Gedicht eines ewig Kranken
Wenn die Mandeln1 Stränge fleißig eitern,
und der Hals ist rötlich wund,
kann dich nichts so schnell aufheitern,
außer du wirst flugs gesund.
- Hab seit meinem zweiten Lebensjahr keine mehr ↩
Wenn die Mandeln1 Stränge fleißig eitern,
und der Hals ist rötlich wund,
kann dich nichts so schnell aufheitern,
außer du wirst flugs gesund.
Kinder sind ein nie enden wollender Quell der Freude
Im Kindergarten singen die Kinder jeden Tag dieses Lied, wenn sie die Kerzen am Adventskranz anzünden. Hannah singt es zuhause auch immer wieder. Und weil es so schön ist, schreib ich es jetzt hier auf:
Das Licht einer Kerze
ist im Advent erwacht.
Eine kleine Kerze
leuchtet durch die Nacht.Alle Menschen warten
hier und überall,
warten voller Hoffnung
auf das Kind im Stall.Wir zünden zwei Kerzen
jetzt am Adventskranz an.
Und beide Kerzen
sagen´s dann:Lasst uns alle hoffen
hier und überall,
hoffen voll Vertrauen
auf das Kind im Stall.Es leuchten drei Kerzen
so hell mit ihrem Licht,
Gott hält sein Versprechen.
Er vergisst uns nicht.Lasst uns ihm vertrauen
hier und überall.
Zeichen seiner Liebe
ist das Kind im Stall.Vier Kerzen hell erstrahlen
durch alle Dunkelheit.
Gott schenkt uns allen Frieden.
Macht euch jetzt bereit.Gott ist immer bei uns
hier und überall.
Darum lasst uns loben
unseren Herrn im Stall!
Vielleicht liegt es am bevorstehenden Weihnachtsfest, das ich Dank Hannah (die das Ganze zum ersten mal “so richtig” miterlebt) wieder ganz neu erlebe. Oder es liegt an der langen Krankheit, die hinter uns liegt und deren Ausläufer wir noch immer bewältigen müssen. Wer weiß, welche Einflüsse noch für die Gedanken verantwortlich sind, die mir derzeit durch den Kopf spuken.
Das zu Ende gehende Jahr stand für mich klar unter dem großen Begriff “Selbstbewußtsein”. Dieses Wort wird häufig, ja vermutlich zu oft bemüht und in den Mund genommen. Ich habe es im vergangenen Jahr ganz neu erlebt und vermutlich erst so richtig begriffen. “Selbstbewußtsein” bedeutet dem Wort nach ja nichts anderes, als sich selbst bewußt zu sein. Selbstbewußt ist demnach, wer sich selbst beobachtet, seinen Interessen folgt und sie vor allen Dingen auch nach außen vertritt. Das muss nicht zwangsläufig im Widerspruch zu den Interessen anderer stehen, tut es aber hin und wieder. Gerade wer in schwierigen Zeiten, in denen man mit seiner Meinung eher allein ist, Kurs hält und sich seiner selbst bewußt wird und bleibt, ist “selbstbewußt”. Das ist so wichtig, denn wie sagt der allseits bekannte Spruch: Nur tote Fische schwimmen mit der Strömung. Sich selber treu zu sein und sich mit einem guten Gefühl im Spiegel anschauen zu können, war und ist mein Ziel und bleibt mein Vorsatz… nicht nur für das neue Jahr.
Die Weihnachtsmaus
Die Weihnachtsmaus ist sonderbar.
(Sogar für die Gelehrten.)
Denn einmal nur im ganzen Jahr
entdeckt man ihre Fährten.Mit Fallen oder Rattengift
kann man die Maus nicht fangen.
Sie ist, was diesen Punkt betrifft,
noch nie ins Garn gegangen.Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage.
Doch plötzlich aus dem Loch heraus
kriecht sie am Weihnachtstage.Zum Beispiel war vom Festgebäck,
das Mutter gut verborgen,
mit einem Mal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.Das sagte jeder rundheraus:
“Ich habe nichts genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.”Ein andres Mal verschwand sogar
das Marzipan vom Peter,
was seltsam und erstaunlich war,
denn niemand fand es später.Der Christian rief rundheraus:
“Ich habe nichts genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.”Ein drittes Mal verschwand vom Baum,
an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum
nebst andren leckren Dingen.Die Nelly sagte rundheraus:
“Ich habe nichts genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.”Und Ernst und Hans und der Papa,
die riefen:” Welche Plage,
die böse Maus ist wieder da,
und just am Feiertage.”Nur Mutter sprach kein Klagewort.
