Gespräch morgens um 5
Mein lieber Lieblingssohn hat eine neue Vorliebe entwickelt: er sagt “Mama”. Dieses Wort benutzt er mit soviel Hingabe, dass ich jedesmal dahinschmelze, wenn ich es aus seinem Mund höre.
Leider hat er es sich zur Angewohnheit gemacht, dieses “Mama” morgens um 5 von sich zu geben. Um diese Uhrzeit weiß ich noch nicht so recht, ob ich es goldig oder nervig finden soll
Komische Sachen
Eben vorhin beim Anziehen empfand Hannah ihr T-Shirt als etwas zu eng. Ich hingegen fand es ganz okay, versuchte aber elegant die Hintertür zu nehmen und sagte voller Leichtsinn: “Frag mal die Mami!” Daraufhin offenbarte mir Hannah ihr Weltbild:
“Babi, stimmt! Ich und die Mama wir sind für die Wäsche zuständig und für’s Essen.”
Natürlich wollte ich wissen wofür dann “wir Männer”, also Moritz und ich, zuständig seien.
“Ach, das kann ich Dir net so genau erklären. Für so komische Sachen…”
Woher hat die Lyoner ihren Namen?
Wer Kinder hat, wird manchmal vor merkwürdige Rätsel gestellt. Genauer gesagt wird man Dinge gefragt, über die man selbst noch nie wirklich nachgedacht hat. Meist sind es Selbstverständlichkeiten, alltägliche Dinge, deren Hinterfragen man im Leben noch nie in Erwägung gezogen hat. Diesen Fragen ist es zu verdanken, dass ganze Jahre an Sendezeit für die berühmten Sachgeschichten von der “Sendung mit der Maus” gefüllt werden konnten.
Und eben solch eine Frage stellte uns Hannah neulich wieder einmal. Sie wollte nämlich wissen, woher ihre Lieblingswurst ihren Namen hat:
Mami, wieso heißt die Lyoner Lyoner?
Sowohl die Gefragte, als auch ich konnten allenfalls raten: Weil sie aus Lyon kommt? Keine Ahnung! Also fasste sich Katrin ein Herz und fragte dort nach, wo man es eigentlich ganz genau wissen sollte: Beim Metzger unseres Vertrauens. Über wilde Spekulationen darüber, wie der Erfinder der Wurst wohl hieß (der Herr Lyon?) bis hin zur spontanen Vermutung von uns (die kommt aus Lyon) war vieles dabei, aber nichts war stichhaltig und sicher. Gestandene Fleischereifachverkäuferinnen wurden da blass und ob ihrer eigenen Ausbildung (selbst-)zweifelnd. Wir hoffen doch, dass niemand der Gefragten den Job nun an den Nagel hängt!
Wer könnte in solch einer Situation besser helfen, als das gute alte Wikipedia? Und siehe da: Manchmal ist die erste Intuition die beste! Hand auf’s Herz: Hätte es jemand ad hoc sicher (!) gewusst?
Wer kleine Kinder hat . . .
- … erkennt recht schnell, dass Schlaf allgemein überbewertet wird.
- … isst, wenn’s halt grad mal reinpasst. Also nie!
- … geht so oft Spazieren wie sonst nie mehr im Leben.
- … orientiert sich mit seinen Fernsehgewohnheiten nicht an der TV-Zeitschrift, sondern an den Schlafphasen des Nachwuchses.
- … entwickelt akrobatisches Geschick und lernt mit der Zeit alles mit nur einem Arm zu erledigen.
- … entfernt Fäkalien, cremt Intimbereiche ein, massiert aufgeblähte Bäuche, schüttelt in den Schlaf und Dutziduzt wie von Sinnen.
- … bei dem kann ein Rülpserchen wahre Begeisterungsstürme auslösen.
- … findet Flusen zwischen kleinen, schwitzigen Zehen goldig.
- … empfindet Alltägliches wie Einkaufen oder Arztbesuche als echte Herausforderung.
- … führt Unterhaltungen über die Konsistenz von Stuhlgang.
- … lernt überhaupt erst seine wirklichen, persönlichen Grenzen kennen.
- … erlebt das größte Glück, das ein Mensch haben kann.
