Philosophie am Morgen
Manchmal möchte man die Zeit, den Augenblick festhalten.
Manchmal verändert die Zeit das Leben und manchmal auch die Menschen.
Manchmal kann die Zeit Wunder bewirken und Wunden heilen.
Manchmal wünscht man sich, dass die Zeit stehenbleibt und manchmal dass sie schneller vorbeigeht.
Zeit kann man verbringen oder verschwenden.
Die Zeit ist ein komisches Ding und nur weil wir die Uhr lesen können, ist sie uns wichtig.
Zeit verbringen ohne auf die Uhr zu schauen ist Glück.
Macht was aus diesem Tag!
Alles Gute, Heinz!
Nicht nur, weil ich selbst gern dichte, bin ich ein riesengroßer Fan von Heinz Erhardt. Heute wäre der ewige Schelm hundert Jahre alt geworden. Seine Gedichte und Bücher, ja und auch seine Filme sind einfach herrlich.
Dazu steh ich, genauso wie zu der Tatsache, dass ich unzählige seiner Gedichte auswendig aufsagen kann.
Natürlich wünsche ich ihm zu seinem Jubiläum alles Gute… auch wenn er, dort wo er heute ist, keine solchen Glückwünsche mehr nötig hat. Denn wer der Menschheit so viel Gutes gebracht hat, dem geht es sicher gut. ;-)
Und zum Hundertsten gibt es nichts Passenderes als ein Gedicht vom Jubilar selbst.
Ganz zuletzt
O, wär ich
der Kästner Erich!
Auch wär ich gern
Christian Morgenstern!
Und hätte ich nur einen Satz
von Ringelnatz!
Doch nichts davon! – Zu aller Not
hab ich auch nichts von Busch und Roth!
Drum bleib ich, wenn es mir auch schwer ward,
nur der Heinz Erhardt…
Witzig ist übrigens, dass mir erst heute an diesem Jubiläum auffällt, dass er am genau selben Tag Geburtstag hat wie dieser Herr, der mir aus diversen Gründen auch sehr wichtig ist.
Liebe ist…
- … wenn sie ihren Ekel als Vegetarier überwindet, um für ihn Hackfleischgerichte zu kochen.
- … wenn sie von ihm die kleinsten Wortschnipsel aufschnappt und tags darauf all das längst erledigt ist, was er eigentlich tun wollte und nur so am Rande erwähnt hatte.
- … wenn sie “ihr” erklärt, warum Papi schon wieder den ganzen Tag nicht da ist und man ihm deswegen nicht böse sein sollte.
- … wenn sie nach einem super-spannenden und gruseligen Film Wert darauf legt, dass er mit ins Bett kommt.
- … wenn sie ihm versichert, dass seine Ängste und Nöte ganz normal sind.
Danke für alles, Spatzel! ♥
Sternschnuppe
In tiefer, dunkler, schwarzer Nacht,
nur ein paar Sterne blitzten auf,
hab ich an manche Sorg’ gedacht,
da nahm das Wunder seinen Lauf.
Zum Himmel blickte ich empor,
und traute meinen Augen nicht.
Ein helles Funkeln kam hervor,
ein Strahl, ganz glänzend, voller Licht.
Du kamst so plötzlich, einfach so.
Der Schreck war groß, doch schließlich dann,
war ich so glücklich und so froh
und strahlte Dich mit Freude an.
Dein Funkeln ließ mich richtig hoffen,
ich reckte mich Dir fest entgegen.
Ich hielt Dir meine Arme offen.
Du warst ein Glück, Du warst ein Segen.
Ganz plötzlich dann, erlosch Dein Licht.
Und Trauer ließ die Tränen treiben.
Doch wirklich weg, das bist Du nicht.
Du wirst in meinem Herzen bleiben.
Schicksal
Manchmal geht das Schicksal seltsame Wege.
Manchmal führt einen das Schicksal über einen Umweg auf den alten Weg zurück.
Manchmal fragt man sich, warum es diese Umwege überhaupt gibt.
Manchmal tun diese Umwege sehr weh.
Manchmal glaubt man, dass kein wirklicher Sinn dahintersteckt.
Und manchmal ist man fest davon überzeugt, dass alles… wirklich ALLES doch einen Sinn hat, den man vielleicht nicht versteht, aber den es gibt. Das tut gut.
Hoffnung
Achtung! Jetzt kommt ein “Insider”.
Die größten Menschen sind diejenigen, die anderen Hoffnung geben können.
Sean Saures
Danke Spatzel!
