Zukunftsgedanken
Gestern war Elterngespräch in Hannahs Kindergarten. Nach jedem Geburtstag findet ein sogenanntes “Entwicklungsgespräch” statt, in welchem die Eltern zusammen mit den Erzieherinnen über die Fortschritte, Probleme oder Sorgen des Kindes sprechen.
Dass Hannah in ihrer sprachlichen Entwicklung weit voraus ist, wissen wir schon seit einiger Zeit. Sie schreibt die Namen all ihrer Kindergartenfreunde, sogar aus Büchern oder aus der Zeitung schreibt sie Wörter wie “Arzneimittel” o.ä. fehlerfrei ab. Sie lernt gerne auswendig, weiß jedes Kindergartenlied von Anfang bis Ende und kann schon ein bisschen rechnen. Hannahs Erzieherin hat uns daher den Denkanstoß gegeben, sie nächstes Jahr schon in die Schule zu schicken. Also ein Jahr früher als geplant.
Und was nun? Lassen wir sie nächstes Jahr in die Schule und “rauben” ihr ein Jahr ihrer Kindheit? Lassen wir sie im Kindi und riskieren, dass sie sich langweilt? Schwierige Fragen, die wir uns ab sofort durch den Kopf gehen lassen (müssen).
Lektionen des Lebens
Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann hat doch eigentlich jeder so seine Vorurteile über andere Menschen. Ich pack mich da hübsch an der eigenen Nase: wir lästern, weil sie andere Klamotten tragen oder komische Frisuren haben. Weil sie anderen Religionen angehören oder einfach einen “seltsamen” Lebenswandel haben. Bei Hannah im Kindi gibt es so eine Familie, über die jeder gerne so ein bisschen die Nase rümpft: Eltern sind nicht verheiratet, haben 5 Kinder (Vater hat mit anderer Frau noch 2 Kinder), leben von Sozialhilfe und sehen einfach “anders” aus. Aus eben dieser Familie ist einer der Kinder, ein Junge, bei Hannah in der Gruppe. Eigentlich ein sehr nettes Kerlchen und man mag fast sagen “seltsamerweise” sehr gut erzogen und sehr höflich. Jedenfalls wollte Hannah unbedingt, dass er in ihr “Kindergartenfreundebuch” reinschreibt. Ich habe mich bisher dagegen gesträubt, weil man ja nie weiß – bei so einer Familie. Nachher kriegt man es nimmer zurück oder es sieht aus “wie Sau”…! Vorurteile de luxe eben.
Hannah hat heute morgen aber ihren Dickschädel erfolgreich durchgesetzt und ihr Freundebuch diesem Jungen in die Hand gedrückt:”schreibst du mir bitte rein?”.
Nachdem selbst die Kindergärtnerin skeptisch war über den baldigen Zurückerhalt eben jeden Büchleins, ging ich mit gemischten Gefühlen heim (wird schon gutgehen). Heute mittag wurde mir dann eine peinlichen Lektion erteilt: der Bub hat Hannah ihr Büchlein in die Hand gedrückt und stolz wie Bolle verkündet:” ich hab dir schon reingeschrieben. Und ein Bild gemalt und ein Bild von mir reingeklebt!”
Was soll ich sagen? Fein säuberlich wurde das Abgefragte eingetragen, ein wunderschönes Bild gemalt und ein Foto des Jungen klebt ebenfalls im Büchlein.
Sowohl die Kindergärtnerin als auch ich waren uns peinlich darüber einig, dass Vorurteile manchmal einfach blöde sind!
Aber immerhin hat Hannah ihren Kumpel glücklich und stolz gemacht, denn er durfte bisher in kein Kindergartenfreundebuch reinschreiben…eben wegen der Vorurteile, die man so hat!
Kindergartenfreundinnen
Hannahs beste Freundin heißt Jule, und immer wenn eine der beiden krank ist, oder aus sonst einem Grund nicht in den Kindi gehen kann, dann schreiben sich die Zwei Briefe und malen Bilder oder basteln was für einander. Hannah konnte am Montag nicht in den Kindi, weil sie verschnupft war. Prompt hat Jule ihr einen Brief geschrieben und eine “Lichtertüte” gebastelt. Als mir Hannah beides gezeigt hat, hab ich ein Tränchen verdrückt, weil so entzückend:
Dauerkrank im Kindergarten: Wir sind nicht allein
Wir haben hier im Blog immer und immer wieder davon berichtet (sodass es oftmals sicher schon lästig wurde): Seit Hannah in den Kindergarten geht, jagt ein Infekt den nächsten. Wir haben inzwischen alles durch, was die Palette an Viren und Bakterien hergibt. Das härtet mit der Zeit natürlich ab – vor allem die Befindlichkeiten. Natürlich haben wir dieses Thema auch mehrfach schon mit Ärtzen besprochen und alle geben uns furchtbar gelassen zu verstehen, dass das alles ganz normal sei und auch die Häufigkeit unserer Erkrankungen locker im Durschnitt liege. Angesichts der Tatsache, dass wir dieses Jahr gefühlt schon dreihundert Mal krank waren, ist das ein schwacher Trost.