In der Wartehalle zum Ziel
Es ist schon merkwürdig: Zum zweiten Mal warten wir schon seit Monaten auf die Ankunft eines neuen Familienmitglieds. Zum zweiten Mal wird fleissig Nestbau betrieben und werden Vorbereitungen getroffen. Es fühlt sich irgendwie so an wie beim ersten Mal und doch ist alles so vollkommen anders. Schon als wir Hannah erwarteten, waren wir stets ruhig und gelassen. Wir hatten uns immer schon vorgenommen, alles so locker und “normal” als nur irgend möglich an- und hinzunehmen. Wir fuhren damit stets sehr gut – auch wenn es uns sicher nicht immer gelang. Jetzt sind wir gewissermaßen alte Hasen und wissen irgendwie schon recht genau, was auf uns zu kommt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass wir uns zwar tierisch auf den neuen Erdenbürger freuen, so etwas wie eine kribbelige Hysterie aber nicht aufkommen will. Das mag jetzt furchtbar klingen, so ist es aber nicht gemeint. Wo wir bei Hannah noch in die Welt hinausschrei(b)en wollten, dass wir sie erwarten und wie sehr wir uns darüber freuen, üben wir uns jetzt in bewußter Zurückhaltung. Wir wollen uns diesmal ganz “privat” wie blöde freuen. Wir möchten das diesmal ganz für uns alleine. Irgendwie besteht das dringende Bedürfnis, das alles für uns zu behalten. Dabei stellen wir uns dieselben Fragen: Wie wird das Kleine wohl aussehen? Wie wird sich seine Stimme anhören? Wird alles gutgehen? Wie wird dieser neue Mensch riechen, wie wird er sich anfühlen? Die Euphorie ist also groß, auch deshalb, weil noch viele weitere Fragen hinzukommen. Denn bei aller “Routine” (sofern man bei Eltern von sowas überhaupt je sprechen kann
), wir werden zum ersten mal Eltern von zwei Geschwistern sein.
Wie auch immer: Die Zeit rast – und zwar so schnell, dass wir heute erst erstaunt feststellten, wie bald wir schon den Vollmer-Clan erweitern. Wir freuen uns wie blöde, wenn auch irgendwie auf andere Art und Weise. Es ist spannend und aufregend, vielleicht auch ein wenig verunsichernd, aber eben auch ein Nervenkitzel. Die Reise geht weiter… Auch wenn wir noch ein bisschen in der Wartehalle zubringen müssen.
Lektionen des Lebens
Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann hat doch eigentlich jeder so seine Vorurteile über andere Menschen. Ich pack mich da hübsch an der eigenen Nase: wir lästern, weil sie andere Klamotten tragen oder komische Frisuren haben. Weil sie anderen Religionen angehören oder einfach einen “seltsamen” Lebenswandel haben. Bei Hannah im Kindi gibt es so eine Familie, über die jeder gerne so ein bisschen die Nase rümpft: Eltern sind nicht verheiratet, haben 5 Kinder (Vater hat mit anderer Frau noch 2 Kinder), leben von Sozialhilfe und sehen einfach “anders” aus. Aus eben dieser Familie ist einer der Kinder, ein Junge, bei Hannah in der Gruppe. Eigentlich ein sehr nettes Kerlchen und man mag fast sagen “seltsamerweise” sehr gut erzogen und sehr höflich. Jedenfalls wollte Hannah unbedingt, dass er in ihr “Kindergartenfreundebuch” reinschreibt. Ich habe mich bisher dagegen gesträubt, weil man ja nie weiß – bei so einer Familie. Nachher kriegt man es nimmer zurück oder es sieht aus “wie Sau”…! Vorurteile de luxe eben.
Hannah hat heute morgen aber ihren Dickschädel erfolgreich durchgesetzt und ihr Freundebuch diesem Jungen in die Hand gedrückt:”schreibst du mir bitte rein?”.
Nachdem selbst die Kindergärtnerin skeptisch war über den baldigen Zurückerhalt eben jeden Büchleins, ging ich mit gemischten Gefühlen heim (wird schon gutgehen). Heute mittag wurde mir dann eine peinlichen Lektion erteilt: der Bub hat Hannah ihr Büchlein in die Hand gedrückt und stolz wie Bolle verkündet:” ich hab dir schon reingeschrieben. Und ein Bild gemalt und ein Bild von mir reingeklebt!”
Was soll ich sagen? Fein säuberlich wurde das Abgefragte eingetragen, ein wunderschönes Bild gemalt und ein Foto des Jungen klebt ebenfalls im Büchlein.
Sowohl die Kindergärtnerin als auch ich waren uns peinlich darüber einig, dass Vorurteile manchmal einfach blöde sind!
Aber immerhin hat Hannah ihren Kumpel glücklich und stolz gemacht, denn er durfte bisher in kein Kindergartenfreundebuch reinschreiben…eben wegen der Vorurteile, die man so hat!
Gottvertrauen
Hannah findet es ganz und gar nicht in Ordnung, dass der schöne Schnee komplett weggeschmolzen ist. Immerhin will sie unbedingt wieder Skifahren und mit dem Schlitten den Buckel runtersausen. Heute morgen hat sie daher folgendes verkündet:
“Mama, ich hab zu dem lieben Gott und zu der Frau da oben (Frau Holle) ganz fest gebetet, dass sie Schnee schicken sollen. Für mich und für den Opa. Weil der liebe Gott macht alles um was ich ihn gebete!”
Ja, das kindliche Gottvertrauen ist unerschütterlich. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass Frau Holle zusammen mit dem lieben Gott alle Bettdecken und Kissen so kräftig wie nur möglich ausschüttelt.
Prioritäten
Es ist schon richtig, dass man im Leben Prioritäten setzen muss. Hannah macht das sehr konsequent, wie ich heute morgen feststellen durfte:
sie hat bei der Oma übernachtet und als ich heute morgen anrief, um zu fragen wie sie geschlafen hat bekam ich folgende Antwort:
Hannah:” Hallo Mama! Du kannst mich irgendwann abholen!”
