuhlkreis und sing das Abschlußlied!”. Als ich dann weinend in der Türe stand ist sie losgeflitzt und hat mir ein Taschentuch gebracht mit den Worten: “Jetzt sag mir mal, was los ist… Was ist denn passiert?”
Es ist wirklich erstaunlich für mich wie sie alles abspeichert.

Zwei Dinge von bleibendem Wert soll man seinen Kindern mitgeben:
Wurzel und Flügel.
3 Jahre lang haben wir Hannah unsere Wurzeln vermittelt: Geborgenheit, Liebe, Familie. Ab heute bekommt sie zu diesen Wurzeln ihre Flügel. Sie hat nämlich ihren ersten Kindergartentag!
Vielleicht klingt es pathetisch, aber ab heute wird es für uns nicht mehr so sein wie bisher. Hannah wird lernen (müssen) sich gegen Gleichaltrige durchzusetzen, sie wird sich von anderen als von Mama, Oma oder Papa trösten lassen. Sie wird aber auch endlich mit anderen Kindern nach Herzenslust springen und toben können!
Wir wünschen der kleinen Maus viel Spaß im Kindergarten, viele tolle Erfahrungen, manche Enttäuschung (denn die gehört auch dazu) und dass sie nie ihre Wurzeln vergisst und ihre Flügel zu nutzen weiß.
Folgende Szene soll sich tatsächlich so zugetragen haben:
Später Abend. Polizeikontrolle. Ein Auto wird herausgewunken und hält neben den Polizisten. Der Fahrer kurbelt die Scheibe herunter.
Fahrer: “Guten Abend, ich hätte gern bitte einen Big Mäc, sechs Chicken McNuggets mit Barbecuesoße und zwei Happy Meals. Als Geschenk nehme ich die rote Kelle und das kleine grüne Männchen da hinten.”
Polizist: “Aussteigen bitte!”
Köstlich! Ich könnte mich bepinkeln vor lachen! Vor allem auch deshalb, weil es wirklich keine frei erfundene Story ist!
Wie Katrin an anderer Stelle schon erzählte, ereilte uns Ende letzten Jahres kein schönes Schicksal. Unser zweites Baby, Hannahs Geschwisterchen, war nur wenige Gramm schwer und aus rein medizinischer Sicht nicht mehr als ein “Zellklumpen”. Eine Hand voll Leben, das lange vor der Geburt endete; so früh, dass das Kind nach deutschem Recht keinen Anspruch auf einen Namen, eine Geburts- und Sterbeurkunde besaß, nicht mal auf ein Grab. Im Herzen seiner Eltern wird das Kleine aber immer seinen Platz haben.
Erst viel zu spät haben wir erfahren, dass unser Baby nicht, wie vor einigen Jahren noch üblich, zusammen mit abgenommenen Raucherbeinen organischem Klinikabfall als Sondermüll entsorgt wurde, sondern auf dem Reutlinger Friedhof Römerschanze eine Ruhestätte gefunden hat. Die würdige Begräbnisstätte für die Allerkleinsten, zugleich ein Ort der Trauer und des Erinnerns für die verwaisten Eltern, ist unverständlicherweise nirgendwo ausgeschildert und für unwissende Eltern wie uns nur eher schwer zu finden. Unter uralten Bäumen am Südrand des Friedhofes ragt eine zunächst merkwürdig erscheinende Skulptur empor, die die Trauer der Eltern, die Lücke, die der Verlust des erwarteten Kindes reißt, aber auch die Hoffnung, die den Tod überwinden kann symbolisiert. Der Ort strahlt eine merkwürdige Ruhe und Gelassenheit aus, von der man sich unwillkürlich anstecken lässt. Vielleicht ist es aber auch einfach nur eine gewisse Art von Trost, die wir dort spürten. Immerhin gibt es nun plötzlich einen Bezugspunkt, einen versinnbildlichten Platz der Trauer und des Abschieds. Das was unserem Kind und uns vorenthalten wurde, nämlich ein Platz mitten im Leben, scheint nun wenigstens einen kleinen “Ersatz” gefunden zu haben. Das ist für Katrin wie für mich ein wichtiger Schritt in unserer insgeheim immer noch kaum verminderten Trauer.