Ich weiß nicht was schlimmer ist: Die körperlichen Unannehmlichkeiten, die mit ständigen Infekten einhergehen? Oder das Problem, dass man als berufstätiger Erwachsener dem Arbeitgeber gegenüber irgendwann in Erklärungsnot gerät? Dann gibt es noch die liebe Familie, die einem zu verstehen gibt, dass da was nicht stimmen kann! Oder ist es am Ende doch die Enttäuschung darüber, dass die “heile Welt” des Kindseins in der Kindergartenzeit ständig unterbrochen und dadurch getrübt wird?
Keine wirkliche Linderung, doch aber ein etwas stärkerer Trost sind dann Berichte von Eltern, denen es ganz genauso geht. Es klingt schadenfreudig, ist aber wirklich nur gut gemeint, wenn wir sagen, dass entsprechende Themen in Foren wie Balsam auf unsere geschundenen Elternseelen sind:
- Cyberdoktor.de: “Kind ständig / häufig krank”
- Adeba.de: “Meine Kleine ist ständig krank”
- Netdoktor.de: “Seit einem halben Jahr ständig krank”
- Rund ums Baby.de: “Seit Kindergarten-ständig krank”
Wir haben uns inzwischen damit abgefunden, dass die Kindergärten und -tagesstätten (wie las ich es vor kurzem so trefflich in einem Blog) “die Virenschleudern der Nation” sind. Das gehört wohl einfach mit dazu und wir hatten das in unserer “heilen Welt” einfach nicht eingeplant
– daher wohl die Enttäuschung. Die einen trifft es einfach härter, die anderen weniger hart. Die Allerwenigsten kommen aber ganz ohne Blessuren davon und das beruhigt. Immerhin hat das Ganze auch Vorteile: Beim Arzt werden wir schon an der Tür mit Handschlag begrüßt, das Töchterlein behandelt den Doktor inzwischen wie ein Familienmitglied, in der Apotheke war schon die Rede von einer Medikamenten-Flatrate und die Krankenkasse schickt uns inzwischen palettenweise Freiumschläge für die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen.
Das hier soll junge Eltern aber keinesfalls entmutigen! Die Kindergartenzeit ist trotz allem eine schöne Zeit. Die erfahreneren Eltern wissen das: Nahezu täglich kommt was Neues mit nach Hause – und damit sind weniger die Erreger, sondern vielmehr schöne Überraschungen gemeint. Basteleien, Erfahrungen, Freundschaften, Feindschaften, Lieder, Wörter (leider auch mal Ausdrücke
)… Es ist spannend – trotz allem! Und das bleibt es (hoffentlich) wohl auch noch eine Weile… ;)
Unmoralische Anrufe
In ihrer Funktion als Mitglied des Elternbeirates von Hannahs Kindergarten machte sich Katrin und ihre “Ratskollegen” Anfang des Jahres daran, die Kontaktdaten aller einverstandenen Eltern zu sammeln, um diese in einer Telefonliste zusammenzufassen. Wir alle fanden die Idee toll, allein schon deshalb, weil sich so der ein oder andere Wunsch nach freundschaftlichem Kontakt sowohl für Kinder als auch für Eltern deutlich leichter nachkommen lässt. Also wurden Zettel verteilt, auf denen man seine Kontaktdaten eintragen und der bestimmungsgemäßen Verwendung dieser Angaben zustimmen konnte. Mit Ausnahme von einem Elternpaar machten alle begeistert mit.
Heute nun bekamen wir einen Anruf von einer Kindergartenmutter, die uns zu einer “Informationsveranstaltung” einladen wollte. Als wir nachhakten, worum es ginge und vor allem, woher sie unsere Nummer habe (denn wir stehen in keinem Telefonbuch!) wurde sie pampig und drängte auf ein Ende des Gesprächs. Nach einem kurzen Rundruf später wissen wir nun, dass die Dame und ihr Mann in der Finanzberatung tätig sind und die Telefonliste des Kindergartens zum Kundenfang missbrauchten – in gleich mehreren Fällen.