Mama:” Hallo Maus, wie hast du geschlafen?”
Hannah:” Du Mama, wie geht´s dem Baby? Wir gehen noch zu den Rehen!”
Mama:” ääääh…gut….und ok, dann geht noch zu den Rehen, aber wann soll ich dich abholen?”
Hannah:” Toll, Mama…tschüüüüüüß!”
Ja .. ne… is klar :-)
Eine neue Freundin
Hannahs “Fernsehkarriere” begann mit der allseits bekannten “Biene Maja”. Zusammen mit Maja, Willi und Flip verbrachte sie so manch verregneten Nachmittag auf der Klatschmohnwiese. Danach folgte “Der kleine rote Traktor”, der sich allein schon wegen der kurzen Episoden für Zwischendurch super eignet, ohne gleich stundenlang vor der Glotze zu hocken. Etwas tragischer wurde es dann mit “Heidi”, die von ihrem geliebten Großvater aus den Bergen weg nach Frankfurt ziehen musste. Zuletzt kam nun “Nils Holgersson” dazu, der – zugegebenermaßen – für Hannah noch nicht so ganz altersgerecht ist. Trotzdem liebt sie ihn heiß und innig und überstand ihn bisher ohne psychische Beeinträchtigungen. Ganz im Gegenteil: Wie dieser Nils zu anfangs die Tiere auf dem Bauernhof seiner Eltern quält, das war ihr stets ein Dorn im Auge und entlockte so manche Gardinenpredigt ihrerseits. Für uns Eltern war stets beruhigend, dass Hannahs Interesse an den Figuren und Handlungen dieser Serien nicht am Ausschaltknopf des Fernsehers Halt machte. Eben auch und vor allem interessierte und interessiert sie sich auch für Bücher, die von ihren Helden erzählen. So zieren Hannahs Bücherschrank Werke wie “Biene Maja”, “Heidi” und “Nils Holgersson”. Selbst vom “Kleinen roten Traktor” hat sie ein Bilderbuch!
Neuerdings nun hält eine ganz neue Freundin Einzug in Hannahs Herz und die Wucht des “Einschlags” ist beeindruckend.
Bis dato kannten auch wir Eltern diese Freundin nicht und wäre daher auch nie im Leben auf die Idee gekommen, sie Hannah bekannt zu machen. Irgendwie ging die Kleine komplett an uns vorrüber. Zu verdanken haben wir die neue Bekanntschaft der Manja, die uns nicht nur reich beschenkte, sondern die vor allem auch von der Begeisterung ihrer Kleinen berichtete, wenn es um die “Kleine Prinzessin” geht. Heimtückisch, über ein wunderschönes Buch und dazu noch über ein Malbuch, pflanzte uns die liebe Manja den neuen Floh in Hannahs Ohr. Und das ist auch gut so!
Hannah liebt die “Kleine Prinzessin” , vermutlich weil sie häufig das durchlebt, was auch Hannah durchlebte oder noch immer durchlebt: Haare kämmen ist genauso doof wie den Schnulli für immer abgeben. Man wird selbst wieder zum Kind, wenn man die Geschichten der Prinzessin mitverfolgt und spätestens wenn man ihre Stimme in der Zeichentrickserie zum ersten Mal hört, muss man sich selbst als Mutter oder Vater ein verzücktes Quietschen verkneifen:
Liebe Manja, vielen Dank für diesen Floh! Nicht nur Hannah ist restlos davon begeistert.
Brieffreundschaft
Hannahs beste Freundin heißt Jule. Sie wohnt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und geht mit Hannah in den Kindergarten. Eigentlich wurde uns schon nach Hannahs ersten Kindergartentagen von der Erzieherin prophezeiht, dass diese beiden mal dicke Kumpels werden. Warum? Weil die zwei einfach zusammenpassen wie Ar… auf Eimer.
Schon seit geraumer Zeit möchte Hannah mit “ihrer” Jule baden gehen. Sie plantschten zwar schon im nachbarlichen Garten in einem aufblasbaren Plantschbecken, aber das ist natürlich nicht dasselbe wie im Freibad! Leider hat nun das Wetter einen ordentlichen Strich durch Hannahs Rechnung gemacht. Weil es in den nächsten Tagen wenigstens ein, zwei Tage schön werden soll, hat Hannah schließlich eine Einladung an Jule verfasst:
Liebe Jule,
ich möchte Dich in der ersten Kindi-Ferienwoche ins Freibad einladen. Es wäre schön, wenn Du Zeit und Lust dazu hast. Meine Mama macht mit Deiner Mama alles Weitere aus. Bitte sag ja!
Deine Hannah
Heute nun kam prompt Jules eigenhändig verfasste Antwort. Hut ab! Natürlich sagte Jule zu und merkte noch an, dass das Wetter ja noch besser werden müsse. Die wenigen Zeilen mussten wir der vor Freude überbordenden Hannah sicher zwanzig mal vorlesen. Als uns schließlich die Lust verließ, dichtete Hannah ihre ganz eigene Antwort zusammen und “las” diese kurzerhand selbst vor:






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