Sie sagte unumwunden:
“Sind erst die Süßigkeiten fort,
ist auch die Maus verschwunden.”Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg,
sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck
gegessen und verzehrt war.Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus
- bei Fränzchen und bei Lieschen -
da gäb es keine Weihnachtsmaus,
dann zweifel ich ein bisschen.Doch sag ich nichts, was jemand kränkt.
Das könnte Euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen.© James Krüss
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott.
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.Rainer Maria Rilke
“Wer streut die Schneeflocken? Wer schmilzt das Eis?
Wer macht lautes Wetter? Wer macht es leis?
Wer bringt den Glücksklee im Juni heran?
Wer verdunkelt den Tag? Wer zündet die Mondlampe an?
Vier kleine Feldmäuse wie du und ich
wohnen im Himmel und denken an dich.
Die Erste ist die Frühlingsmaus, die lässt den Regen lachen.
Als Maler hat die Sommermaus die Blumen bunt zu machen.
Die Herbstmaus schickt mit Nuss und Weizen schöne Grüße.
Pantoffeln bringt die Wintermaus für ihre kalten Füße.
Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind vier Jahreszeiten.
Keine weniger und keine mehr. Vier verschiedene Fröhlichkeiten.”
Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.Váslav Havel
Mit diesen Worten verabschiedete sich die Familie von Robert Enke, dem Torhüter der Fußballnationalmannschaft, welcher sich in dieser Woche aufgrund von Depressionen das Leben nahm. Sie sind wahr, sie sind treffend, sie sind wunderschön und sie drücken mir einen dicken Kloß in den Hals…
Dieses Gedicht ist schon ein paar Jahre alt und ich weiß offengesagt nicht mehr, zu welchem Anlass ich es schrieb. Aber eines ist sicher: Keins meiner Werke passt besser zu dieser Jahreszeit als jenes:
Der Sommer macht sich wieder auf
Der Herbst zieht ein, nimmt seinen Lauf
Die Winde blasen übers Land
Ein Blatt fällt ab, streift meine Hand
Ich fang es auf und schau es an
Es zieht mein’ Blick in seinen Bann
Ich träume los und schrumpfe klein
Ich werde gleich ein Käfer sein
Dann klett’re ich auf’s kleine Blatt
Der Wind kommt auf, ich hebe ab
Mich treibt es hoch, flieg fort von hier
Ganz rasch und g’radewegs zu Dir.
Auf der Suche nach einem geeigneten Sprüchlein für die “Babykarte” an eine liebe Bekannte bin ich, mal wieder, über Reinhard Mey gestolpert. Der Text hat sich zwar als zu lange für eine Glückwunschkarte erwiesen
, aber mich dennoch zu mehr als einer Träne bewegt:
Die erste Stunde
Solange wie ich leben mag
Werd ich die Stunde und den Tag
Den Augenblick vor Augen haben
Da sie dich mir winzig und warm
Zum erstenmal in meinem Arm
Und in mein Herz zu schließen gaben
Für einen Augenblick lang
War mir das Geheimnis offenbart
Warst du Antwort auf alle Fragen
Vom Sinn und Widersinn der Welt
Der Hoffnung die uns aufrecht hält
Trotz all den Mühen die wir ertragen
Kein Dutzend Atemzüge alt
Und hattest doch so viel Gewalt
Und alle Macht über mein Leben
Solang schon deinen Platz darin
Und du vermochtest ihm den Sinn
Zu nehmen oder neu zu geben
Noch nie zuvor im Leben war
Mir unsere Ohnmacht so klar
Wir können nur hoffen und bangen
Da stehen wir hilflos herum
Und taugen zu nichts als nur stumm
Dies Geschenk dankbar zu empfangen
So hielt ich dich sie war vollbracht
Die lange Reise durch die Nacht
Vom hellen Ursprung aller Dinge
Hab ich geweint oder gelacht
Es war als ob man uns ganz sacht
Ein Schicksalshauch durch Zimmer ginge
Da konnte ich die Welt verstehen
Dem Leben in die Karten sehn
Und war ein Teil der Schöpfungsstunde
Einmal im Leben sah ich weit
hinüber unsre Winzigkeit
In die endlose Weltenrunde
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