Lessing – “Der über uns”
Dass klassische Lyrik nicht nur steif und altbacken sein muss, das beweist ausgerechnet Gotthold Ephraim Lessing. Eigentlich war mehr das Drama sein Metier und umso erstaunlicher und witziger ist das folgende Gedicht. Wenn man bedenkt, dass es (wie er) aus dem 18. Jahnundert stammt ist es nicht nur beinahe schon pornografisch, sondern auch noch gotteslästerlich. Aber das störte ihn nicht und so entstand ein Werk, das ganz klar zu einem meiner Lieblingsgedichte zählt.
Gotthold Ephraim Lessing – “Der über uns”
Hans Steffen stieg bei Dämmerung (und kaum
Konnt er vor Näschigkeit die Dämmerung erwarten)
In seines Edelmannes Garten
Und plünderte den besten Äpfelbaum.
Johann und Hanne konnten kaum
Vor Liebesglut die Dämmerung erwarten,
Und schlichen sich in eben diesen Garten,
Von ungefähr an eben diesen Äpfelbaum.Hans Steffen, der im Winkel oben saß
Und fleißig brach und aß,
Ward mäuschenstill, vor Wartung böser Dinge,
Daß seine Näscherei ihm diesmal schlecht gelinge.
Doch bald vernahm er unten Dinge,
Worüber er der Furcht vergaß
Und immer sachte weiter aß.Johann warf Hannen in das Gras.
»O pfui,« rief Hanne; »welcher Spaß!
Nicht doch, Johann! – Ei was?
Oh, schäme dich! – Ein andermal – o laß –
Oh, schäme dich! – Hier ist es naß.« – –
»Naß, oder nicht; was schadet das?
Es ist ja reines Gras.« –Wie dies Gespräche weiter lief,
Das weiß ich nicht. Wer brauchts zu wissen?
Sie stunden wieder auf und Hanne seufzte tief:
»So, schöner Herr! heißt das bloß küssen?
Das Männerherz! Kein einzger hat Gewissen!
Sie könnten es uns so versüßen!
Wie grausam aber müssen
Wir armen Mädchen öfters dafür büßen!
Wenn nun auch mir ein Unglück widerfährt –
Ein Kind – ich zittre – wer ernährt
Mir dann das Kind? Kannst du es mir ernähren?«
»Ich?« sprach Johann; »die Zeit mags lehren.
Doch wirds auch nicht von mir ernährt,
Der über uns wirds schon ernähren,
Dem über uns vertrau!«Dem über uns! Dies hörte Steffen.
Was, dacht er, will das Pack mich äffen?
Der über ihnen? Ei, wie schlau!
»Nein!« schrie er: »laßt euch andre Hoffnung laben!
Der über euch ist nicht so toll!
Wenn ich ein Bankbein nähren soll:
So will ich es auch selbst gedrechselt haben!«Wer hier erschrak und aus dem Garten rann,
Das waren Hanne und Johann.
Doch gaben bei dem Edelmann
Sie auch den Äpfeldieb wohl an?
Ich glaube nicht, daß sies getan.
Die Liebenden
Sieh, wie sie zueinander erwachsen:
in ihren Adern wird alles Geist.
Ihre Gestalten beben wie Achsen,
um die es heiß und hinreißend kreist.
Dürstende, und sie bekommen zu trinken,
Wache und sieh: sie bekommen zu sehn.
Lass sie ineinander sinken,
um einander zu überstehn.Rainer Maria Rilke
Menschenjunges
“Menschenjunges, dies ist Dein Planet,
Hier ist Dein Bestimmungsort, kleines Paket.
Freundliches Bündel, willkommen herein,
Möge das Leben hier gut zu Dir sein!”(Menschenjunges von Reinhard Mey)
Lauter Wunder
Erstaunlich… und schön. Das kam neulich im Radio:
Gott ich staune,
lauter Wunder
hast du für uns ausgedacht.Sag wie hast du das gemacht,
dass es Nacht wird jeden Abend –
woher weiß denn das die Nacht?Woher wissen die Narzissen,
dass sie Ostern blühen müssen?
Und die Gräser auf den Wiesen
dass sie plötzlich wieder sprießen?Und die Petersiliensamen,
drinnen in der dunklen Erden,
sag’, wie können sie denn wissen,
dass sie Petersilie werden?Stimmt es dass die Erde rund ist?
Papa sagt, dass sie sich dreht!
Warum rutscht man dann nicht runter
wenn man grade unten steht?Warum fließen Wasserfälle
unaufhörlich Tag und Nacht?
Großer Gott, ich kann’s nicht fassen,
wie du das hast werden lassen,
wie du alles hast gemacht.Renate Schupp
Aus: Gerhard Vicktor, Renate Schupp, Gemeinsam Feiern. Ernst Kaufmann Verlag 1984






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