Um ein Kind zu trauern, das man nie im Arm halten konnte – das ist nicht leicht. Loslassen, Abschied nehmen und ein Stück weit erleichtert nach Hause gehen – dabei soll der Gedenkplatz helfen. So war auch der symbolische Teil der Einweihungsfeierlichkeiten im Jahre 2004 zu verstehen: Jeder sollte einen Stein am Gedenkplatz niederlegen – und stattdessen eine Feder mitnehmen. Auch wir haben einen kleinen Gedenkstein vorbereitet, den wir dort ablegen werden – und stattdessen werden wir unsere imaginäre “Feder”, unser Baby mitnehmen… in uns… für immer.
Vor ein paar Wochen hab ich hier den Beitrag “Abschied nehmen dürfen” veröffentlicht. Darin ging es um das große Schweigen das herrscht, wenn eine Familie ein Kind während der Schwangerschaft verliert. Uns ging es so und ich wollte und will nicht schweigen. Durch Zufall hab ich von der Initiative “Glücklose Schwangerschaft” gehört und hab durch diese Initiative endlich einen Platz für meine Trauer gefunden. Ich habe aber noch mehr gefunden: der Seelsorger, mit dem ich damals telefonierte ist kein anderer als der Pfarrer, der mich einst konfirmiert hat :-)
Um mein Schweigen vollständig zu brechen, habe ich vor ein paar Tagen einen Brief an die Klinik geschrieben, in der damals die Ausschabung gemacht wurde. Ich hab all meinen Ärger und meine Wut über das “nicht-reden” reingepackt. Heute hat mich besagter Pfarrer angerufen und mir inständig für meinen Brief gedankt. Endlich hätte er etwas in Händen, womit er den Ärzten und der Klinikleitung klarmachen kann, dass es wichtig ist zu trauern und zu reden, dass es wichtig ist den Frauen zu sagen: es gibt einen Platz, euer Kind wird wahrgenommen und beerdigt! Auch wenn das Kind in Ärzteaugen nur ein Zellklumpen ist. Endlich kann auch er effektiver gegen das allgemeine Schweigen vorgehen.
Und es tut so gut! Es tut mir und vorallem meiner Seele so gut, endlich reden zu können und vorallem anderen damit auch noch zu helfen.
Die Moral von der Geschichte ist wohl folgende: macht das Maul auf, Leute! ;-)
Hallo Andrea,
nur für Dich: aktuelle Bilder von Hannah. Als Dankeschön für Deine Hilfe ;-)

- … wenn sie Hackfleischgerichte kocht, obwohl sie gehaktes Fleisch eklig findet.
- … wenn er morgens mal wieder zu spät dran ist und plötzlich die Klamotten für den Tag fein säuberlich auf dem Bett vorbereitet liegen.
- … wenn mitten im Arbeitsalltag plötzlich eine kleine, unscheinbare Mutmach-Mail im Postfach liegt.
- … wenn nach einem besonders stressigen, nervenaufreibenden Tag wie durch Zauberhand genügend “Beruhigungs-Bier” im Kühlschrank liegt.
- … wenn im Salat plötzlich Geflügelstreifen liegen.
- … wenn das heimische Büro wie von Heinzelmännchenhand aufgeräumt wurde.
- … wenn mitten in der Nacht plötzlich eine Hand auf seinem Bauch liegt.
- … wenn am Wochenende morgens stets der fertige Kaffee auf dem gedeckten Frühstückstisch steht und er wieder einmal fragt: “Ist schon alles drin?”
- … wenn er voller Glück und mit klopfendem Herzen das eigene Kind anschaut und in ihm sie wiedererkennt.
Spatzel, vielen Dank für alles, was Du tust, machst, werkelst und erledigst… “einfach so”. Hab Dich unsagbar lieb! ;)
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