Wie dreist und unverschämt können Menschen sein, wenn es ums nackte Geldverdienen geht? Natürlich geben uns alle juristischen Regeln recht. Was aber viel schlimmer wiegt, ist der unverschämte Missbrauch von Vertrauen. Es ist beschämend, dass eine gute Absicht so ins Gegenteil verkehrt wird. Wir sind wütend und wir schämen uns! … und wir hoffen, dass all die anderen Eltern, die die Telefonliste mit guten Absichten verwendet haben, auch in Zukunft noch Vertrauen aufbringen können. Unglaublich!
Brieffreundschaft
Hannahs beste Freundin heißt Jule. Sie wohnt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und geht mit Hannah in den Kindergarten. Eigentlich wurde uns schon nach Hannahs ersten Kindergartentagen von der Erzieherin prophezeiht, dass diese beiden mal dicke Kumpels werden. Warum? Weil die zwei einfach zusammenpassen wie Ar… auf Eimer.
Schon seit geraumer Zeit möchte Hannah mit “ihrer” Jule baden gehen. Sie plantschten zwar schon im nachbarlichen Garten in einem aufblasbaren Plantschbecken, aber das ist natürlich nicht dasselbe wie im Freibad! Leider hat nun das Wetter einen ordentlichen Strich durch Hannahs Rechnung gemacht. Weil es in den nächsten Tagen wenigstens ein, zwei Tage schön werden soll, hat Hannah schließlich eine Einladung an Jule verfasst:
Liebe Jule,
ich möchte Dich in der ersten Kindi-Ferienwoche ins Freibad einladen. Es wäre schön, wenn Du Zeit und Lust dazu hast. Meine Mama macht mit Deiner Mama alles Weitere aus. Bitte sag ja!
Deine Hannah
Heute nun kam prompt Jules eigenhändig verfasste Antwort. Hut ab! Natürlich sagte Jule zu und merkte noch an, dass das Wetter ja noch besser werden müsse. Die wenigen Zeilen mussten wir der vor Freude überbordenden Hannah sicher zwanzig mal vorlesen. Als uns schließlich die Lust verließ, dichtete Hannah ihre ganz eigene Antwort zusammen und “las” diese kurzerhand selbst vor:
Die neue Oma!
Hannahs Kindergärtnerin hat mir heute eine sehr süße Geschichte erzählt:
am Montag, als die Kindergartenkinder auf dem Rückweg vom Wald in den Kindi waren, haben einige Kinder die Erzieherinnen gefragt, ob sie denn nachher auch von der Mutter abgeholt werden. “Nein”, war die Antwort, “wir werden nicht von unseren Müttern abgeholt.” Ein Mädchen hat dann gefragt, ob denn wenigstens die Oma käme. Daraufhin antwortete eine Erzieherin, dass ihre Oma leider schon gestorben sei, weil sie so alt war. Hannahs Kommentar dazu: “meine Oma ist ganz neu!” :-)
Der Glitzerkäfer
Zu Beginn der Geschichte eins vorneweg: nein – wir haben kein Bild gemacht :-)
Hannah hatte heute morgen im Sandkasten des Kindergartens einen grünen Glitzerkäfer (wie sie ihn nennt) gefunden. Wie zu erahnen, weilte dieser Käfer nicht mehr unter den Lebenden. Diese Tatsache jedoch störte Hannah nicht im Geringsten: sie hat mir nach Kindergartenende diesen sandigen und leicht lädierten Käferkörper mit den Worten in die Hand gedrückt:” guck mal Mami – mein Glitzerkäfer!” Darauhin habe ich behutsam versucht dem Kind zu erklären, dass eben jener Käfer tot sei. Die Antwort kam rasch und entwaffnend:” Ich weiß! Aber ich nehm ihn mit heim und dann kann er wieder fliegen!”
So!
Mit einiger Überredungskunst habe ich Hannah dazu gebracht, den Käfer wenigstens auf dem Balkon zu platzieren bis er wieder fliegen kann. Den ganzen Mittag hat sie sich um ihren Glitzerkäfer gekümmert: ihn gestreichelt und ihm eine Suppe gekocht. Ja! Als es endlich Abend wurde – und Hannah im Bettchen süß träumte – erhob sich jener Glitzerkäfer und flog davon…welch Wunder!
(Muss gestehen: ich hab ihn den Balkon runtergeworfen).
Rührend finde ich diese Geschichte dennoch :-)
P.S.: der Glitzerkäfer ist auch bekannt als “Gemeiner Rosenkäfer” – falls jemand nachschauen möchte
Kranke Kinder gehören ins Bett!
Oh wie ist mir heute der Kamm geschwollen – was hab ich mich aufgeregt. Aber, wie so oft, ist es auch dieses Mal völlig sinnlos denn es wird sich nichts ändern. Geschehen ist folgendes:
Hannah hat seit dem Wochenende ihren gefühlten 1000000000078594043. Infekt und kann somit nicht in den Kindi gehen. Sehr zu ihrem und meinem Leidwesen. Heute mittag waren wir eine kleine Runde spazieren und Hannah wollte mal eben schnell im Kindi nach ihren Freunden sehen. Also haben wir einen kurzen Stopp hingelegt um “Hallo” zu sagen. Was ich dort sag, ließ mir (wie oben beschrieben) beinahe den Kragen platzen: hustende, rotzelnde Kinder wohin man sieht. Das Schlimme dabei ist nicht, dass die Eltern ihre kranken Kinder im Kindergarten abliefern, sondern die Tatsache dass diese Eltern zuhause rein gar nix zu tun haben! Die stehen auf der Straße und datschen, oder rauchen auf dem Balkon das eine oder andere Zigarettchen oder machen nen schönen Spaziergang mit dem Hund! Keine der Mütter ist berufstätig, sondern zuhause. Und dennoch landen die Kinder im Kindergarten, wo sie fleissig ihre Bazillen und Viren an andere weitergeben! Wie verantwortungslos muss man denn sein??
Kindergarten = dauernd krank
Keine Sorge! Mir ist schon bewußt, dass unser inzwischen immerwährender Krankenstand so langsam niemanden mehr interessiert.
Es ist ja auch so, dass wir unser eigenes Selbstmitleid schon gar nicht mehr hören können und wollen.
Hier geht es auch weniger ums Lamentieren, als um eine Art “Umfrage”.
Seit Hannah letzten Herbst in den Kindergarten gekommen ist, haben wir quasi pausenlos irgendwelche Infekte, mit denen wir uns herumschlagen. Angefangen hat es gleich mal mit einer ordentlichen Magen-Darm-Grippe, dann aller Vermutung nach mit der Schweinegrippe und seither plagen uns immer wieder Schnupfen, Halsschmerzen und vor allem dieser hartnäckige und tiefsitzende Husten, der zunächst als bloßer Reiz im Hals beginnt und später dann auf die Lunge sitzt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich innerhalb von nur einem Vierteljahr gleich zwei Antibiotikatherapien durchmachen “durfte”. Um Hannahs Lunge zu schützen bekommt sie inzwischen ein Pulver, das normalerweise Asthmakinder nehmen müssen. Ich mit meinem allerigschen Asthma pumpe mir jetzt seit Jahren zum ersten Mal wieder regelmäßig Kortison in die Bronchien. Die Häufigkeit, die Intensität und vor allem die Hartnäckigkeit dieser Ansteckungen sind mir neu und daher auch ziemlich unheimlich.
Wenn man sich so umhört, scheint das allerdings ein ganz normales Phänomen im ersten (und teilweise auch noch im zweiten) Kindergartenjahr zu sein. Nirgendwo sonst scheinen so viele Erreger aufeinander zu prallen, als im Kindergarten. Vermutlich paaren sich in diesem “Freudenhaus für Erreger” die Bazillen und Viren fleißig und kreieren so neue Infekte, die wie Pilze aus dem Boden sprießen. Manchmal kommt es mir so vor, als ob wir hierfür das primäre Testlabor wären.
Mich würde mal interessieren, wie das bei Euch “jungen” Eltern da draußen so ist oder war. Kennt Ihr das Phänomen des “Dauerkrankseins”? Sind wir neuerdings einfach nur besonders anfällige Kreaturen oder halten wir uns noch relativ wacker? Wir kennen zum Beispiel auch Fälle von dauernden Mittelohrentzündungen und dergleichen. Das blieb uns bisher noch erspart! Kommt das womöglich noch? Wird es im Frühjahr und Sommer wirklich wieder besser mit den Erkältungen? Bricht dann dafür die Zeit der Läuse und Flöhe an?
Bitte sagt uns, dass die Welt doch nicht so böse ist! Sagt uns, dass noch Hoffnung auf eine (langfristige) Gesundung besteht.
In diesem Sinne: Einen lieben Huster an Euch alle!









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